• aktualisiert:

    ALTMANNSDORF

    Das Protokoll einer Tragikomödie

    Wenn die Telefonleitung plötzlich tot und man quasi von der Außenwelt abgeschnitten ist, braucht man Geduld – und starke... Foto: Rolf Vennenbernd (dpa)

    Die Deutsche Telekom ist ein großes Unternehmen. Ein sehr großes Unternehmen. Das erfährt man, wenn man versucht, mit dem Konzern Kontakt aufzunehmen. Davon kann jetzt auch ein Ehepaar aus Altmannsdorf ein Lied singen, deren Telefon- und Datenleitung plötzlich tot war. Glücklicherweise besitzt das Ehepaar auch ein Handy. Damit gelang es, Kontakt zur Außenwelt und besonders zur Telekom Deutschland zu halten, um die Reparatur der Leitung auf den Weg zu bringen. Doch dieser Weg war steinig, schwierig und von Rückschlägen gezeichnet. Hier das Protokoll dieser, wie es die Betroffenen ausdrücken, „Tragikomödie“:

    Mittwoch, 22. August: Bei ihrer Heimkehr um 16 Uhr stellt das Ehepaar fest, dass das Telekom-Kabel über die Straße zu ihrem Haus zerrissen ist und an den beiden Masten herunterhängt. Die Folge: kein Telefon- und Internet-Kontakt. Per Handy werden die Störungsstelle der Telekom und die Polizei verständigt. Man meldet der Telekom ausdrücklich, dass es sich um eine Freileitung über die Straße handelt und dass der Monteur für die Reparatur Steigeisen oder ähnliches Werkzeug mitbringen muss. Die Telekom teilt mit, dass eine Reparatur erst am Freitag, 24. August, vormittags möglich ist. Die Polizei nimmt den Schaden auf und fordert das Ehepaar auf, die Telekom darauf hinzuweisen, dass die Polizei eingeschaltet ist.

    Donnerstag, 23. August: Das Ehepaar erhält auf dem Handy eine SMS der Telekom mit der Frage, ob der Schaden schon behoben sei und ob man damit zufrieden sei. Eine Antwort auf die SMS sei aber nicht möglich, weil die angegebene Nummer nicht existiere, erscheint als Meldung im Display. Deshalb umgehend neuer Anruf bei der Störungsstelle. Es bleibt bei den Informationen, dass am 24. August die Reparatur durchgeführt werden soll. Und: „Ignorieren Sie die SMS.“

    Freitag, 24. August: Um 10 Uhr erscheint ein Mitarbeiter in Altmannsdorf, um die Reparatur durchzuführen – allerdings ohne Steigeisen. Die Eheleuten sagen dem Mann, dass sie bei der Schadenmeldung doch ausdrücklich auf die Höhe der Reparaturstelle hingewiesen hätten. Davon ist dem Monteur aber nichts gemeldet worden. Er geht wieder. Er werde eine andere Stelle benachrichtigen und die werde sich dann melden, sagt er. Es meldet sich aber niemand.

    Freitag, 24. August: Um 10.30 Uhr erneuter Anruf bei der Störungsstelle: Der Monteur sei ein Mitarbeiter eines Subunternehmens gewesen, erfährt man jetzt. Leider habe er nur eine unvollständige Meldung gemacht und dabei auch keine Handynummer des geschädigten Ehepaares hinterlassen. Man solle deshalb auf eine weitere Meldung warten. Aber nichts geschieht.

    Freitag, 24. August: Um 17.45 Uhr erneuter Anruf bei der Störungsstelle. Der Firmenvertreter reagiert mit Unverständnis, schließlich sei ja heute der Techniker vor Ort gewesen. Antwort: „Ja, er war da, aber er hatte nicht das notwendige Werkzeug dabei.“ Der Telekom-Mann sichert zu, dass der besagte Techniker noch heute zurückruft. Macht er aber nicht.

    Samstag, 25. August: Morgens um 8.30 Uhr wieder Anruf bei der Störungsstelle. Für die Reparatur der zerrissenen Leitung, heißt es nun, sei ein Teilbereich der Telekom zuständig, in dessen Arbeitsplan die Störungsstelle keinen Einblick und folglich keinen Einfluss habe. Vermutlich werde heute niemand mehr kommen.

