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    SCHWEBHEIM

    Das pralle Leben, relativ simpel

    Musikkabarettist Stephan Zinner und seine musikalische Verstärkung Andi Kaufmann sorgten beim Zeltfestival des Förderkreises der Heideschule für Unterhaltung. Foto: Ursula Lux

    Da steht er in der Manege und redet sich meist im oberbayerischen Dialekt quer durchs menschliche Leben. Stephan Zinner sei wieder so „ein Geheimtipp“, kündigte die Vorsitzende des Fördervereins, Marlies Denecke„ an.

    Der „Geheimtipp“ musste ein bisschen warten, bis er in die Manege durfte, denn Denecke blickte zurück. Dies war das dritte Mal, dass der Förderkreis ein Zirkusprojekt für die Schüler ermöglichte. Und bereits von Anfang an wurden die von einem Zeltfestival begleitet. Jeden Abend treten Künstler in der Manege auf, darunter viele „Geheimtipps, wie beispielsweise 2008 Michl Müller, Sebastian Reich oder die Gruppe Viva Voce. „Die waren zuerst bei uns, bevor sie berühmt wurden“, meint Denecke stolz.

    Vor allem aber nutzte die Vorsitzende des Fördervereins ihre Ouvertüre, um sich bei all jenen zu bedanken, die teils schon zum dritten Mal das Zeltfestival begleiten und unterstützen. Allen voran Hausmeister Peter Wetterich und Sekretärin Bettina Seufert, aber auch ihren Vorstandskollegen Roman Kempf, Bettina Heinikl, Alexander Lewetz und Josef Bernard.

    Es dauerte also etwas bis der Musikkabarettist Stephan Zinner in die Manege durfte. Und ganz so unbekannt war er dann doch nicht. Der Wahlmünchner gibt beim Singspiel auf dem Nockherberg das Double von Markus Söder und spielt den Metzger Simmerl in allen Eberhofer-Krimis des Bayerischen Rundfunks. In beiden Rollen ist er vielen Zuschauern bekannt. Der Schauspieler, Kabarettist und Musiker redet und singt sich in seinem Programm „relativ simpel“ durch viele Alltagssituationen.

    Sein Dialekt ist für die Unterfranken eine akustische Herausforderung, die sie aber in der abgemilderten Mundartform bei den Textbeiträgen hervorragend meistern. Zinner hat keinerlei Probleme sein Publikum mitzunehmen und zum Lachen zu bringen.

    Dass das Leben an sich eigentlich relativ simpel ist, „Geburt, Pubertät, Fortpflanzungspartner finden, wenn's klappt Kinder, gutes Bier trinken, in Würde alt werden, dann Sterben“, widerlegt er dabei perfekt. Dabei muss er nur beschreiben, was er sieht: „Deutschen Rentnergruppen in karierten Dreiviertelhosen aus denen Steckerlhaxen mit Trekkingsandalen herausschauen, aus denen wiederum Zehen mit ungeschnittenen Fußnägeln ragen.“ Oder aber radelnde Männer Anfang 50, mit Gleitsichtbrille und Oberlippenbart, die sich „in Trikots hineinarbeiten“. „Es ist mit den Trikots wie beim FKK, es machen meistens die Falschen“, stellt Zinner fest.

    Die Nachbarin, die „Innenhof-Watching“ betreibt, das Online-Dating mit Premium-Partnern, Fake News und alternative Fakten in der Politik, Doping beim Sport, der Kabarettist lässt nichts aus. Er schaut genau hin, plaudert, überspitzt, lästert und zeigt so die Absurditäten des Alltag, sehr zum Amüsement seiner Zuhörer auf.

    Dabei greift er immer wieder zur Gitarre. Hier allerdings gerät das unterfränkische Publikum an seine Übersetzungsgrenzen. So viel Oberbayerisch verstehen die wenigsten, dem Erfolg tut das keinen Abbruch, Musik ist eben auch ohne Text mitreißend. Für die Musik hat der Kabarettist auch Unterstützung mitgebracht. Der Schweizer Andy Kaufmann schlägt die Trommeln und den Gitarrenkasten und macht das Dialektchaos perfekt. Allein auf Tour sei gefährlich, erklärt Zinner, er habe angefangen mit seinem Spiegelbild zu sprechen – ob das wohl oberbayerisch konnte?

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