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    Schweinfurt

    Das Museum der Zukunft entwickelt sich

    Das Kulturforum und was darin ab 2022 zu sehen sein wird, ist für viele Bürger noch nicht greifbar. Katharina Christ machte nun deutlich, was man sich vorstellt.
    Auf dem Luftbild der Schweinfurter Innenstadt ist gut das Ensemble des Kulturforums hinter der Kirche St. Johannis mit dem alten Gymnasium, dem Stadtschreiberhaus und der alten Reichsvogtei zu sehen, das bis zur Oberen Straße geht.
    Auf dem Luftbild der Schweinfurter Innenstadt ist gut das Ensemble des Kulturforums hinter der Kirche St. Johannis mit dem alten Gymnasium, dem Stadtschreiberhaus und der alten Reichsvogtei zu sehen, das bis zur Oberen Straße geht. Foto: Hajo Dietz Nürnberg

    In das Kulturforum am Martin-Luther-Platz hinter der Johannis-Kirche werdengroße Hoffnungen in Sachen Innenstadtbelebung gesteckt. Im Kulturausschuss hatte Forumsleiterin Katharina Christ schon einmal angedeutet, was für Altes Gymnasium, Stadtschreiberhaus, Alte Reichsvogtei und den Neubau geplant ist. Sehr konkrete Ideen für das neue Stadtmuseum präsentierte sie kürzlich gemeinsam mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Andrea Meyer im Rahmen einer Veranstaltung der Frauenunion. Klar ist: Es wird ein echtes Museum der Zukunft in historischem Ambiente, das seinen Anspruch, ein offener Treffpunkt zu sein, sicher erfüllen wird.

    "Ich bin mir sicher, dass es ein quicklebendiger Platz wird", erklärte Christ. Der Zeitplan sieht wie folgt aus: Büsche und kleine Bäume zwischen Gymnasium und Reichsvogtei sind schon weg, die Garagen werden abgerissen, danach kommt die Bodendenkmalpflege. Das Gelände war früher der Friedhof von St. Johannis. Im Hintergrund bereitet das Architekturbüro, das im Herbst 2018 den Wettbewerb gewann, die Ausschreibung für die auf gut 13 Millionen Euro Kosten geschätzten  Bauarbeiten vor. Außerdem ist der Wettbewerb für die Museumsgestaltung in Vorbereitung. Baubeginn soll nächstes Jahr sein, Eröffnung im Idealfall im Herbst 2022.

    Die Vorbereitung für das neue Kulturforum laufen auf Hochtouren: Die Bäume und Sträucher vom Alten Gymnasium aus Richtung Reichsvogtei schauend sind schon weg, die Garagen werden abgerissen, danach der ehemalige St.-Johannis-Friedhof noch einmal denkmalpflegerisch untersucht.
    Die Vorbereitung für das neue Kulturforum laufen auf Hochtouren: Die Bäume und Sträucher vom Alten Gymnasium aus Richtung Reichsvogtei schauend sind schon weg, die Garagen werden abgerissen, danach der ehemalige St.-Johannis-Friedhof noch einmal denkmalpflegerisch untersucht. Foto: Oliver Schikora

    Katharina Christ denkt bei der Konzeption ganzheitlich, auch wenn sie zugibt, dass es "eine Herausforderung ist, alle Ideen unter einen Hut zu bekommen." Wichtig sei vor allem, die Kosten möglichst genau zu wissen. Immer mit im Blick hat Christ neben dem Kulturforum auch das Gunnar-Wester-Haus mit Ikonensammlung und dem Museum für Feuererzeugung und Beleuchtung und die naturkundliche Sammlung im ehemaligen Harmonie-Gebäude. "Die gilt es auch aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken."

    Haupteingang zum Museum über den Martin-Luther-Platz

    Die Zuordnung der Gebäude im Kulturforum hält Christ für den richtigen Weg. Ins Alte Gymnasium kehrt nicht das Museum zurück, sondern die fünf Räume werden Aktionsräume. Das Stadtschreiberhaus beherbergt im Obergeschoss die Verwaltung und im Untergeschoss ebenfalls Aktionsräume und einen Teil des Foyers, das vor allem im Neubau von der Oberen Straße kommend bis zum Stadtschreiberhaus liegt. Der Haupteingang ist vom Martin-Luther-Platz aus, von dort wird auch das neue Stadtmuseum in den Räumen der Alten Reichsvogtei erschlossen. Ins Untergeschoss des Neubaus kommt ein Veranstaltungssaal für bis zu 300 Personen.

