• aktualisiert:

    Schweinfurt

    Die Poller stoßen auf wenig Gegenliebe

    Mit Betonklötzen wird die Zufahrt zum Weihnachtsmarkt in Schweinfurt gesichert. Foto: Horst Breunig

    Was lange währt, wird endlich gut. Zumindest fast, was das Thema Poller rund um den Marktplatz und die angrenzenden Straßen wie Brückengasse, Rückertstraße oder Spitalstraße angeht. Schon vor sechs Jahren hatte FDP-Stadtrat Georg Wiederer zum ersten Mal einen Antrag gestellt, in der Fußgängerzone Durchfahrten zu verhindern. Auch der Schutz bei Veranstaltungen nach den  Terroranschlägen in Nizza, London oder dem Berliner Weihnachtsmarkt war ein Thema. 2017 wurde ein Planungsauftrag vergeben, nun stellte Ordnungsreferent Jan von Lackum das Resultat vor.

    Es stieß aber nicht auf Gegenliebe der Baustadträte, vor allem wegen der Kosten. Von Lackum berücksichtigt in seiner Planung zwei Aspekte: Verkehrslenkung und Sicherheit, um zu verhindern, dass missbräuchlich benutzte Fahrzeuge wie Autos oder Lastwagen ungehindert in Menschenmengen fahren. Schon seit längerer Zeit wird bei Großveranstaltungen auf dem Marktplatz mit Betonklötzen verhindert, dass Fahrzeuge auf den Platz fahren. Es gibt auch Veranstaltungen wie zum Beispiel den Faschingsumzug, bei denen mit mobilen Barrieren gearbeitet wird, sprich Einsatzfahrzeugen von Feuerwehr oder Rettungsdienst.

    Von Lackum erinnerte, dass der Arbeitskreis Innenstadt eine Absicherung mit versenkbaren Pollern vor allem wegen Falschfahrer in der Innenstadt fordert, insbesondere in der Spitalstraße. Aus Sicht des Ordnungsreferenten müsse man aber größer denken, also die Themen Sicherheit, Falschfahrer, Lieferverkehr, aber auch Busse und Taxen mit einbeziehen.

    77 Poller, um die ganze Innenstadt abzusichern

    Vorgestellt wurde die Planung von Christoph Doll (TSC Beratende Ingenieure) aus Essen. Es gibt verschiedene Arten von Pollern, die je nach Nutzung dafür ausgelegt sind, bis zu 7,5 Tonnen schwere Fahrzeuge, die mit 80 km/h fahren, zu zerstören. Derartige Poller seien gut 500 Kilogramm schwer, hätten eine zwei Zentimeter dicke Stahlwand, seien gut 35 Zentimeter im Durchmesser sowie bis zu 1,20 Meter hoch und bräuchten ein 1,75 Meter tiefes Fundament, wenn sie versenkbar sein sollen. Um das komplette Gebiet mit Brückenstraße, Spitalstraße, Rückertstraße und Marktplatz zu schützen, bräuchte man laut Doll 77 Poller. Das würde bis zu 2,06 Millionen Euro kosten, eine Förderung gibt es laut von Lackum bisher nicht. Die Betriebskosten sind mit 30 000 Euro pro Jahr auch recht hoch.

    Immer wieder gibt es in der Fußgängerzone in Schweinfurt von der Brückenstraße am Museum Georg Schäfer (links unten) Durchfahrtsverkehr über den Marktplatz in Richtung Kornmarkt. Poller würden das verhindern, nur Lieferverkehr, Busse und Taxen kämen noch durch. Foto: Maximilian Stuhl

    In einem ersten Schritt schlug die Verwaltung vor, nur den Kernbereich um den Marktplatz abzusichern und so auch verkehrslenkende Maßnahmen zu realisieren, da, wie Oliver Schulte (CSU) bemerkte, vor allem abends Autofahrer von der Brückenstraße über den Marktplatz zum Kornmarkt abkürzen. Für die Marktplatz-Verpollerung würden erst mal nur 56 Poller gebraucht, die Kosten betrügen 1,16 Millionen Euro.

    Stadträte halten vor allem die Kosten für zu hoch

    Die Kritik an den Plänen war fraktionsübergreifend. Rüdiger Köhler (CSU) empfindet es als "sehr massiv, sehr teuer und optisch bedenklich". Vor allem die Kosten hält er für zu hoch. Er frage sich, welchen Nutzen die Poller hätten und wie man zum Beispiel andere Veranstaltungen wie Street Food Meile oder die ufra auf dem Volksfestplatz absichern wolle. Im Prinzip sei ja die ganze Stadt ein Veranstaltungsort, so Köhler, der dafür plädierte, sich vor allem auf die verkehrslenkenden Maßnahmen zu konzentrieren.

    Poller sollen die Einfahrt in die Innenstadt verhindern, dieser Poller steht in der Neuen Gasse Foto: Hannes Helferich

    Reginhard von Hirschhausen (Bündnis 90/Die Grünen) stimmte Köhler zu, er hält das große Konzept ebenfalls für unrealistisch wie Thomas End (SPD). Der Sozialdemokrat verwies darauf, dass die Poller Sicherheit nur "vorgaukeln, da es natürlich viele andere Gefahren für eine Veranstaltung gibt." Die Kosten, so End, "sind unverhältnismäßig." Ulrike Schneider (Freie Wähler/Schweinfurter Liste) sah dies ebenso, "ich schließe mich der CSU und der SPD an". Sie erklärte, Georg Wiederer sei es ursprünglich vor allem um die Aufenthaltsqualität auf dem Marktplatz gegangen.

    Jan von Lackum betonte, man habe grundsätzlich für jede Veranstaltung in der Stadt ein Sicherheitskonzept. "Wir nehmen das sehr ernst", so der Referent, der betonte, wenn es keine versenkten Poller gebe, werde man zum Beispiel bei Weihnachts- oder Fischmarkt weiter die stadteigenen Betonklötze aufstellen. Er hält es aber für vorstellbar, sich zunächst auf den Marktplatz Nord und die Brückenstraße zu konzentrieren. Nach der einhelligen Kritik der Stadträte wird die Verwaltung nun eine neue Planung erarbeiten.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!