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    Gerolzhofen / Dingolshausen

    Der Bürgerwald hat wieder ein Gesicht

    Der neue Förster im Gemeinsamen Bürgerwald Gerolzhofen-Dingolshausen und im Gerolzhöfer Stadtwald, Jochen Schenk (vorne rechts) hat am 1. Juli seine neue Tätigkeit aufgenommen. Mit im Bild seitens des Zweckverbandes Gemeinsamer Bürgerwald (von links): Erich Servatius, Ludwig Sendner, Gerolzhofens Bürgermeister Thorsten Wozniak, Forstdirektor Stephan Thierfelder als bisheriger Interims-Förster und Norbert Götz. Foto: Norbert Vollmann

    Um die Worte von Bürgermeister Thorsten Wozniak am ersten Arbeitstag des „Neuen“ zu gebrauchen: Der Bürgerwald hat wieder ein Gesicht. Die Rede ist von Jochen Schenk, dem neuen Förster sowohl im Gemeinsamen Bürgerwald Gerolzhofen-Dingolshausen als auch im Gerolzhöfer Stadtwald.

    Der 39-Jährige stand bisher in den Diensten der Fürstlich Castell‘schen Forstabteilung. Er tritt in Gerolzhofen die Nachfolge des im August 2018 nach langer schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren gestorbenen Volker Conrad an.

    Wie dies einst sein Vorgänger 22 Jahre lang getan hat, so soll nun Jochen Schenk dem 800 Hektar großen Bürgerwald zwischen Gerolzhofen und Geusfeld als auch den 100 Hektar Stadtwald in Mahlholz und Hörnau beackern und seinen Stempel aufdrücken. Dies einerseits als Förster und Revierleiter, andererseits aber auch und gerade als Waldpädagoge, um der Bevölkerung und hier nicht zuletzt der Jugend in Kindergärten und Schulen die ökologische und ökonomische Funktion des Waldes und seine Historie zu vermitteln.

    Die Botschaft: Es ist wieder jemand im Bürgerwald da

    Seinen „Einstand“ gab Jochen Schenk an seinem ersten offiziellen Arbeitstag im Kreis der Mitglieder des Zweckverbands „Waldpflege Gemeinsamer Bürgerwald Gerolzhofen-Dingolshausen“. Nach Aussage von Zweckverbandsvorsitzenden und Gerolzhofens Bürgermeister Thorsten Wozniak wollte man damit deutlich machen: „Es ist wieder jemand als fester Ansprechpartner vor Ort im Bürgerwald da.“

    Zuvor war Jochen Schenk bereits am Vormittag mit Stephan Thierfelder im Bürgerwald unterwegs gewesen. Der forstliche Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt hatte bekanntlich dem Zweckverband in der Interimszeit seit dem Tod Volker Conrads bei den laufenden Geschäften im Bürger- und Stadtwald und hier insbesondere bei im Wald anstehenden Maßnahmen unterstützend unter die Arme gegriffen.

    Dank an Interims-Förster Stephan Thierfelder

    Dafür hatte es von Thorsten Wozniak noch einmal ein dickes Dankeschön gegeben, dass es auch durch die schnelle Reaktion seines Stellvertreters Erich Servatius im Verbund mit Dingolshausens 2. Bürgermeister Norbert Götz als Stellvertreter Wozniaks an der Zweckverbandsspitze nach dem Tod Volker Conrads gelungen war, innerhalb kürzester Zeit dafür zu sorgen, dass der Forstbetrieb unter Federführung von Thierfelder weitergelaufen ist. Wozniak selbst hatte sich zum damaligen Zeitpunkt im Urlaub befunden.

    Auf Stephan Thierfelders Rat und Erfahrung hatte man sich auch stark verlassen, als es um die „Hitliste“ der geeignetsten Kandidaten für die Stelle des neuen Revierförsters ging. Nach Aussage von Thorsten Wozniak hatte man nämlich „zahlreiche starke Bewerbungen an Männern und Frauen aus Bayern und darüber hinaus“. Desto mehr sei man froh gewesen, dass mit Jochen Schenk der am Ende der Auswahl ausgemachte Favorit schließlich auch zugesagt habe.

