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    Damit die Gelbe Tonne nur halb voll ist

    Die selbst hergestellten Reinigungs- und Pflegeprodukte präsentierte die Naturpädagogin Sabine Koch beim Info-Tag zum Thema "Vermeidung von Plastikmüll" im Antonia-Werr-Zentrum. Foto: Silvia Eidel

    Vieles geht ganz einfach und schnell, etwa Waschmittel oder ein Gesichtsöl herzustellen. Anderes ist aufwändiger, muss durchdacht sein, etwa der Großeinkauf für die Woche, möglichst plastikfrei. Auch in der Jugendhilfeeinrichtung des Antonia-Werr-Zentrums in St. Ludwig ist das Thema "Vermeidung von Plastikmüll" präsent, zuletzt bei einem Vortrag mit Workshop durch die Naturpädagogin Sabine Koch. Das Fazit: Da geht noch mehr!

    Die Erzieherin aus Euerbach kauft privat seit langer Zeit bewusster ein und fertigt viele Dinge des täglichen Gebrauchs selbst, erzählt sie, "von der Haarseife bis zum Rasierschaum". Gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit im Antonia-Werr-Zentrum (AWZ) vor einem Jahr musste sie für ihre Wohngruppe – eine von acht Gruppen für Mädchen in schwierigen Lebenssituationen – den Großeinkauf erledigen und dabei natürlich auf das Budget achten. "Ich war erschrocken über so viel Plastikverpackungen und Müll", erinnert sie sich.

    Gemeinsam mit der Leiterin der Einrichtung, Anja Sauerer, hatte sie die Idee, bei einer Erzieherkonferenz für eine Plastikvermeidung zu sensibilisieren. 60 Mitarbeiter, Erzieherinnen, Sozialpädagogen, Mitarbeiter des therapeutischen Dienstes, der Hauspflege, Gärtnerei und der Küche ließen sich durch Sabine Kochs Vortrag, eine Ausstellung und zahlreiche Workshops unterrichten.

    Eine Fülle an Informationen hatte die Referentin zusammengetragen: die Problematik von Plastikmüll im Meer, von ungenügenden Kunststoff-Recyclingquoten, von Mikroplastik im menschlichen Körper, von möglichen Krankheiten und Gefahren. Sie schloss ihren Vortrag mit einem Blick auf die Spiritualität der Oberzeller Franziskanerinnen: "Einsetzen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung."

    Schlechte und gute Beispiele, wie im Alltag mit dem Thema Plastik umgegangen wird, hatte sie in einer Ausstellung zusammengetragen. Vom Kaffee-To-Go-Becher bis zur Milch im Tetra-Pack, von der folienumhüllten Gurke bis zum Plastikspielzeug reichten die negativen Demonstrationsobjekte. Dagegen standen frisches Gemüse aus der hauseigenen Gärtnerei, Lebensmittel in Glas oder Papier verpackt, Holzbürsten oder Küchengeräte aus Metall.

    Schon mal Badreiniger selbst gemacht?

    Selbst ausprobieren konnten die Zuhörer in etlichen Workshops, wie einfach man Badreiniger herstellt, Klarspüler, Spülmaschinenmittel, Waschmittel, Essigreiniger, WC-Reinigungspulver, Deo, Gesichtsöl, Peeling, Zahnöl, Mundwasser oder Joghurt. Aus alten Bettlaken wurden zudem Spüllappen genäht.

    "Die Rezepte habe ich alle aus den Büchern von Nadine Schubert 'Besser leben ohne Plastik' und von smarticular", berichtete Sabine Koch.

    Reinigungs- und Pflegeprodukte kann man auch selbst herstellen. Wie, das zeigte Naturpädagogin Sabine Koch beim Info-Tag zum Thema "Vermeidung von Plastikmüll" im Antonia-Werr-Zentrum. Foto: Silvia Eidel

    Es gehe nicht nur darum, immer neue Plastikgefäße zu vermeiden, sondern auch umweltbelastende Stoffe in Hygieneartikeln zu vermeiden. Sodium Laureth Sulfate (SLS) etwa kommen in fast allen Pflegeprodukten oder Waschmitteln vor, können wegen ihrer aggressiven Reinigung aber Haut- und Haarprobleme verursachen. Fast immer wird SLS außerdem aus Palmöl produziert, der Anbau hat schwerwiegende Auswirkungen auf Ökosysteme.

    Dass man sich in St. Ludwig schon um Plastikvermeidung bemüht, zeige beispielsweise der Verzicht auf Einweggeschirr bei Festen, sagt Koch. Oder im Park würden Kastanien gesammelt, die zur Herstellung von Kastanienwaschmittel verkauft werden.

    Dass noch mehr möglich sein müsste, äußerten die begeisterten Workshop-Teilnehmer. Sie konnten abschließend ihre Träume aufschreiben, "damit die Gelbe Tonne nur noch halb voll ist", wie ein Wunsch dort hieß. Auch könnte das AWZ als Großeinkäufer für Waschmittel-Bestandteile wie Soda oder Natron fungieren, so dass die einzelnen Wohngruppen dort günstiger einkaufen könnten. Auch einen Milchautomaten wünschte sich ein Teilnehmer.

    Mit vielen Vorsätzen und hoch motiviert gingen die Teilnehmer auseinander. Die Mädchen und Lehrer im AWZ werden sich am 28. Februar mit Plastikvermeidung auseinandersetzen.

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