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    SCHWEBHEIM

    Die Oldtimer der Lüfte

    Bereits am Samstag wurde der neue Hochleistungssegler von Staatssekretär Gerhard Eck auf den Namen „Unterfranken“ getauft. Links im Bild der Vorsitzende des Aero-Clubs Udo Winterstein. Foto: Martina Müller

    Sie kamen aus ganz Deutschland. Bis zur Taufe um 11 Uhr waren am Sonntag 16 Oldtimer-Flugzeuge – darunter fünf Hoch- und drei Doppeldecker – auf dem Flugplatz Schweinfurt-Süd gelandet. Und pünktlich zum Sekt schwebte dann auch noch ein Hubschrauber aus den 1960er Jahren (Hughes 500) ein.

    Das erste Fly-In (arrangiertes Treffen von Flugzeugen und Piloten) des Schweinfurter Aero-Clubs war ein Erfolg, auch wenn das Ereignis noch etwas mehr Besucher vertragen hätte. Das Interesse auf Seiten der Flieger war jedenfalls groß. Etwas abseits standen schon am Vormittag 15 Sportflugzeuge neuerer Bauart, deren Piloten sich ebenfalls die Taufe einer nachgebauten Focke-Wulf 190 im Maßstab 0,8 nicht entgehen ließen.

    Gemeinsam Ziele erreichen

    Über 30 Jahre hinweg hatte Peter Hanusa 6000 Arbeitsstunden in den Bau seines Traumflugzeugs investiert. Am Sonntag freute er sich nun „riesig“ über all das, was er in drei Jahrzehnten „erleben durfte und musste“. Dass er nach dem einen oder anderen Rückschlag nicht aufgegeben habe, das habe er vor allem seiner Frau Ricarda zu verdanken, denn „gemeinsam kann man große Ziele erreichen“.

    Der Dank des Flugzeugbauers galt allen Helfern und Unterstützern und damit „vielen tollen Menschen“, die er ohne sein Projekt wohl nie kennengelernt hätte.

    Erprobungsphase

    Getauft wurde der Nachbau auf den Namen „Diva Ricarda“. Nach der Mittagspause ging der Star des Tages mit Testpilot Ulli Schell auch in die Luft. Der Fluglehrer Peter Hanusa wird am Steuer seiner Maschine erst nach Abschluss der Erprobungsphase sitzen und Flugtage und Ausstellungen besuchen.

    Das Jagdflugzeug

    1937 hatte das Reichsluftfahrtministerium Focke-Wulf den Auftrag erteilt, ein einsitziges Jagdflugzeug zu entwickeln. Die bei der Focke-Wulf-Flugzeugbau GmbH in Bremen entworfene Ganzmetallkonstruktion in Tiefdeckerauslegung gilt als eines der besten Jagdflugzeuge seiner Zeit, das ab 1942 auf allen Kriegsschauplätzen die Messerschmitt Bf 109 ergänzte. Der Prototyp machte seinen Erstflug am 1. Juni 1939. Die Focke-Wulf Fw 190 wurde eines der leistungsstärksten Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkriegs.

    Schneller und wendiger

    Obwohl das Flugzeug schon kurz vor dem Weltkrieg erstmals geflogen wurde, war die Maschine den Alliierten unbekannt, so dass die englische RAF bei deren erstmaliger Erscheinung über Frankreich und England bezüglich der technischen Leistung überrascht war. Die Fw 190 war schneller als jedes Jagdflugzeug der Alliierten und verfügte über eine schwerere Bewaffnung. Ferner war sie widerstandsfähiger und beweglicher und hatte ein gutes Sichtfeld für den Piloten.

    Am Steuer der Oldtimer-Flugzeuge (Fabrikate aus Deutschland, Tschechen, Polen und USA) saßen am Sonntag zumeist Männer im Alter der in der Mehrzahl zweisitzigen Maschinen. Ein besonderer Hingucker war ein gelb-rotes Agrarflugzeug (D-FOAB) mit einem 600 PS starken Sieben-Zylinder-Sternmotor und einer Flügelspannweite von 14,8 Metern.

    Neuer Hochleistungssegler

    Eine weitere Flugzeugtaufe fand auf dem Flugplatz Schweinfurt-Süd bereits am Samstag, ebenfalls 11 Uhr, statt. In Dienst genommen wurde das einsitzige Hochleistungssegelflugzeug „Unterfranken“ (eine Discus 2b). Damit ein Teil des Kaufpreis von der Vereinskasse übernommen werden konnte, hat der Aero-Club ein 30 Jahre altes Leistungsflugzeug verkauft.

    Die Focke-Wulf ist getauft. Taufpate Joachim Bromkamp (von links) stößt mit Ricarda Kohlmann und Peter Hanusa an. Foto: Martina Müller
    Ricarda Kohlmann begrüßt per Handschlag die Gäste in der Propellermaschine. Foto: Martina Müller
    Sicher gelandet: Pilot Guido Voss mit einer Harvard AT6, Baujahr 1944. Foto: Martina Müller
    Das viel beachtete Agrarflugzeug ist bei einem Eigengewicht von 2016 Kilogramm für ein Gesamtgewicht von 3000 Kilogramm zugelassen. Foto: Martina Müller
    Der Doppeldecker „Miss Sophie“ (Tiger Moth DH 82A) wurde im Jahr 1939 gebaut. Foto: Martina Müller
    Die Piloten einer Bükker Jungmann (Martin Weber, (links) und der Tiger Moth (Claudio Stetter) haben nach der Landung noch die mit Lammfell gefütterten Fliegerjacken an. Foto: Martina Müller
    Der Doppeldecker ist ein Selbstbau-Flugzeug (nach einem Modell von Bükker Jungmann). Foto: Martina Müller
    Blick in das Cockpit eines Oldtimers. Foto: Martina Müller
    Eine Rarität: der Hughes-Hubschrauber. Foto: Martina Müller
    Einblicke in die Technik der Oldtimer beim Fliegertreffen auf dem Flugplatz bei Schwebheim. Foto: Martina Müller

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