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    Schweinfurt

    Das erste Walzenwehr der Welt wird ausgebaut und saniert

    Am Main gibt es viele Staustufen, doch nur einen zusätzlichen Grundablass. Das Wehr unter der Schweinfurter Maxbrücke ist das erste und älteste Walzenwehr der Welt.
    Der Grundablass an der Zufahrt zur Cramermühle. Foto: Gerd Landgraf

    Begonnen hat die Grundsanierung des ersten Walzenwehrs der Welt, das an der Zufahrt zur Cramermühle steht und mit dem der Abfluss vom Main in den Saumain zu regeln ist.

    Wassermassen bedrohten die Stadt

    Die Ausgangssituation für den Umbau der gesamten Schweinfurter Wehranlage bildeten die örtlichen Abflussverhältnisse des Mains. Zwischen 1870 und 1890 war es mehrfach durch Eisstau zu schweren Eisabgängen mit einer plötzlichen Anhebung des Wasserspiegels um bis zu 290 Zentimeter gekommen. Die Wassermassen bedrohten daraufhin Schweinfurt und Sennfeld. Im Jahr 1898 schrieb die Stadt deshalb einen Wettbewerb aus für eine "Vorrichtung, die rasch und sicher funktionieren soll und in ihrer Gesamtlänge frei von verwickelten Getrieben sein muss". 

    Die Aufschrift auf der Walze am Grundablass informiert über den Hersteller: Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg A.G., Zweiganstalt Gustavsburg. Foto: Gerd Landgraf

    Die Ausschreibung fand jedoch nur ein geringes Echo. Die Idee einer beweglichen Verschlusswalze über die gesamte Länge wurde nach Einholung eines Sachverständigengutachtens "als unausführbar nach dem heutigen Stand der Technik" abgelehnt. Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg ließ sich von dem negativen Bescheid jedoch nicht verunsichern und wandte sich an die oberste Baubehörde.

    Erfinder gaben nicht auf

    So kam es dann doch noch zur Ausführung des Vorschlags des ehemaligen Flussbauamtsrats Ludwig Freytag. Gebaut wurde im Fluss ein 35 Meter langes bewegliches "Überfallwehr zur Erzielung einer entsprechenden Stauhöhe und gleichzeitiger Eismassenabfuhr".  Zudem entstand unterhalb des Elefantenbuckels in der Nähe der Brücke zur Böckleinsinsel (Cramermühle) der Grundablass zur "erforderlichen späteren Öffnung und früheren Schließung" – wodurch die Schifffahrt von der Regulierung der Wehrverschlüsse unabhängig wurde. 

    Bereits im Sommer wurde der Grundablass bei der Zufahrt zur Cramermühle trocken gelegt und kontrolliert. Foto: Gerd Landgraf

    Bei dem Verschluss am Grundablass entschied man sich erstmals für eine Neuentwicklung, eine ausgesteifte Zylinderröhre, die auf einer schiefen Ebene in die Höhe gewalzt werden kann. Später wurde der Röhre ein schnabelförmiger Aufsatz hinzugefügt.

    Alle Bauwerke in drei Jahren

    Mit der weltweit ersten Anwendung des Walzenverschlusses beim Schweinfurter Grundablass wurden die Grundzüge für alle künftigen Walzenwehre festgelegt. Die Verträge zur Fertigung, den Bau und die Montage der Schweinfurter Wehre und der Grundablässe wurden am 8. Juni 1901 aufgesetzt und unterzeichnet. Am 24. Mai 1902 erfolgte die Übergabe der seitlichen Grundablässe und ein Jahr danach die der Wehre (am 18. Dezember 1903).

    Das Denkmal "Altes Walzenwehr" an der Gutermann-Promenade. Foto: WSA

    Erst 1963 – also nach sechzigjährigem störungsfreiem Betrieb – wurden die Schweinfurter Walzenwehre im Rahmen des Flussausbaus zur Großschifffahrtsstraße durch eine Staustufe ersetzt. Der Grundablass an der Cramermühle blieb technisch unverändert und erfüllt bis heute seine Aufgabe. Ein seitlicher Antrieb des Grundablasses der Walzenwehre ist ebenfalls erhalten geblieben und heute an der Gutermann-Promenade Bestandteil des "Technischen Wanderwegs". 

    Die komplette Technik des Grundablasses wird ausgebaut und saniert. Foto: Gerd Landgraf

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