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    ÜCHTELHAUSEN

    Das Biotop im Biotop

    Auch der seltene und streng geschützte Kammmolch aus der Ordnung der Schwanzmolche hat den kleinen See gefunden – ebenso wie Reh, Wildsau und die Vögel. In dem heißen und trocken Sommer 2018 ist das vor einem Jahr vom städtischen Forstamt für 4000 Euro angelegte Biotop in der Waldabteilung Oberes Spitalholz bei Weipoltshausen auch eine wichtige Tränke für die Tiere des Waldes.

    Ein Meisterstück

    Das Biotop ist das Meisterstück von Forstwirtschaftsmeister Sebastian Reichl. Der hatte im Rahmen der Meisterprüfung drei Praktische Arbeiten vorzuschlagen. Darunter war die Idee eines Feuchtbiotops im Biotop Wald. Bei seinem Chef, Forstamtsleiter Hans-Ulrich Swoboda, und Revierförster Andreas Hummel stieß er damit offene Türen auf. Swoboda: „Wo sich in dem trockenen Wuchsgebiet der Fränkischen Platte die Gelegenheit bietet, sollte man Feuchtbiotope anlegen.“

    Schnell waren sich die drei einig, dass die immer nasse Rinne auf der bewaldeten Höhe nordnordwestlich von Weipoltshausen die besten Voraussetzungen für die Anlage eines größeren Feuchtbiotops (knapp 600 Quadratmeter) hat. Dort verhindert eine Tonschicht das Versickern des Wassers.

    Weil bekannt war, dass nach der Wahl der Prüfer für die Praktische Arbeit genau zehn Tage – einschließlich schriftlicher Ausarbeitung – bleiben, fühlte Reichl bei der Firma Lesin in Volkershausen vor, ob diese auf Abruf mit Bagger und Laster anrücken kann. Das Erdbauunternehmen sagte zu.

    Zehn Tage Zeit

    Als dann die E-Mail mit dem Auftrag für das Feuchtbiotop kam, musste im September 2017 alles schnell gehen. Während zwei Forstwirte das Holz ernteten und eine dritte Kraft gleichzeitig räumte, hatte sich der Prüfling um die Umsetzung seiner Idee zu kümmern. Am Abend des ersten Tages waren mehrere mächtige Buchen, aber auch Erle und Fichte geschlagen, 25 Festmeter Holz aufgesetzt und das Areal für den Einsatz des Baggers geräumt.

    Am nächsten Morgen kamen der 10,5-Tonnen-Radbagger und der Lkw. Mit dem Baulaser wurde das Gelände vermessen und Sebastian Reichl markierte mit Dachlatten die gewünschten Tiefen und Untiefen des künftigen Sees. Feingefühl war vom Baggerfahrer gefordert, der die bläulich-gräuliche Tonschicht, über deren Stärke keine Erkenntnisse vorliegen, nicht verletzten durfte.

    Der Natur übergeben

    Nach zwei Tagen waren Tief- und Flachwasserzonen geschaffen und am Abfluss ein Damm gebaut, dessen Krone aus großen Steinen besteht, die den Überlauf regeln, nicht abgespült und auch von den Wildsäuen nicht weggeräumt werden. Hinterlassen hatte der Bagger die blanke Erde. Ein Jahr später sind die Ufer bewachsen – noch vor allem mit den an feuchten Standorten gedeihenden Binsen mit grasartigen oder röhrenförmig ausgebildeten Blättern und braunen oder grünen Blüten.

    Besser und billiger

    „Wir haben nichts angepflanzt. Das macht die Natur allein“, meint beim Ortstermin Andreas Hummel. Swoboda ergänzt: „Besser und billiger als wir.“

    Im September 2017 hatten zwei Prüfer der Staatlichen Forstverwaltung Sebastian Reichl eine geglückte Anlage bescheinigt. Bestätigt ist dieses Urteil mittlerweile durch Kammmolch & Co. Verschiedene Lurche (vor allem Kammmolch und Teichmolch) laichen und leben an dem See mit dem buchtenartigen Ufern und nutzen die Flach- und Tiefwasserzonen. Andreas Hummel braucht auch nicht lange, bis er die Spuren von Reh und Sau gefunden hat. Dass die Vögel die Tränke nutzen, zeigt sich nach wenigen Minuten auch dem Spaziergänger.

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