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    Gerolzhofen

    Die Palliativzimmer sind fast immer belegt

    Halt finden trotz Schmerzen und Angst: Das ist das Ziel der Mitarbeiter im Palliativbereich der Geomed-Kreisklinik. Foto: Angelika Warmuth, dpa

    Für Chefarzt Dr. Alexander Kraus ist der Palliativbereich an der Geomed-Kreisklinik kein Luxus. Vielmehr ist er ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Patienten, der dann greift, wenn die Kunst der Ärzte zur Neige geht. Vor fast drei Jahren wurde der Palliativbereich an der Klinik auf Initiative von Kraus in der Inneren Abteilung der Klinik eingerichtet. 

    Die beiden Einbettzimmer sind seitdem fast immer belegt. Meist sind es Patienten aus der Klink, die an einer lebensbedrohlichen Erkrankung leiden und denen Alexander Kraus irgendwann einmal die Frage stellt, ob sie nicht aus der oft recht sterilen Krankenhaus-Atmosphäre in eines der wohnlich eingerichteten Zimmer wechseln möchten. Nur wenige lehnen das Angebot ab, weil sie es nicht kennen oder weil sie es nicht wollen, berichtet Palliativkrankenschwester  Anne Ross. Sie bildet zusammen mit ihren Kolleginnen Christa Hobner und Christa Weisenseel das Palliativ-Pflegeteam, das eine Zusatzqualifikation absolviert hat und auf die Bedürfnisse der schwer kranken Patienten eingehen kann. In die Palliativräume kommen häufig Patienten mit Tumorerkrankungen 

    Die Palliativschwestern Christa Hobner, Anne Ross und Christa Weisenseel (von links) leisten einen wichtigen Teil der Palliativarbeit an der Geomed-Kreisklinik. Foto: Norbert Finster

    Dieses Team hat sich auch als Koordinationsstelle der einzelnen Palliativgruppen am Haus etabliert, zu denen neben den Medizinern und dem Pflegepersonal auch Seelsorger beider Konfessionen, der Hospizverein Würzburg, ein Familientherapeut (auch die Angehörigen sind einbezogen, wenn sie wollen), eine Mal-Therapeutin und eine Physiotherapeutin gehören.

    Ärzte, Priester und Therapeuten

    Die meisten Patienten stimmen dem niederschwelligen Übergang vom konventionellen Krankenhaus mit seiner Akutversorgung zum qualifiziert betreuten Palliativbereich zu. "Auch Angehörige nutzen die Räume, dass sie mal weinen können, ohne dass es der Patient mitbekommt", sagt Anne Ross. Genauso ist es für Angehörige möglich, im Palliativbereich beim Patienten zu übernachten.

    Zum Palliativangebot im Geomed gehört auch der so genannte "Snoezel"- Raum, der im März 2019 eingeweiht wurde und den der Geomed-Förderverein mit 7000 Euro finanzierte. Die Fantasiewortschöpfung "Snoezelen" hatten sich 1978 zwei holländische Zivildienstleistende ausgedacht. Sie setzt sich aus den beiden niederländischen Verben "snuffelen" (kuscheln) und "doezelen" (dösen) zusammen. Damit wird seitdem der Aufenthalt in einem gemütlichen, angenehm warmen Raum verstanden, in dem bequem liegend oder sitzend, umgeben von leisen, ruhigen Klängen und wohlriechenden Düften, Lichteffekte betrachtet werden. Auch das soll zur Linderung von Schmerzen helfen und Angst abschwächen. In diesem Entspannungs- und Wohlfühlraum hat der Patient verschiedene Lagerungsmöglichkeiten. Musikwünsche werden soweit möglich erfüllt. Auf der Stahlzungentrommel kann der Kranke auch selbst Klänge erzeugen.

    Musikwünsche sind möglich

    Die Existenz des Palliativbereichs am Geomed hat sich sogar schon so weit herumgesprochen, dass Menschen von außen ihn nutzen möchten. "Das geht auch, aber nur, wenn Platz ist", erklärt Palliativkrankenschwester Anne Ross.

    Einmal in der Woche, immer am Donnerstag, trifft sich das Personal am Geomed, das mit der Palliativarbeit zu tun hat, zur Besprechung der Therapie von Patienten. Einmal im Monat kommt der erweiterte Kreis mit externen Unterstützern zusammen, also etwa den Geistlichen oder Therapeuten, berichtet Matthias Schmitt, Assistenzarzt in der Inneren Abteilung. Die Teilnehmer besprechen dann, wie dem einzelnen Patienten am besten zu helfen ist.

    Als Alexander  Kraus 2015 als Chefarzt der Inneren Medizin ans Geomed kam, bemerkte er schnell, dass ein Palliativbereich fehlt.  Für ihn gehört zu einer ganzheitlichen Medizin neben dem körperlichen auch der seelische und psychosoziale Aspekt. Häufig leiden Patienten im Rahmen des Fortschreitens einer unheilbaren Erkrankung an verschiedenen, belastenden Symptomen wie zum Beispiel Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Verwirrtheit, Unruhe oder Angst. Neben diesen Symptomen bedrücken aber auch psychische und soziale Sorgen schwer kranke Menschen stark.

    Je früher, desto besser

    Es geht also darum, dafür zu sorgen, dass diese Patienten trotz aller Bedrängnis so gut wie möglich leben können. Je früher eine palliative Begleitung einsetzt, desto besser ist es in den Augen von Alexander Kraus für Betroffene und ihre Angehörigen.  Zusätzlich zu einer wissenschaftsbasierten Inneren Medizin macht die Klinik deshalb ein frühpalliatives Angebot. Das heißt auch, dass die beiden Palliativzimmer bei weitem nicht immer die letzte Station im Leben eines Patienten bedeuten. Viele Patienten kehren nach ihrem Aufenthalt dort wieder nach Hause zurück.

    Ein Einbettzimmer mit Möbeln, Sitzecke und Pflanze. So sieht es im Palliativbereich an der Geomed-Kreisklinik aus. Foto: Karin Sauer

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