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    WAIGOLSHAUSEN

    Die Soldatenkameradschaft als Friedensbewegung

    „In Treue fest”: Vorsitzender Bruno Strobel und Bürgermeister Peter Pfister ehrten die KSK-Vereinsjubilare Paul Suckfüll... Foto: Uwe Eichler

    Seit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 haben Waigolshausens altgediente Soldaten verbal deutlich abgerüstet. 1884 formierten die „Ehemaligen“ noch eine „Krieger- und Kampfgenossenschaft“, Vereinsruf: „In Treue fest!“

    Wer deren Fahne hochhielt, musste nicht nur die „deutschen Feldzüge“ mitgemacht haben, sondern auch noch „anhänglich an Kaiser und Reich“ sein. So sahen es die Statuten vom März 1892 vor, wie sie Bruno Strobel in einem Büchlein vorgefunden hat, als Vorsitzender der heutigen „Krieger- und Soldatenkameradschaft“ (KSK).

    Ab 1. Oktober wird der Verein nun die Krieger aus seinem Namen streichen: „Wir wollen uns der Neuzeit anpassen“, sagte Strobel auf der Feierstunde anlässlich 60 Jahre Wiedergründung. Eingeläutet wurde das Treffen mit der Traditionsglocke aus dem Allgäu. Obwohl oder gerade weil mit Walter Metzner (fast 92) noch ein Veteran Mitglied ist, der die Schrecken des Zweiten Weltkriegs überlebt hat, begrüßte Strobel den Wandel zur bloßen Soldatenkameradschaft: „Krieg wollen wir nicht, Krieger gibt es in unseren Friedenszeiten nicht.“

    „Friedensbewegung wäre fast noch das bessere Wort“, stellte Hubert Oestreicher als Vorsitzender des Patenvereins, der Soldatenkameradschaft Eßleben fest, unter Bezug auf die Predigt von Pfarrer Volker Benkert. Man wisse um die Grausamkeit des Krieges. Nach dem Festgottesdienst hatte ein Fahnenumzug zum Sportheim geführt, begleitet von anderen Vereinen wie dem Clan McEl.

    Am 20. Juli 1958 war die Kameradschaft wiedergegründet worden, erster Vorsitzender wurde Altbürgermeister Gottfried Zitzmann. 1961 rückte Bruno Zeißner an die Spitze, 1996 folgte wiederum Bruno Strobel. Die neue Fahne 1964 wurde mit einem großen Dorffest gefeiert. Zu Glanzzeiten hatte der Verein 200 Mitglieder, nun sind es 56, ein Gast ist sogar aus München angereist.

    Jungmitglieder sind jederzeit willkommen, betonte Strobel, „bei einem Jahresbeitrag von sechs Euro“. Bürgermeister Peter Pfister dankte für besonderes Engagement im Gemeindeleben und beim Kirchenneubau, bei der Schaffung von Gedenk- und Bildertafeln, der Pflege des neuen Ehrenmals, beim Volkstrauertag ebenso wie bei der Kriegsgräber-Sammlung. 1958 sei zugleich der Fußballverein gegründet worden. „Es ist schön, dass die Auseinandersetzung mit Frankreich heute nur noch im Fußball stattfindet“, kommentierte Pfister das jüngste, friedliche Unentschieden.

    Es gab Grußworte von der Hergolshäuser Soldatenkameradschaft und Pfarrer Benkert, der erfreut feststellte, dass er auch als „Nichtgedienter“ beitreten könne. Günter Trescher hatte als Zweiter Vorsitzender Dank und Präsente für Bruno Strobel und Ehefrau Ida dabei. Eine Silberne Ehrennadel und Urkunde erhielt Erich Reul, der seit 25 Jahren Mitglied ist. Für 40 Jahre Vereinstreue wurden Kassenprüfer Paul Suckfüll sowie Karl-Heinz Stahl mit goldene Ehrennadeln ausgezeichnet.

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