    Zweckverband knüpft große Erwartungen an den neuen Förster

    Wozniak bescheinigte Schenk einen starken Auftritt bei seinem Vorstellungsgespräch gerade im Hinblick auf die Besonderheit des Bürgerwaldes und wie er bei seiner künftigen Arbeit die Menschen auch als Waldpädagoge mitnehmen möchte. Wozniak machte deutlich: „Da legen wir große Erwartungen in Sie hinein“.

    Jochen Schenk ist ein gebürtiger Haßfurter. Nach dem Abitur leistete seinen Wehrdienst ab, um schließlich an der Hochschule in Weihenstephan Forstwirtschaft zu studieren. Er betont: „Da ich aus der Ecke komme, kenne ich mich hier von Kindesbeinen an aus. Er will damit sagen: Aus der Region stammend, weiß er auch um die Struktur, den Bestand und die Besonderheit des Bürgerwaldes.

    Der besondere Reiz an der neuen Aufgabe bestehe für ihn einerseits im Kontakt mit der Bevölkerung und andererseits in den kommunalen Bereich eingebunden zu sein.

    Der Bevölkerung den Wald erklären

    Im Bürgerwald würden ihn dabei vielfältige Aufgaben erwarten. Angefangen von den immer anspruchsvoller werdenden Herausforderungen, die die Erderwärmung an den Wald stellt, bis eben dahin, der Bevölkerung den Wald zu erklären und die Nähe der Bevölkerung zum Wald zu unterstützen, wie er es ausdrückt. Der Klimawandelt wirke sich aktuell durch die vordringliche „Kalamitätsbewältigung“ in Sachen Borkenkäfer und das auch im Bürgerwald um sich greifende Eschentriebsterben aus. Daraus ergibt sich bei der Bewältigung dieser Probleme wieder die Frage, wie man aufgrund der Entnahme der betroffenen Bäume mit den neu entstandenen Flächen umgeht, „da der Grundstein wieder für die Zukunft des Waldes gelegt werden muss“.

    Seit zwölf Jahren arbeitete Jochen Schenk zuletzt im Revierdienst und hat dabei, wie er selbst sagt, die komplette Breite des Aufgabenspektrums kennengelernt. Vor dem Wechsel zur Fürstlich Castell’schen Forstabteilung hatte er sich nach dem Studium zeitweise als Waldarbeiter und Honorardozent in der Erwachsenenbildung verdingt.

    Jochen Schenk sieht mit Frau und Kindern ins Forsthaus ein

    Die positive Nachricht, im Bürgerwald genommen worden zu sein, habe ihn sehr gefreut, wie er unterstreicht. Auch die Familie, die im Sommer nach Gerolzhofen ziehen wird, habe sich sehr über diese Entscheidung gefreut, „den nächsten größeren Lebensabschnitt hier in Gerolzhofen zu bestreiten“. Jochen Schenk wird künftig mit seiner Frau und den beiden Söhnen im Forsthaus an den Torweinbergen wohnen. Dort bleibt auch das Büro des Försters angesiedelt. Das Forsthaus befindet sich anteilig im Besitz der Stadt Gerolzhofen und der Gemeinde Dingolshausen.

    Der Zweckverband, so Thorsten Wozniak, sei jetzt sehr froh, dass der Betrieb im Bürgerwald nun wieder in geordneten Bahnen, sprich unter fester Leitung, wieterlaufen könne. Schließlich gelte es neben der Tradition die zum Teil hinausgeschobenen traditionellen Termine zu wahren und zu pflegen.

    Erste Waldeinsicht mit dem  neuen Förster 

    Dazu zählen auf der Basis einer „Instruction“ vom 15. Juli 1862 allen voran die alle drei Jahre stattfindende Waldgrenzbegehung, der jährliche Holzakkord in Dingolshausen zur Information und Berichterstattung über den Bürgerwald sowie die regelmäßigen Waldeinsichten. Die nächste Waldeinsicht wird dabei übrigens nach der ersten Einarbeitungszeit von Jochen Schenk sehr zeitnah schon am 7. August stattfinden. An dem Tag soll vor allem besichtigt werden, was unter der Federführung von Stephan Thierfelder alles an Maßnahmen etwa zur Bekämpfung des Fichtenborkenkäfers und der Aufarbeitung von Sturmschäden, aber auch in anderer Hinsicht veranlasst worden war.

    In der Zwischenzeit wird Jochen Schenk im Stadtrat von Gerolzhofen und im Gemeinderat von Dingolshausen „Hallo“ sagen.

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