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    SCHWEINFURTSCHWEINFURT

    Die FDP setzt auf Bildung, Digitalisierung und Wohnungspolitik

    Er gibt sich optimistisch: Gunnar Bock, Direktkandidat der FDP.
    Er gibt sich optimistisch: Gunnar Bock, Direktkandidat der FDP. Foto: Nicolas Bettinger

    Neben der Sozialdemokratie und dem Konservatismus muss es im Landtag wieder eine liberale Denkrichtung geben. So sieht es zumindest die FDP. Gunnar Bock, Schweinfurts Direktkandidat für den Landtag, rückt vor allem den Wohnungsbau, die Bildung und die damit einhergehende Digitalisierung in den Vordergrund und rechnet seiner Partei gute Chancen aus, wieder in den Landtag einzuziehen.

    „Laut Umfragen werden wir dabei sein“, sagt Bock und verweist auf aktuelle Zahlen. Der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann wirkt konzentriert und nimmt sich immer wieder kurze Satzpausen, bevor er auf einzelne Themen eingeht. Bock ist gebürtiger Schweinfurter und seit 2013 Mitglied der FDP. „Nach der verlorenen Bundestagswahl musste ich aktiv werden“, erinnert sich der 39-Jährige.

    Schweinfurt ist mehr als nur die Kernstadt

    Für seine Kandidatur habe er sich vor allem drei Kernthemen auf die Fahne geschrieben. Eine davon sei der Ausbau der digitalen Infrastruktur. Gerade Schweinfurt sei zwar mit schnellem Internet auf einem guten Weg, allerdings beschränke sich die Politik dabei auf die Kernstadt. „Schweinfurt ist ein Ballungszentrum, da sind auch die umliegenden Orte enorm wichtig“, so Bock. Speziell auf dem Land sieht er aber eine extreme Benachteiligung. Bei seinen Tätigkeiten im Landkreis merke Bock dies immer wieder. Dort werde der Ausbau von Breitband- und Glasfaserinternet vernachlässigt.

    Dies führe laut Bock unweigerlich zu einer Gentrifizierung; sprich dazu, dass die Stadt als Wohnraum aufgewertet und der Landkreis dementsprechend abgewertet würde. „Das ist doch eigentlich das, was man unbedingt vermeiden möchte“, sagt Bock. Genau dieses Thema, nämlich die Wohnungspolitik, sei sein zweites Schwerpunktthema. Doch wie will er die Problematik angehen?

    Sündenbock: Mietpreisbremse

    Die aktuelle Politik verhindere Investitionen, sie mache Bauen nicht lukrativ, meint Gunnar Bock. Schuld daran sei die Mietpreisbremse. „Klar, man kann Mieten deckeln, aber das Grundproblem ist, dass nicht ausreichend Wohnungen zur Verfügung stehen“, erklärt Bock. Dennoch würden vor allem sozial schwächere Schichten unter der Problematik leiden. Bock will sich also dafür einsetzen, dass sich Bauen wieder lohnt. Bleibt die Frage offen, ob die Abschaffung der Mietpreisbremse für grundlegende Veränderungen sorgen kann.

    Als drittes Thema nennt er die Bildungspolitik. „Wir müssen es schaffen, dass unsere Kinder besser ausgebildet werden, als wir“, so Bock. In einem der reichsten Länder weltweit habe man das Bildungsniveau eines Schwellenlandes. Doch woran liegt das? Laut Bock gehe eine gute Bildungspolitik mit der Digitalisierung einher. Für jede Schülerin und jeden Schüler müssten demnach mindestens 1000 Euro zur Verfügung stehen. Damit soll in eine digitale einheitliche Grundausrüstung investiert werden. Aktuell würde viel zu wenig für das digitale Zeitalter getan werden.

    Nicht um jeden Preis regieren

    Gunnar Bock geht auf viele Themen ein, lässt sich aber keine verbindliche Stellungnahme zu möglichen Koalitionen entlocken. Nur mit AfD und Linke würde seine Partei sicher keine Gespräche führen. Ansonsten wäre er konsequent genug, auch wieder aus der FDP auszutreten. „Man kann grundsätzlich mit jeder Partei sprechen, die die freiheitlich demokratische Grundordnung wahrt“, so Bock. Die Entscheidung seiner Partei, nach der Bundestagswahl nicht mit Union und Grünen zu koalieren, findet er nach wie vor gut.

    „Ich hoffe, dass sich meine Partei auch in Bayern so entscheidet, dass man nicht um jeden Preis regieren möchte“, sagt er. Es wäre lediglich dann vertretbar, wenn die eigenen Vorstellungen auch umsetzbar sind. Bock selbst kann sich eine Arbeit in der Opposition ebenfalls gut vorstellen. Auch dort könne man Politik machen.

    Steckbrief

    Der 39 Jahre alte Gunnar Bock ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann. Bis zwei Wochen vor der Landtagswahl ging er einer Saisontätigkeit in Waigolshausen nach, bei der er für die Warenanahme im Agrarhandel verantwortlich war. Der gebürtige Schweinfurter ist bis auf kurze Ausnahmen seiner Heimat immer treu geblieben. Bock ist seit 2013 Mitglied in der FDP und tritt als Direktkandidat in Schweinfurt an. Außerhalb seiner beruflichen und politischen Aufgaben verbringt er viel Zeit mit seinem geistig behinderten Bruder und will sich grundsätzlich mehr für die Teilhabe behinderter Menschen einsetzen. Bock ist ledig.

    Auf einem Bierdeckel beschreibt Gunnar Bock seine wichtigsten Themen.
    Auf einem Bierdeckel beschreibt Gunnar Bock seine wichtigsten Themen. Foto: Nicolas Bettinger
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