• aktualisiert:

    REGION STEIGERWALD

    Dem Salamander scheint es gut zu gehen

    Allem Anschein nach scheint der mit Importtieren aus Asien eingeschleppte tödliche Salamanderfresser-Hautpilz auf seinem Vormarsch in Deutschland noch nicht bis in den Steigerwald vorgedrungen zu sein. Fürs erste kann somit vorsichtige Entwarnung gegeben werden, auch wenn die Gefahr nicht gebannt ist, dass er sich auch hier ausbreiten könnte. Offenbar sind es vielmehr klimatische Gründe, die den „Lurch des Jahres 2016“ veranlasst haben, sich heuer im Vergleich zu den Vorjahren bisher deutlich seltener im Steigerwald zu zeigen und in Schlupfwinkel zurückzuziehen.

    Rückgang, Rückzug oder tödlicher Pilz?

    Das Phänomen war deshalb verwunderlich, weil eines der größten Vorkommen des Feuersalamanders in Deutschland in den Wäldern des staatlichen Forstbetriebs Ebrach im nördlichen Steigerwald zu finden ist. Allein in über 40 Bächen zwischen dem Tal der Rauhen Ebrach und dem Nordrand des Steigerwaldes waren die possierlichen Tierchen aufgrund der hier vorliegenden günstigen Voraussetzungen im Rahmen einer Studienarbeit nachgewiesen worden. Ist es ein deutlicher Rückgang der Population oder vielleicht doch nur ein Rückzug, das war die spannende Frage.

    Carolin Dittrich ist eine der profundesten Kennerinnen des Salamanders im Steigerwald. Bei der Wissenschaftlerin am Museum für Naturkunde und Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung in Berlin laufen die Fäden der sogenannten „Amphibien Task Force“ zusammen. Das Bürgerwissenschaftsprojekt (www.buergerschaffenwissen.de/projekt/amphibien-taskforce) war gemeinsam mit dem Staatlichen Forstbetrieb in Ebrach auf den Weg gebracht worden.

    Ein Kollege Dittrichs hatte noch im Oktober bei guten Witterungsbedingungen mit um die zehn Grad Celsius und leichtem Regen bis zu 20 Salamander pro Abend gesehen und fotografiert. Doch dann brachen die nach Berlin geschickten Meldungen von entdeckten Salamandern abrupt ab. Das hatte den Verdacht genährt, dass möglicherweise der Pilz, der die Haut der Tiere mit dem auffälligen schwarz-gelben Rückenmusters zerfrisst, den Steigerwald erreicht haben könnte.

    „Die Tiere sahen gesund und munter aus“

    Carolin Dittrich nutzte deshalb ihre Anwesenheit beim kürzlich stattgefundenen Tag der offenen Tür an der Feldstation der von der Universität Würzburg betriebenen Ökologischen Außen-Forschungsstation in Fabrikschleichach, um sich in der näheren Umgebung umzusehen. In dieser Zeit hatte es zumindest etwas geregnet, wie sie berichtet.

    Dadurch konnte sie im Umfeld des nahe gelegenen Wotansborns, einer 1912 gefassten Quelle des Erlesbachs, recht einfach und schnell mehrere Feuersalamander unter dem modernden Totholz finden. Carolin Dittrichs Befund: „Die Tiere sahen gesund und munter aus.“ Auch in den Bächen lassen sich größere Mengen an Larven des Feuersalamanders nachweisen, wie die Biologin betont.

    Es sind inzwischen auch einige neue Meldungen von Bürgern bei Carolin Dittrich eingegangen. Zusätzlich hätten noch andere Personen Beobachtungen gemeldet, allerdings ohne dass hierzu von den Tieren Fotos gemacht worden waren.

    Warum sich die Tiere zurückziehen?

    Carolin Dittrich bestätigt damit die auf unseren am 26. Mai veröffentlichten Artikel „Große Sorge um den Salamander im Steigerwald“ hin von Waldbesuchern gemachte Erfahrung, dass nach Regenfällen relativ viele Tiere gesichtet wurden.

    Aus diesem Grund geht die Biologin davon aus, dass die Kombination aus der andauernden Trockenheit und den hohen Tagestemperaturen dazu geführt hat, dass sich die Tiere heuer zurückziehen und tiefer in ihre Tagesverstecke drängen.

    Auch wenn es scheint, dass der Salamanderfresser-Pilz bisher nicht in den Steigerwald vorgedrungen ist, sei es weiterhin wichtig, die Entwicklung aufmerksam zu beobachten, um schnell reagieren zu können, wenn es doch erste tote Salamander durch den tödlichen Hautpilz zu beklagen geben sollte.

    Egal ob tot oder lebendig: Tiere melden

    Um die einheimische Lurche künftig besser verstehen zu können, aber eben auch um auftretende Gefahren wie den Salamanderpilz frühzeitig zu erkennen, hofft die Wissenschaft durch die Meldung entdeckter Exemplare unter der E-Mail-Adresse salamander@mfn.berlin anhand der beigefügten Bilder und näheren Angaben zum Fundort mehr über den Feuersalamander im Steigerwald herauszufinden.

    Falls Spaziergänger tote oder lebende Tiere finden, sollten diese fotografiert und Ort, Datum, Uhrzeit sowie Anzahl der Tiere notiert werden, so Carolin Dittrich. Die Mitteilungen können direkt per E-Mail unter salamander@mfn.berlin an das Naturkundemuseum geschickt werden. Wenn nötig, werden sie von dort an die Nationale Meldestelle an der Universität Trier weitergeleitet.

    Identifizierung per Rückenmuster

    Feuersalamander sind übrigens an ihrem individuellen Muster auf dem Rücken zweifelsfrei zu identifizieren, so wie der Mensch am Fingerabdruck. Schon ein Bild von einem Teil des Rückens reicht, um ein bereits erfasstes Tier in der Datei wiederzufinden. Auch sein Alter lässt sich damit exakt bestimmen.

    Der tödliche Hautpilz mit dem wissenschaftlichen Namen Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal, hat den Feuersalamander In den Niederlanden bereits fast ausgerottet, in Belgien ist die Population ebenfalls völlig eingebrochen. In Deutschland beschränkte sich der Infektionsherd bisher auf die Eifel und die Stadt Essen im Ruhrgebiet. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Ausbreitung ganz Deutschland erfassen kann, solange Salamander und Molche weiter aus Asien eingeführt und über den Zoo- und Tierhandel verkauft werden.

    Löcher in der Haut

    Erkennbar ist der Pilz an Schädigungen, Verletzungen oder anderen untypischen Veränderungen der Haut. Die Pilzinfektion beginnt damit, dass sich die Tiere häufig häuten und die abgestoßene Haut teils noch am Tier erkennbar ist. Mit steigendem Infektionsgrad bilden sich Löcher oder auch Geschwüre in der Haut, weshalb der Pilz auch Salamanderfresser genannt wird. So führt die Infektion mit dem heimtückischen Erreger in der Regel innerhalb weniger Tage zum Tod des Tieres.

    Die Arbeitsgruppe Urodela (Schwanzlurche) der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) wird übrigens Anfang Oktober ihre Jahrestagung in Gersfeld in der hessischen Rhön abhalten. Bei den zahlreichen Vorträgen wird es vorrangig um den Salamanderpilz gehen. Carolin Dittrich wird bei dieser Gelegenheit vom Bürgerwissenschaftsprojekt im Steigerwald berichten.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!