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    SCHWEINFURT

    Der deutschen Teilung auf der Spur

    Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Schweinfurt und des Goethe Gymnasium Weimar erleben die Geschichte der innerdeutschen Grenze hautnah. Foto: Robert Lieb

    Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Schweinfurt und des Goethe Gymnasium Weimar erleben die Geschichte der innerdeutschen Grenze hautnah.

    Die Amerikaner nannten es »Little Berlin«, dieses Dorf am Ende der Welt, das ebenso wie sein großer Bruder zum Symbol der deutschen Teilung wurde. In Mödlareuth gab es eine Mauer, aber keinen Checkpoint. Über 37 Jahre lang war es auf legale Weise nicht möglich, die Grenze zu überschreiten, um von den einen in den anderen Ortsteil zu gelangen. Hier war Sperrgebiet auf der einen und Besucherandrang auf der anderen Seite. Hier war es verboten, von Ost nach West zu winken oder zu grüßen. Die Mödlareuther hatten sich nach dem Mauerfall bewusst dafür entschieden, die Spuren der innerdeutschen Grenze nicht vollständig zu entfernen, die ihre Gemeinde über vier Jahrzehnte in Ost und West teilte. Es entstand ein einzigartiges Museum.

    Demokratie und Freiheit sind für junge Menschen in Bundesrepublik Deutschland heute so selbstverständlich, dass sie kaum darüber nachdenken, wie ihr persönliches Leben aussehen würde, wenn es anders wäre. Reines Faktenwissen aus dem Geschichtsunterricht ist zwar wichtig, aber ohne emotionalen Bezug oft nicht nachhaltig genug.

    Teilung, Unfreiheit und Diktatur spürbar zu erfahren, war das Ziel des dreitägigen (4.6. – 6.6. 18) Seminars „Mauer, Zaun und Stacheldraht“ der Landeszentrale für politische Bildung in Mödlareuth, an dem zusammen mit dem W-Seminar Geschichte des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums Schweinfurt auch ein Oberstufenkurs des Goethe-Gymnasiums aus dem thüringischen Weimar teilnahm.

    Tief betroffen zeigten sich die Schüler von den Grenzsperranlagen der innerdeutschen Grenze, wie sie sie in der Ausstellung der Freianlage des deutsch-deutschen Museums am ersten Tag erkunden und begreifen konnten. Im Gespräch zeigte sich, dass die deutsche Teilung in den meisten Familien kaum mehr thematisiert wird.

    Dass man Grenzen überwinden kann und man für Freiheit und Demokratie durchaus kämpfen muss, erfuhren die Schülerinnen und Schüler im Gespräch mit Zeitzeugen Am meisten beeindruckte die Jugendlichen, dass diese ihr Leben für die Freiheit riskiert hatten. Bei der intensiven Beschäftigung mit Stasiakten zur Republikflucht, die in gemischt bayerisch-thüringischen Arbeitsgruppen erfolgte, wurden die Schülerinnen und Schüler auch mit der Sichtweise des Staatsapparates der DDR konfrontiert. Anschließend konnten die Lerngruppen während einer Exkursion entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze die in den Akten beschriebenen Schauplätze vor Ort besichtigen und so auch die wichtige historische Dimension Raum erleben.

    In seinem Vortrag: „Strukturen und Methoden der Überwachung und Verfolgung in der SED-Diktatur“ informierte Uwe Hillmer vom Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin die Jugendlichen am Mittwochvormittag, wie die Kontrolle über die Bürger der DDR funktionierte. Eine große Rolle spielte dabei die STASI. Die Ausspionierung, „Zersetzung“ und der Verrat von Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten und Nachbarn waren dabei ein zentrales Element. Das musste auch die Zeitzeugin Sabine Popp als ehemalige Verfolgte des DDR-Regimes bitter erfahren, die im Anschluss an den Vortrag den emotionalen Bezug zum Leben in der DDR herstellte. Ihr wurde ihr Wunsch nach Freiheit, den sie als Parole auf die Straße schrieb, zum Verhängnis. Verraten von einem Freund folgten Jahre in einem berüchtigten DDR Frauengefängnis, bis sie schließlich von der Bundesrepublik freigekauft wurde. Den Schülerinnen und Schülern wurde auch klar, dass solche Ereignisse bis heute nachwirken und noch viel aufgearbeitet werden muss, um verzeihen zu können.

    Im Laufe der drei Tage lernten sich, und dass war eine der Intensionen der Veranstalter, die Schüler, Lehrer und Dozenten aus Bayern, Thüringen und Berlin gut kennen und schätzen. Anfängliche Berührungsängste fielen bei der gemeinsamen Arbeit schnell weg und man kam sich am Abend auch privat näher und stellte fest, dass vieles zusammengewachsen ist, was zusammengehört und man gemeinsame Lehren aus der getrennten Geschichte ziehen kann.

    Bearbeitet von Helmut Hickel

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