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    Wipfeld

    Der Zehntgraf: Neue Pläne für das alte Wipfelder Gasthaus

    Der Standort ist eigentlich perfekt – und trotzdem steht das Gebäude, das schon von der Fähre aus zu sehen ist, seit zehn Jahren leer. Jetzt ist eine neue Nutzung im Gespräch.
    Seit nunmehr über zehn Jahren ist der Gasthof Zehntgraf geschlossen.
    Seit nunmehr über zehn Jahren ist der Gasthof Zehntgraf geschlossen. Foto: Bastian Reusch

    Für Radfahrer und Wanderer am Main ist es ein ebenso bekannter wie einladender Anblick. Kaum haben sie mit der Wipfelder Fähre den Main überquert, fällt ihr Blick auf ein imposantes Gebäude, an dessen Fassade die Aufschrift Gasthof Zehntgraf die Gelegenheit zur Pause andeutet. Doch die Zeiten, in denen die Gastwirtschaft ein Ort der Begegnung war, sind schon lange vorbei. Seit über zehn Jahre fand sich, trotz intensiver Bemühungen, kein Wirt. Nun denkt die Gemeinde über neue, innovative Wege nach, das Gebäude wieder mit Leben zu füllen.

    Fragt man Wipfelds Bürgermeister Tobias Blesch nach dem Gasthof, wird schnell klar, um welch traditionsreichen Betrieb es sich handelt. Schon früheste Kindheitserinnerungen des Gemeindeoberhauptes sind mit diesem verbunden. Als Familie Schunter, noch heute Eigentümer, den Gasthof übernahm, wurde ein großer Teil des aktuellen Gebäudes neu errichtet. Die geplante Nachfolge aus eigener Familie kam allerdings nicht zustande, sodass zunächst verpachtet, 2009 letztlich komplett geschlossen werden musste. Zumindest der am Gasthof gelegene Biergarten wurde vergangenes Jahr durch Familie Peterlik wiederbelebt. Das freut auch Blesch: "Dieses Angebot ist wichtig. Es ist das erste, das man von Wipfeld sieht und gewänne man hier den Eindruck hochgeklappter Gehsteige, wäre das kein gutes Bild."

    Die lange, erfolglose Suche nach einem Pächter oder Käufer, brachte die Kommune dazu, über Alternativen nachzudenken. "Natürlich wäre uns am liebsten, ein Gastronom oder Hotelier käme und würde das ursprüngliche Geschäft wiederbeleben. Allerdings sind unsere Hoffnungen an dieser Stelle sehr gering", sagt Blesch. Eine Reaktivierung wäre jedoch sehr schnell möglich, da "die Küche tipptopp ist und der Gastraum lediglich im Dornröschenschlaf". Ein großes Manko gibt es allerdings:  das fehlende Angebot von Außengastronomie.

    Auf der Suche nach Alternativen: Wohnen statt Gasthof?

    Schon bei der jüngsten Bürgerversammlung stellte Blesch daher Konzepte für eine alternative Nutzung vor. Diese beinhalten vor allem eins: die Schaffung von Wohnraum. Der ehemalige Gasthof erscheint dafür ideal. "Man redet ja stets von innen statt außen und fehlendem Wohnraum. Der Zehntgraf böte über 500 Quadratmeter davon, die dann schon mal nicht neu gebaut werden müssten", argumentiert Blesch. Vor allem rückten hohe staatliche Fördersätze das Projekt in eine für die Gemeinde wahrscheinlich umsetzbare Nähe.

    Das Gästehaus Zehntgraf. Im rechten, neuen Teil des Gebäudes sollen die Wohnungen entstehen.
    Das Gästehaus Zehntgraf. Im rechten, neuen Teil des Gebäudes sollen die Wohnungen entstehen. Foto: Bastian Reusch

    Denn die negative Bevölkerungsprognose treibt Blesch immer wieder Sorgenfalten auf die Stirn: "Wir liegen eigentlich an einem guten Standort. Trotzdem haben die Gemeinden um uns herum im Gegensatz zu uns stabile Bevölkerungszahlen." Dies liege vor allem an den fehlenden Möglichkeiten der Kommune zur Ausweisung neuer Bauplätze und der damit einhergehenden Abwanderung, vor allem junger Mitbürger. Beispiele hierfür kennt der Bürgermeister aus dem eigenen Umfeld: "Wir haben größere Wohneinheiten in Wipfeld, in meiner Nachbarschaft. Dort leben vor allem Zugezogene und junge Paare, die sich ihre erste Wohnung nehmen. Fehlt das, wandern diese ab und es besteht die Gefahr, dass sie die Bindung an Wipfeld verlieren."

    Drei mögliche Konzepte liegen auf dem Tisch

    Da man in Wipfeld bereits von 1986 bis 2007 gute Erfahrungen mit der Städtebauförderung gemacht hat, trat Blesch im April 2018 mit der Regierung von Unterfranken in Kontakt. Zusammen mit Architekt Dag Schröder wurden mittlerweile drei mögliche Konzepte für einen Wohnraumausbau entwickelt. Allesamt bieten Ein- bis Dreizimmerwohnungen, eins sogar betreutes Wohnen für Senioren im Erdgeschoss, praktisch als Senioren-WG. Der Gastraum bliebe erhalten "in dem die Kontakte untereinander gepflegt werden können, das finde ich sehr gut", meint Blesch. Insgesamt sei es an der Zeit, die angebotene Hilfe von außen wieder wahrzunehmen.

    Ein Haus mit Tradition und Perspektive? Das Gasthaus Zehntgraf mit Biergarten am Main.
    Ein Haus mit Tradition und Perspektive? Das Gasthaus Zehntgraf mit Biergarten am Main. Foto: Bastian Reusch

    Ob und was unternommen werden kann, steht allerdings noch in den Sternen. Auch die Zusammenarbeit mit einem Investor wäre möglich, denn allein wird die kleine Kommune am Main ein solches Projekt nicht umsetzen können. Ein möglicher Gebäudeerwerb und Baumaßnahmen setzten von "Förderseite einen entsprechend großen Batzen voraus", so Blesch. Die ersten positiven Rückmeldungen von Bürgerseite bekam er allerdings schon: "Die Leute haben wahrgenommen, dass wohnortnahe Seniorenbetreuung und mehr Wohnraum sinnvolle Sachen sind."

    Ein gelungenes Beispiel der Städtebauförderung: der Gasthof Grüner Baum am Wipfelder Marktplatz.
    Ein gelungenes Beispiel der Städtebauförderung: der Gasthof Grüner Baum am Wipfelder Marktplatz. Foto: Bastian Reusch
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