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    Gerolzhofen

    Die Bienen mit dem eigenen Garten

    Vera Maria Leopold in ihrem Garten. Sie hält dort überwiegend Pflanzen,  die einen Nutzwert für Küche und Hausapotheke, aber auch für Insekten und Schmetterlinge haben. Foto: Norbert Finster

    Vera Maria Leopold, die Frau mit dem grünen Daumen, hat zum Gartenrundgang eingeladen. Mit einem Hektar Fläche ist ihr Garten im Süden der Stadt nahe am FC-Stadion ungewöhnlich groß. Da passt schon viel drauf. Langweilig wirkt der Garten dennoch an keiner Stelle.

    Überall stehen bunt gemischt Pflanzen, Sträucher, Büsche und Bäume, heimische ebenso wie exotische, bekannte und solche, von denen der Besucher zum ersten Mal hört. Da ist zum Beispiel der Bienenbaum, auch Stinkesche, Honigesche, Wohlduftraute oder Tausendblütenstrauch genannt. Obwohl die Blütenstände schon abgeblüht sind, ist immer noch die Masse an Blüten zu erkennen, die dem Baum einen seiner Namen gegeben haben. Stinkesche und Wohlduftraute, das sind auf den ersten Blick widersprüchliche Namen. Aber beides stimmt. Während die Blütendolden einen angenehmen Duft verströmen, entsteht ein unangenehmer Geruch, wenn man die Blätter zerreibt. Auch jetzt im Herbst erfüllen die dürren Blütendolden noch einen Sinn. Sie sind eine Nahrungsquelle für Vögel.

    Fundgrube für Bienen

    Und auch der Name Bienenbaum ist treffend. Denn diese Art ist eine wahre Fundgrube für Bienen. Elf Völker in ebensovielen Kästen hat Vera Maria Leopold im südlichen Teil des Gartens Richtung FC-Stadion. Im Garten der Leopolds können sie sich in unmittelbarer Nähe ihrer Stöcke mit Nektar eindecken. Als weitere willkommene Nahrungsquelle dienen die Linden im angrenzenden FC-Stadion.

    Heimisch ist der Bienenbaum im nördlichen China und in Korea. Doch auch hierzulande gedeiht er gut. Vera Maria Leopold hat deshalb angeregt, den Baum doch auch ab und zu mal auf öffentlichen Flächen zu pflanzen. Doch bei den Behörden stieß das auf Ablehnung. Der Bienenbaum sei keine heimische Pflanze. Die Immengärtnerin versteht das nicht. "Kartoffel, Tomate und Zucchini sind auch keine heimischen Pflanzen und doch bauen wir sie an." Lobenswert findet es Vera Maria Leopold aber, dass die Straßenmeistereien heutzutage mehr blühende Pflanzen an Straßenböschungen ansäen und die auch weniger mähen.

    Nahe an den Bienenbäumen steht der Wermut, auch Bitterer Beifuß genannt. Diese krautige Pflanze enthält Bitterstoffe, die unter anderem gut für die Verdauung und für die Appetitanregung sind. In der Küche wird sie als Salatbeilage zu fettreichen Speisen verwendet. Der oft zitierte Wermutstropfen ist auf den bitteren Geschmack der Pflanze zurückzuführen.

    Die kanadische Goldrute

    An Bahndämmen wächst sie massenhaft, in Vera Leopolds Garten nur vereinzelt - die kanadische Goldrute. Diese dominante Pflanze wird ebenfalls als Bienenweide kultiviert. In der Medizin wird sie als harntreibender Stoff eingesetzt. Schweißhemmend ist dagegen  der hübsch anzusehende Muskatellersalbei, dessen Blüten und Blätter roh und gedünstet essbar sind. Auch auf dieser Pflanze lassen sich die Bienen gerne nieder. Mit die letzten Blumen, die jetzt noch blühen, sind die Astern. Ein paar Schritte weiter steht die Echte Seidenblume, die nur selten als Zierpflanze in Gärten anzutreffen ist. Aber auch sie ist ein guter Nektarlieferant. "Im Sommer haben sich die Zweige der Pflanze vor lauter Bienen gebogen", erzählt Leopold.

