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    ALITZHEIM

    Den Kirchenraum durch Stimmenklang zum Leben erweckt

    Tenor David Lugert, Bariton Matthias Hofmann, Bass Heiko Benjes, Tenor Bastian Hupfer und Bariton Jörg Schwartzmanns (vo... Foto: Karina Nöller

    Ohne große Technik, ohne Instrumente, alleine mit dem Variantenreichtum ihrer Stimmen gelang es der bekannten A-Cappella-Band Viva Voce die Konzertbesucher in der Alitzheimer Kirche in ihren Bann zu ziehen.

    Anlass war das 50-jährige Weihejubiläum der St-Martin-Kirche. Mit dem Konzertprogramm „Ein Stück des Weges“, das sie speziell für Kirchenräume entworfen hatten, kehrten die fünf Musiker zu ihren Wurzeln zurück, die in der geistlichen Musik liegen. Denn vor 20 Jahren hatten sie sich im berühmten Windsbacher Knabenchor kennengelernt und als Band zusammengefunden.

    Von diesen Wurzeln zeugte das erste Stück des Konzerts, „Os justi“, ein gregorianischer Psalmgesang, zu dem die begnadeten Sänger mit Kerzen von hinten in die Kirche einzogen. Doch sogleich folgte ein fließender Übergang zum Pop-Klassiker „I still haven't found what I'm looking for“. So mancher der 450 Zuhörer in der voll besetzten Kirche konnten nicht so recht glauben, dass hier tatsächlich völlig ohne Instrumente musikziert wurde und blickte sich verstohlen um, wo denn das Schlagzeug versteckt ist. Doch dieser Part wurde von Mund-Schlagzeuger und Bariton Jörg Schwartzmann übernommen, der Geräusche von sich geben kann, die verblüffend nach einem echten Drum-Set klingen.

    Diese Fähigkeit zeigte er im Laufe des Konzerts noch bei einigen anderen Rock-, Pop-, Swing- und Soul-Songs, wie „For once in my Life“ von Stevie Wonder, „Ain't no mountain high enough“ von Marvin Gaye, „Budapest“ von George Ezra sowie einem eigenen „Schlagzeugsolo“. Auch „Der Zimmerer“, ein Song bei dem Tenor Bastian Hupfer in Anlehnung an den Ohrwurm „The Wanderer“ auf lustige Art seinen erlernten Beruf vorstellte, zählt zu den heiteren, schwungvollen Stücken des Konzert.

    Doch der Schwerpunkt des Programms lag, passend zum Ambiente, bei ruhiger, besinnlicher, zum Nachdenken anregender, Musik. Aus der geistlichen Musik stammen der Gospel „Gentle Shepherd“, der den Psalm 23 vom Guten Hirten zum Thema hat, sowie der Psalmgesang „Die Pfade des Herren“. Klassiker wie „Nothing else matters“ von Metallica, Hallelujah von Leonard Cohen, „You raise me up“ von Rolf Lovland und „Irgendwo auf der Welt“ von Richard Heymann erklangen in einer ungewohnten, aber sehr beeindruckenden Interpretation.

    Aber auch die Künstler von Viva Voce selbst sind als Songwriter tätig und hatten für dieses Konzertprogramm einige tiefgründige, mit zum Teil sehr persönlichen Gedanken gefüllten Lieder komponiert. Die Ballade „Aufbruch“ ist eine Komposition von Bariton Matthias Hofmann, in der es um Loslassen, Neubeginn und den Mut, neue Wege zu gehen, geht. Tenor David Lugert hatte mit „Du bist da“ ein Glaubensbekenntnis der ungewohnten Art geschaffen, in dem die Gewissheit, nicht alleine zu sein, im Vordergrund steht. Beeindruckend hatte er hierbei Johan Pachelbels bekannten Kanon einfließen lassen, der mit der einem Kontrabass zum Verwechseln ähnlich klingenden sanften Bass-Stimme von Heiko Benjes endete. Ebenso von David Lugert stammen die Songs „Immer begleiten“, sowie „Stein des Anstoßes“.

    „Es lebe die Stimme“ lautet die Übersetzung des Bandnamens Viva Voce. Die fünf Künstler hatten das Ziel, den Kirchenraum mit dem Klang ihrer Stimmen zu erfüllen und zum Leben zu erwecken. Das ist ihnen rundum gelungen. In äußerst professioneller Art und Weise berührten sie mit ihrem Gesang die Herzen der Zuhörer und entlockten ihnen so manch eine Träne der Rührung. Auch das Publikum durfte bei einem kurzen Experiment erleben, wie ihre eigenen Stimmen den Raum erfüllen. Unter Anleitung der Band erklang ein Dur-Akkord aus 450 Kehlen, der eine beeindruckende Klangfülle im Kirchenraum erzeugte.

    Nachdem das letzte offizielle Stück erklungen war, forderte das begeisterte Publikum mit stehenden Ovationen und tosendem Applaus Zugaben, woraufhin die Band mit einem Beatles-Medley, aus z.B. „Yellow Submarine“, „Yesterday“, „Let it be“ und „All you need is love“ die Zuhörer zu ausgelassenem Mitklatschen und Mitsingen animierte. Selbst die Danksagungen an alle, die zum Gelingen des Konzertes beigetragen hatten sowie den Hinweis auf ihre Homepage und CDs überbrachten die Musiker in Liedform. Als weitere Zugabe hatten sie noch eine große Überraschung parat: Einen„Alitzheim-Song“, in dem Alitzheimer Besonderheiten, wie das Spargelfest und das Storchennest besungen wurden.

    Anschließend hatte der örtliche Pfarrer Ikejiama zu seiner großen Freude die selten gewordene Aufgabe, vor einer bis auf den letzten Platz besetzten Kirchen den Segen zu erteilen, bevor schließlich die letzte Zugabe „Komm gut heim“ erklang.

    Doch selbst, als diese verklungen war, konnte, wer etwas Geduld hatte, noch eine kleine Extra-Zugabe miterleben. Die fünf Musiker gaben, nachdem sie ihre Konzertkleidung gegen Freizeitklamotten eingetauscht hatten, noch ein kleines Ständchen für ein Geburtstagskind, verteilten Autogramme und ließen sich mit ihren langjährigen und neu hinzugewonnenen Fans fotografieren.

    Zur Freude und Erleichterung des Alitzheimer Pfarrgemeinderats und der Kirchenverwaltung war das Konzert nicht nur ein kultureller Höhepunkt, sondern hat auch dafür gesorgt, dass die finanziellen Sorgen, die sich aufgrund der Notwendigkeit, eine neue Kirchenheizung einzubauen, ergeben hatten, etwas gelindert werden können.

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