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    EBRACH

    Das etwas andere Warnschild am Straßenrand

    Dieses auffällige Schild in einem Feld am Ortausgang von Ebrach in Richtung Breitbach erregt momentan die Aufmerksamkeit... Foto: Norbert Vollmann

    Wer momentan auf der Bundesstraße 22 von Ebrach in Richtung Breitbach fährt, reibt sich direkt hinter der Überquerungshilfe am Ortsausgang von Ebrach etwas verwundert die Augen. In dem Feld auf der rechten Seite erregt ein auffälliges Schild mit der Überschrift „Ernte in Gefahr“ in dicken roten Lettern die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer.

    Der Leser wird mit der Frage konfrontiert: „Was ist denn hier passiert?“ Und erfährt von den buchstäblich grün angestrichenen „Pflanzenschützern“ als Unterzeichner: „In diesem Feldabschnitt haben wir auf modernen Pflanzenschutz verzichtet. Keine Mittel gegen Unkraut, Pilze, Schädlinge. Das Ergebnis sehen Sie selbst.“

    Dann folgt, um was es den „Pflanzenschützern“ geht: „Nutzpflanzen brauchen Schutz: Unkräuter rauben ihnen Nährstoffe, Wasser und Licht. Pilze und Schädlinge machen sie krank. Ohne modernen Pflanzenschutz gehen die Ernten dramatisch zurück. Im Getreide bleibt uns Landwirten im Schnitt nur der halbe Ertrag“. In Warn-Rot wird nachgeschoben: „In schlechten Jahren droht ohne Pflanzenschutz der Ausfall der ganzen Ernte“.

    Das Ziel der Aktion ist quasi, als Landwirt nicht darüber zu reden, wofür und weshalb man Pflanzenschutzmittel für nötig hält – sondern zu zeigen, wie es auf einem Feldstück ohne diese Mittel aussieht. Um das schlechte Image von Pflanzenschutz in der Gesellschaft zu verbessern, werben so Landwirte seit geraumer Zeit mit derartigen Demonstrationsflächen für modernen Pflanzenschutz.

    Dass vielleicht auch die Böden und die Tiere Schutz brauchen könnten, davon ist demzufolge nicht die Rede. Es geht also um den Ertrag, wie auch die neben dem Text auf der Schautafel stehende Balkengrafik deutlich macht. Sie zeigt in Prozenten auf, mit welchen Ausfällen ohne „modernen Ackerbau“ bei Weizen, Gerste, anderem Getreide, Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben zu rechnen ist. Die Quelle für diese Zahlen bleibt man allerdings schuldig.

    Hinter der Initiative „Die Pflanzenschützer“ steht der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) mit Sitz in Frankfurt am Main. Der IVA vertritt als korporatives Mitglied des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) wiederum die Interessen der agrochemischen Industrie in Deutschland. Der Wirtschaftsverband IVA ist 1988 aus dem Zusammenschluss des Industrieverbands Pflanzenschutz mit drei Fachverbänden der Düngemittelindustrie entstanden.

    Zu den Geschäftsfeldern der 54 Mitgliedsunternehmen von BASF über Bayer bis hin zu Monsanto Agrar Deutschland gehören nach eigener Angabe Pflanzenschutz, Pflanzenernährung, Schädlingsbekämpfung und Biostimulanzien. Zur Erläuterung: Biostimulanzien ist der Oberbegriff für eine neue Generation sogenannter Pflanzenstärkungsmittel in der Landwirtschaft. Diese „Nahrungsergänzungsmittel“, wenn man so will, sollen die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen erhöhen, die Qualität und Erträge von Fruchtpflanzen steigern und die Bodenfruchtbarkeit stärken.

    Die Mitgliedsunternehmen des Industrieverbandes Agrar befassen sich mit Produkten und Dienstleistungen der Agrarwirtschaft in den Bereichen Düngemittel, Grüne Gentechnik, Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung. Als Interessenvertretung versucht der Industrieverband Agrar dabei, die positiven Aspekte des Pflanzenschutzes aufzuzeigen, wie man auch am „Ernte in Gefahr“-Schaugetreidefeld am Ortsausgang von Ebrach erkennen kann.

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