    Ein echter Exot ist der Sieben-Söhne-des Himmels-Strauch, der nur in wenigen Regionen Chinas gedeiht. Hierzulande wurde er erst in den 80er Jahren eingeführt, wird aber selten gepflanzt. Die cremeweißen, leicht duftenden Einzelblüten stehen meist zu siebt zusammen in breiten, rispenartigen Blütenständen – auf diese besondere Anordnung bezieht sich auch der ungewöhnliche Name der Pflanze. Nach einer kurzen Vorblüte im Juni folgt die Hauptblütezeit von Ende August bis Ende Oktober. Späte Kost also noch einmal für Bienen, Hummeln, andere Insekten und Schmetterlinge. Kurzum: Hochgezüchtete Pflanzen, die Vögeln und Insekten kaum Nahrung bieten, sind in diesem Garten nicht zu finden.

    Wie aber ist Vera Maria Leopold an diese Vielfalt von Pflanzen gelangt, die hier längst nicht zur Gänze aufgeführt ist? "Bringt es lieber mir, bevor ihr was wegwerft", sagt die ehemalige Lehrerin immer zu Bekannten, die ihren Garten umgestalten wollen. Auf diesem Weg ist der bunte Mix aller möglichen Pflanzen im Garten um das Wohnhaus der Leopolds zusammengekommen.

    Schon jetzt Winterfütterung

    33 Jahre ist Vera Maria Leopold bereits Imkerin. An den Bienenstöcken erzählt sie, dass sie bereits jetzt mit der Winterfütterung beginnt. Im Winter besiedelt eine neue Generation des Bienenvolks den Stock und schützt die Königin, so lange sie Eier legt, aus denen die neuen Arbeiterinnen für das nächste Bienenjahr schlüpfen. Apropos Winter: Bienen vertragen lange, kalte Winter mit starken Minusgraden viel besser als warme oder Winter mit einem Auf und Ab bei den Temperaturen.

    Schon ab Juli holt die Imkerin keinen Honig mehr aus den Stöcken. Die Insekten sollen ein Stück weit von der Nahrung leben, die sie selbst einsammeln. Ihr Wissen über die Bienen hat sich Vera Maria Leopold in einem Kurs, aber auch autodidaktisch geholt.

    Gleich neben den Bienenstöcken ist Vera Maria Leopolds Schwiegersohn beim Reparieren des Hühnerhauses. Hier haben die Hennen viel Auslauf. Das Hühnerhaus erinnert an einen Bauernhof früherer Jahrzehnte.

    Der Garten mit all seinen Ingredienzen bereichert den Speiseplan der Familie ungemein. Aus ihm kommen Würzkräuter, Honig und Eier. Auch die Hausapotheke ist gut gefüllt mit Produkten aus dem Garten. Ihr Kräuterwissen teilt die Gerolzhöferin mit ihren Töchtern, die auch im Garten mithelfen. Dieses Wissen erweitert die junge Generation jedes Jahr im Urlaub auf einem Bergbauernhof in Südtirol.

    Wermutstropfen im Gartenidyll

    In dieses nützliche und doch so natürliche Gartenidyll fällt jedoch der schon einmal strapazierte Wermutstropfen. Es ist der Klimawandel oder sollte man besser sagen, die sich anbahnende Klimakatastrophe, die global genau so zu spüren ist wie lokal im Garten der Leopolds. Zum Gießen nutzt Vera Maria Leopold Wasser aus Zisternen. Doch das geht erstmals zur Neige. "Es müsste einfach einmal wieder richtig regnen", klagt die Gartenfreundin. Wenn die Dürrephase anhält, wird die Immengärtnerin aber nicht auf Trinkwasser umsteigen, um zu gießen. Für sie ist dieses Nass viel zu wertvoll, nicht nur im materiellen Sinn. Bevor sie mit Trinkwasser gießt, wird Vera Maria Leopold lieber die eine oder andere Pflanze dem Klimawandel opfern.

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