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    EUERBACH

    Der Bibelgarten weckt Ahnungen vom Paradies

    Brigitte Goss, Kreisfachberaterin für Gartenbau und Landespflege des Landratsamtes, und Albrecht Garsky, Leiter der kath... Foto: Charlotte Wahler

    Ziemlich viele Menschen träumen vom Paradies oder haben Sehnsucht, dorthin zu gelangen, sei es in die Südsee oder in die Arme von zahlreichen Jungfrauen. Das wahre Paradies dürfte zwischen Euphrat und Tigris gelegen haben, dort, wo heutzutage vieles von Krieg und Bomben verwüstet ist – und das ursprünglich persische Wort bedeutet schlicht einen umfriedeten Garten.

    Jedoch besaßen zu biblischen Zeiten nur Könige einen Garten, so Albrecht Garsky, Leiter der katholischen Erwachsenenbildung Schweinfurt. Hier in Euerbach entstand seit dem Jahr 2014 ein Bibelgarten, der offen ist für alle und der auf kleinem Raum eine große Vielfalt an Pflanzen und Eindrücken aufweist und Ahnungen vom Paradies weckt.

    Rosen- und Kräuterduft entlang der Kirchenburgmauern

    Gemeinsam mit der Kreisfachberaterin für Gartenbau des Landratsamtes, Brigitte Goss, führte Garsky eine Gruppe interessierter Menschen durch den Bibelgarten der evangelischen Kirchenburg und zitierte an vielerlei Stellen die passenden Bibelzitate. Goss verwies darauf, dass besonders im Juni, zur Hauptblütezeit der Rosen, hier ein so wunderbarer Duft um die Mauern schwebe, so dass die Seelenwirkung spürbar sei. Doch auch jetzt im September wurden die paradiesischen Genüsse vorstellbar, mit allen Sinnen nachvollziehbar! Denn jetzt ist die Zeit, in der die Trauben und Feigen reifen, in der auch die ein oder andere Rose noch sich verströmt. Salbei, Heiligenkraut, Ysop, Johanniskraut, Koriander, Marienkraut, die vielen Heilkräuter, die alle mit Namensschild kenntlich gemacht sind, verweisen außerdem auf die Namenspatrone der Euerbacher Kirche, Cosmas und Damian, die Schutzheiligen der Apotheker und Ärzte.

    Die Bibel bezieht sich an zahlreichen Stellen auf Pflanzen – rund 130 sollen namentlich genannt sein. Sie verweist auch auf deren spirituelle Bedeutung. Vor allem aber auch auf die Liebe und Sinnlichkeit, mit der die Menschen sich in ihrer (paradiesischen) Lebenswelt doch dem Genuss hingeben konnten, nein, sollten! Denn die Bibel fordere geradezu auf, so Garsky, ein sinnlich liebevolles Leben zu leben: „Süßer als Wein sind deine Zärtlichkeiten, unter deiner Zunge sind Honig und Milch verborgen.“

    Marienblatt soll gegen schlechte Predigten wirken

    Goss berichtete von der Entstehung des Euerbacher Bibelgartens. Nach der Kirchenrenovierung habe sie gemeinsam mit Johannes Krüger vom Amt für ländliche Entwicklung (ALE) den Bibelgarten konzipiert. Krüger sei außerdem der Sohn vom damaligen Pfarrer gewesen, so dass der Bezug zum Gelände um die Kirche besonders geprägt gewesen sei. Sie wusste außerdem eine Fülle von Geschichten zu den Pflanzen, Heilkräutern und Nahrungsmitteln zu erzählen sowie fachkundig über deren Anwendungen Auskunft zu geben. Mit dem Marienblatt wächst sogar eine Pflanze gegen schlechte Predigten. Geschmacks- und Duftproben von Rosen, Wein und Kräutern gab es für alle dazu. Warum ist das wahrhaftig Gute wohl Balsam für die Seele?

    Persische Königsgärten, Gottesgarten – wie glücklich könnten wir Nachgeborenen sein, denn auch das heißt Demokratie – dass wir keine Herrscher oder Könige mehr sein müssen, um im Garten glücklich zu sein. Dazu genügt ein Stückchen Erde. Schließlich ist der Mensch nach der Bibel ja auch nur aus Lehm geformt.

    Beim Gemeindefest am Sonntag, 16. September, das um 10 Uhr mit einem Gottesdienst beginnt, wird es weitere Führungen über den bezaubernden Bibelgarten geben.

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