    Das Museum in Reichsvogtei wird vollkommen neu gedacht. "Es ist sicher eine Herausforderung auf so engem Raum so viele Themen darzustellen", sagt Christ, sieht das aber auch "als Chance" für neue Konzepte. "Wir wollen die Stadtgeschichte darstellen, vermitteln und fortführen", beschreibt sie den Anspruch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Einklang zu bringen.

    "Es ist sicher eine Herausforderung auf so engem Raum so viele Themen darzustellen."
    Katharina Christ, Leiterin des Kulturforums, über die Gestaltung des neuen Stadtmuseums.

    Andrea Meyer zeigte Gestaltungsbeispiele, wie ein modernes Museum die Besucher fesseln könnte. Großer Wert wird darauf gelegt, ein möglichst interaktives und zum Mitmachen anregendes Museum zu haben. Im Vordergrund steht für Meyer "die Geschichte Schweinfurts und seiner Menschen" darzustellen. Zwei Schwerpunkte hat das Museum: Schweinfurt als freie Reichsstadt und die Entwicklung Schweinfurts zur Industriestadt. 1200 Jahre Geschichte auf zwei Etagen kann man nicht vollumfänglich abbilden, eine Schwerpunkt-Bildung ist unumgänglich.

    In das Stadtschreiberhaus (rechts) zieht im Rahmen des Kulturforums die Verwaltung, ins Alte Gymnasium nicht mehr das Stadtmuseum, sondern es gibt dort Aktionsräume für alle interessierten Gruppen.
    In das Stadtschreiberhaus (rechts) zieht im Rahmen des Kulturforums die Verwaltung, ins Alte Gymnasium nicht mehr das Stadtmuseum, sondern es gibt dort Aktionsräume für alle interessierten Gruppen. Foto: Oliver Schikora

    Inwiefern die großen Themen Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg, Gastarbeiter, Migration und Aussiedler Teil der Dauerausstellung werden oder über Wechselausstellungen im Neubau bespielt werden, ist noch offen. Gerade der großzügige Neubau soll aber immer wieder dazu genutzt werden, einzelne Aspekte der Stadtgeschichte fokussiert zu präsentieren. Als gesetzte Themenfelder sieht Christ dabei jeweils eine "Made in SW", Ausstellungen zu Friedrich Rückert, vom Museum Otto Schäfer und vom Stadtarchiv sowie die Möglichkeit für die freie Kulturszene, sich zu präsentieren. 

    Als eigenen Bereich könnte sich Andrea Meyer "Mein Schweinfurt" vorstellen – hier können Bürger ihre Geschichten erzählen. Ende des Jahres plant die Stadt einen Aufruf an die Bürger, sich zu melden, wenn sie persönliche Gegenstände haben, die einen besonderen Teil Schweinfurter Geschichte repräsentieren.

    Freut sich auf das neue Kulturforum: Leiterin Katharina Christ vor dem Alten Gymnasium und dem Stadtschreiberhaus, die beide Teil des Kulturforums werden.
    Freut sich auf das neue Kulturforum: Leiterin Katharina Christ vor dem Alten Gymnasium und dem Stadtschreiberhaus, die beide Teil des Kulturforums werden. Foto: Oliver Schikora

    Vielfältig nutzbarer Veranstaltungsraum

    Für viele Kulturakteure natürlich wichtig ist die Frage, wie die neuen Räume im Alten Gymnasium genutzt werden. Der Veranstaltungssaal wird durch seine Bestuhlung vielfältig nutzbar sein, bekommt aber aus Kostengründen keine Trennwände, um noch einmal mehr Räume zum Beispiel zum Proben zu schaffen.

    Katharina Christ möchte die fünf Räume im Gymnasium auch grundsätzlich Themenfeldern zuordnen und entsprechend einrichten lassen – von der Museumspädagogik über digitale neue Techniken, Experimentallabor für freie Kunst bis zur Kulturküche. "Wir möchten Menschen aus allen Branchen und allen Schichten zusammen bringen", so Christ.

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