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    Gerolzhofen

    Der Kampf gegen den Roten Hahn

    Die Mitglieder der Feuerwehr Gerolzhofen, aufgeteilt in die verschiedenen Rotten, präsentieren sich in einer gemalten Stadtansicht. Diese historische Bild-Montage entstand um 1890. Foto: Stadtarchiv Gerolzhofen

    Im vergangenen Jahr feierte die Freiwillige Feuerwehr Gerolzhofen ihr 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat das Stadtmuseum eine Sonderausstellung in der Rüstkammer des Alten Rathauses organisiert, die am Freitagabend, 5. April, um 19 Uhr mit einer Vernissage eröffnet wird. Ursprünglich war die Schau schon für den Herbst 2018 geplant gewesen, doch unerwartete Verzögerungen bei den Sanierungs- und Umbauarbeiten am Alten Rathaus hatten der Museumsleitung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie wird nun nachgeholt und ist somit einer der Anziehungspunkte beim diesjährigen Frühlingsfest, das am Palmsonntag-Wochenende gefeiert wird. 

    Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt ist die älteste und zugleich aktivste Bürgerinitiative Gerolzhofens. Im Jahr 1868 scharte der damalige königliche Notar Andreas Hippler zahlreiche gestandene Handwerksmeister und Bürgersöhne um sich, um eine schlagkräftige Löschmannschaft aufzustellen. Es gab zwar zu dieser Zeit in Gerolzhofen zwar eine Pflichtfeuerwehr, der alle männlichen Haushaltsvorstände angehören mussten. Doch mangelte es dieser Zwangs-Truppe offenbar an Motivation und Elan. Von einem freiwilligen, ehrenamtlicher Einsatz von engagierten Bürgern zum Wohle der Stadt versprach sich Hippler mehr Enthusiasmus und Einsatzbereitschaft. Er sollte Recht behalten. 

    Historische Aspekte

    Im vergangenen Jahr beim großen mehrtägigen Jubiläum zu ihrem 150. Geburtstag stellte sich die moderne Gerolzhöfer Wehr und ihre jüngste Geschichte bereits ausführlich vor.  Bei einer Fahrzeugschau auf dem Marktplatz wurde der beeindruckende Fuhrpark präsentiert. Eine neue Festschrift gab einen Überblick über den derzeitigen Leistungsstand. Deswegen wird sich die Sonderausstellung in der Rüstkammer mehr auf die historischen, auf die musealen Aspekte der Feuerwehr und des Brandschutzes in der mittelalterlichen Stadt Gerolzhofen konzentrieren.

    Verheerende Brände, die Leib und Leben der Bewohner bedrohen und Eigentum vernichten, sind schon immer ein Problem, seit es menschliche Siedlungen gibt. Zahlreiche mittelalterliche Städte und Dörfer wurden einst durch Großfeuer schwer beschädigt - so auch Gerolzhofen. Museumsleiter Klaus Vogt, der die Sonderausstellung konzipiert hat, hat im Stadtarchiv Hinweise entdeckt, wonach es in der Stadt in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu einer schlimmen Feuersbrunst gekommen ist. An einem Samstag vor dem Weißen Sonntag - das Jahr ist unbekannt - ist damals einem Metzgerjungen vormittags gegen 9 Uhr das bei Nachbarn geholte Feuer außer Kontrolle geraten, als er für das Abbrühen eines geschlachteten Rinds Wasser erhitzen wollte. Unglücklicherweise blies an diesem Tag ein starker Wind.

    Viele Urkunden verbrannten

    Neben zahlreichen Häuser sei auch das damalige Rathaus abgebrannt, heißt es in der jetzt entdeckten Archivalie. Bei dem Rathaus-Brand seien zahlreiche wichtige, schriftlich festgehaltene Verordnungen und Regelungen vernichtet worden und der Stadtschreiber habe danach alles wieder neu aufschreiben müssen. Diese Sammlung von wichtigen Überlieferungen und Rechtsvorschriften wurde ab 1476 begonnen und hat sich bis heute im Archiv erhalten im so genannten "Schwarzen Buch". Im Jahr 1475 beginnt auch der Bau eines neuen Rathauses, das heutige "Alte Rathaus" am Marktplatz.  Die bisher von den Stadtchronisten Sixt und Jäger verbreitete Version eines großen Rathausbrands während des Markgräflerkriegs 1552 hat sich hingegen als nicht haltbar herausgestellt, zumal Holzuntersuchungen an den Balken des Rathaus-Dachstuhls ergeben haben, dass diese Balken tatsächlich noch von anno 1475 stammen und unbeschadet sind.

    Einsätze genau durchgeplant

    Fürstbischof Julius Echter und sein Beamtenstab waren es, die ab Ende des 16. Jahrhunderts in den umfassenden Verwaltungsreformen sich auch um eine Verbesserung des Brandschutzes kümmerten. Fortan war der Einsatz beim Ausbruch eines Feuers bis ins kleinste Detail durchorganisiert: Auf langen Listen waren alle Bürger namentlich aufgeführt samt ihrer speziellen Aufgabe, die sie im Ernstfall zu erledigen hatten. Dies reichte von der reinen Brandbekämpfung mit den Feuerspritzen über das Ausräumen gefährdeter Häuser bis hin zum Überwachen der übrigen Stadt, um in der ganzen Aufruhr mögliche Diebstähle oder Plünderungen zu unterbinden. In regelmäßigen Abständen wurden diese Löschordnungen dann auf dem Marktplatz vor versammelter Bürgerschaft vorgelesen, zum einem, damit die Männer in Erinnerung behielten, was sie im Fall der Fälle zu tun haben, und zum anderen, um Aktualisierungen der Namen nach Todesfällen oder Wegzügen vornehmen zu können.  

    Todesurteile nach Brandstiftungen

    Ein weiterer Schwerpunkt der Sonderausstellung: In den 50-er Jahren des 19. Jahrhunderts, kurz vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr, erschütterten mehrere Serien mit Brandstiftungen die Stadt. Für die eine Serie waren mehrere Täter verantwortlich, nur einer von ihnen wurde vom Schwurgericht in Würzburg abgeurteilt und erhielt eine Zuchthausstrafe auf unbestimmte Zeit. Die andere Serie ging auf das Konto eines Gerolzhöfer Ehepaares, das vom Schwurgericht danach zum Tod durch das Fallbeil verurteilt wurde. Beide Prozesse fanden in zahlreichen Zeitungen in ganz Bayern regen Widerhall, teils mit abenteuerlichen Falschmeldungen. Nachdem die Bayerische Staatsbibliothek jetzt zunehmend historische Tageszeitungen digitalisiert und im Internet online stellt, ist es in der aktuellen Ausstellung erstmals möglich, zeitgenössische Zeitungsberichte über die Gerolzhöfer Brandserien zu präsentieren. 

    Die Sonderausstellung ist vom 5. April bis zum 5. Mai jeweils zu den Öffnungszeiten der Tourist-Information Gerolzhofen zu sehen. Führungen für Gruppen sind auf Anfrage möglich. Informationen bei der Tourist-Info unter Tel.: (09382) 903512.

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