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    Niederwerrn

    Die Rücklagen sinken in Grund und Boden

    So spät ist Niederwerrn selten dran: Da die Gemeinde erst noch das Ergebnis eines Organisationsgutachtens abwarten wollte, aufgrund der Auswirkungen auf den Stellenplan, wurde der Haushalt 2019 erst im April verabschiedet. Enorm gesteigert hat sich der Vermögenshaushalt, um 52 Prozent, auf nunmehr 11,7  Millionen Euro. Der Verwaltungshaushalt hat sich um einige hunderttausend Euro erhöht, auf 13,2 Millionen Euro. Die Zuführung vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt beträgt 771 000 Euro. Die Gemeinde wird einige Investitionen umsetzen, die zuletzt noch geschoben worden sind: Derzeit häuft sich die Summe von 15 Millionen Euro in den Rücklagen, die bis Ende 2020 auf Null rutschen könnten. Die seit 2008 schuldenfreie Gemeinde müsste dann Kredit aufnehmen.

    "Wir haben nach wie vor eine gute Einkommenssituation der Gemeinde", sagte Bürgermeisterin Bettina Bärmann, dank 4,7 Millionen Euro Einkommenssteuer-Anteil für den Verwaltungshaushalt. "Die Gemeinde ist attraktiv für Leistungsträger unserer Gesellschaft", so Bärmann. Bei den Rücklagen zeige sich die gute Vorarbeit der letzten Jahre und Jahrzehnte. Nur habe man schon seit längerem eine "schwarze Null" bei den Zinserträgen. Auf der anderen Seite zeigten gute Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, dass es richtig  sei, in Grund und Boden zu investieren.

    Millionen-Projekte angehen

    Entsprechend will Niederwerrn den großen Wurf wagen, beim Grunderwerb und Millionen-Projekten wie "Neue Mitte" und neuer Kindergarten Niederwerrn, "Haus des Kindes" Oberwerrn oder dem Start der Schulsanierung. Dafür werden aktuell 10,5 Millionen Euro aus der Rücklage entnommen. Im Projektplan der Gemeinde wird die Komplettsanierung der Schule mit 13 Millionen Euro veranschlagt. Weitere 1,5 Millionen Euro könnten in naher Zukunft ins Gemeindezentrum fließen. Bärmann betonte, dass man in den nächsten Jahren nur mit konkreten Zahlen arbeite: "Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor es erlegt ist". Ein Extradank galt Kämmerer Dominik Lavinger, der sein detailreiches Zahlenwerk präsentierte.

    Roland Fick gab eine längere Stellungnahme zur Haushaltslage ab, deren Perspektive ihn nicht verunsichert. "Niederwerrn investiert in die Zukunft", meinte der Freie Wähler zum Anstieg des Vermögenshaushalts. Man könne ohne Zinsbelastung mit Erspartem wirtschaften und müsse bei den vielen freiwilligen Leistungen für die Bürger nicht den Rotstift ansetzen. Nach vergangenen Prognosen hätte schon im letzten Jahr 800 000 Euro Kredit aufgenommen werden sollen. Das sei nicht der Fall gewesen. Letztlich sei der Haushalt nur eine Momentaufnahme, entsprechend den aktuellen Wirtschaftsdaten: "Es kann sich noch das eine oder andere verschieben."

    SPD ist für notwendige Investitionen

    Auch Wolf-Dietrich Lang sprach für die SPD von notwendigen Investitionen: "Jeder Investitionsstau rächt sich". Seine Fraktion hätte sich aber mehr Umwelt-Engagement und eine konkrete Kostennennung für die Konversion in den Conn Barracks oder Vorleistungen beim Ankerzentrum gewünscht. "Unser Tun gilt nicht nur der Stunde, dem Tag oder dem Jahr", zitierte Norbert Hart (CWVO) Ludwig Erhardt, "wir haben auch an kommende Generationen zu denken." Man sollte gemeinsam beschließen und dann auch dahinter stehen.

    Die CSU stimmte dem Haushalt 2019 prinzipiell zu. Für den Finanzplan bis 2022 gab es demonstrativ vier Gegenstimmen, als Zeichen, dass man die Rücklagen-Entwicklung und mögliche Kreditaufnahmen kritisch sieht.

    Einstweilen verleiht Niederwerrn noch selber Geld. 2012 hat die Gemeinde der Unterfränkischen Überlandzentrale ein Darlehen zur Finanzierung des Windparks Schonungen gewährt, über 5000 Euro, bei drei Prozent Zinsen jährlich, inmitten der Nullzinsphase. Die ÜZ will das Darlehen nun bis 2022 mit 2,5 Prozent Zins fortführen. Der Gemeinderat stimmte prinzipiell zu. "Wieviel Zinsen dürfen wir dann zahlen?" fragte Willi Gößmann (CSU). Dominik Lavinger erwartet in den nächsten Jahren aber keine dramatische Wende in der Zinspolitik.

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