    Sonntag, 26. August: Erneuter Anruf bei der Störungsstelle kurz nach 15 Uhr. Antwort: „Es wird in der nächsten Woche gemacht.“ Der Altmannsdorfer sagt, dass er erwarte, dass es schon morgen gemacht werde. Sein Hinweis, dass der ADAC bei einem Schadensfall schneller kommt, wird am Telefon damit beantwortet, dass diese Reparatur schwieriger ist als eine Autoreparatur.

    Montag, 27. August: Anruf bei der Störungsstelle kurz nach 9 Uhr: Die Abteilung Technik sei informiert, erfährt man jetzt. Die Störungsstelle werde „im Auftrag“ des Kunden diese Abteilung jetzt anschreiben. Keine weitere Meldung der Telekom an diesem Tag.

    Dienstag, 28. August: Am Morgen wieder Anruf bei der Störungsstelle. Man erfährt, dass die Reparatur jetzt für Freitagabend, 31. August, geplant ist. Der Telekom-Gesprächspartner reagiert verständnisvoll darauf, dass das Altmannsdorfer Ehepaar die Zeitspanne ohne Telefonanschluss vom 22. bis 31. August als zu lange empfindet. Der Mitarbeiter bietet verschiedene Dinge an, zum Beispiel Umschalten des Festnetzanschlusses auf die Handy-Nummer, Gutschrift von Einheiten auf das Handy, falls es ein Telekom-Handy ist (was es aber nicht ist) und verweist auf Hotspot-Sondermöglichkeiten via Telekom-Laden. „Ich danke ihm ausdrücklich dafür, dass er in den Gesprächen seit dem 22. August der erste ist, der mir hilfreiche Angebote machte“, berichtet der Altmannsdorfer.

    Mittwoch, 29. August: Am Morgen kommt wieder eine SMS, ob man mit dem gestrigen Gespräch zufrieden war. Eine Antwort auf die SMS ist allerdings wieder nicht möglich, weil das Handy meldet, dass die angegebene Nummer nicht freigegeben sei. „Ich empfinde die Angabe einer Antwortnummer, die nicht zu benutzen ist, als eine bodenlose Frechheit der Telekom“, schimpft der Altmannsdorfer. „Ich hätte mich lobend über den Kundendienst-Mitarbeiter äußern wollen, aber die Telekom Deutschland will ja offenbar gar nicht meine Meinung wissen, sonst würde sie eine seriöse Nummer für die Rückantwort angeben.“

    Mittwoch, 29. August: Nach 11 Uhr entdeckt die Ehefrau zufällig einen Lieferwagen am Straßenrand gegenüber, auf dem unter anderem das Stichwort „Glasfaser“ zu lesen ist. Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass die Firma aus Lichtenfels von der Telekom den Auftrag erhalten hat, die Telekom-Leitung zu reparieren. Die zwei sehr freundlichen Mitarbeiter ziehen ein neues Kabel über die Straße. Es ist noch vor 12 Uhr, als sie schon wieder weg sind. Die Altmannsdorfer können von Glück reden, dass sie zufällig die Monteure entdeckt haben. „Sie waren zu diesem Zeitpunkt nicht angekündigt und sie haben sich auch nicht bei uns im Haus gemeldet.“

    Mittwoch, 29. August: Der Altmannsdorfer fasst die Geschehnisse dieser „Tragikomödie“ in einem Brief an die Telekom zusammen. Das Schreiben endet: „Bei Nachrichtensendungen aus dem Sportbereich im Fernsehen bekommen wir immer wieder zu sehen, wie viele Sportler auf ihrer Kleidung Reklame für Ihre Firma tragen. Geld haben Sie dafür offenbar in Hülle und Fülle. Da ist mir nicht verständlich, dass Sie nicht für eine Arbeitsgruppe Geld haben, die solche Schäden wie bei uns schneller beheben kann! Das zwangsweise Anschauen dieser Reklame auf den Sportlern wird die Verärgerung über unsere schlechte Behandlung durch die Telekom Deutschland bei mir lange lebendig halten.“

    Samstag, 8. September: Bislang hat die Telekom Deutschland auf das Schreiben des Altmannsdorfers noch nicht reagiert.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!