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    GEROLZHOFEN

    Die Tafel braucht neue Räume

    Raumprobleme: Die emsigen Helfer der Gerolzhöfer Tafel suchen nach einem geeigneteren Platz für die Lagerung und Verteilung ihrer Lebensmittel an Bedürftige. Foto: Norbert Finster

    Zumeist weibliche Helfer hieven schwere Kisten durch den Raum. Kisten voll von bestem Obst – schwere Träubel aus Südtirol zum Beispiel. Oder mit Joghurt und anderen Milchprodukten. Fleißige Hände räumen Regale voll und füllen die Kühlbox. Bald sieht es in dem Raum aus wie in einem kleinen Supermarkt.

    Fahrer Bernd Schultz hat soeben mit dem Kleintransporter eine neue Ladung von Lebensmitteln aus einem Gerolzhöfer Supermarkt auf den Hof der Firma Wolf an der Bürgermeister-Weigand-Straße gebracht. Er hat sie dort abgeholt, weil sie hart am Ablaufdatum stehen. Der Betreiber des Supermarkts stellt sie der Gerolzhöfer Zweigstelle der Schweinfurter Tafel zur Verfügung, die sie an Bedürftige verteilt.

    Die Arbeit der Helfer wirkt reibungslos und gut organisiert. Und doch hat die Tafel ein akutes Problem. „Wir brauchen andere Räume, denn hier gibt es keine Heizung“, sagt Ingrid Gotthard, die die eigenständige Gerolzhöfer Tafel-Sektion schon seit 2007 leitet. Den aufgestellten Gasofen schüren die Helfer aus Kostengründen nur samstags an, wenn die Kundschaft zwischen 13.30 und 14.30 Uhr zum Abholen kommt.

    Mit 100 Quadratmetern ist die Fläche der Tafel ebenfalls sehr überschaubar. Kurz: Vom Hof her mit seinen Parkmöglichkeiten wäre der Standort ideal, nicht aber vom Raum.

    Vor allem jetzt, wenn es wieder auf die kalte Jahreszeit zugeht, wird es immer schwerer für die Helfer. Die Lebensmittelkisten sollen sauber an die Spender zurückgegeben werden. Sie zu reinigen fällt schwer, wenn es draußen friert. Zur Warenausgabe stehen die Helfer oft mit Handschuhen und Schal da, um die Tüten mit Lebensmitteln zu füllen, die die Abnehmer für drei Euro mitbekommen. „Wir sind fast alle über 70“, weist Gotthard auf einen weiteren Umstand hin.

    „Ich weiß genau, dass es in Gerolzhofen viele Leerstände gibt, die für uns geeignet wären. Aber die Leute geben es nicht her“, kritisiert Ingrid Gotthard. Zwei Gründe hat sie dafür ausgemacht. Zum einen kann die Tafel nicht mehr als 300 Euro Miete im Monat zahlen, zum zweiten möchte so mancher vielleicht auch die Leute nicht in seinem Haus haben, die die Lebensmittel bekommen.

    Die Leiterin erkennt das Bemühen der Stadt an, bei der Raumsuche mitzuhelfen. Doch auch mit offiziellem Beistand bewegt sich nichts.

    Dabei läuft die Tafel sonst gut, außer dass man vielleicht für noch ein paar Helfer mehr dankbar wäre. Rund 20 Leute zeigen ehrenamtlich soziales Engagement, unter ihnen sieben wechselweise eingesetzte Fahrer. Sie sammeln die Lebensmittel am Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag ein.

    An Spendern mangelt es nicht. In Gerolzhofen sind es die Lebensmittelmärkte Rewe Götzelmann, Edeka Popp, Netto und Tegut, die Bäckereien Schwab, Kleinschrodt und Gürsching sowie der Großbäcker Hiestand, in Volkach Aldi und Penny, Rewe und die Bäckerei Mahler, in Unterspiesheim Tegut und in Prichsenstadt die Bäckerei Plempel.

    Rund 50 Leute aus Gerolzhofen und Umgebung haben den Berechtigungsschein für die Tafel, den entweder das Diakonische Werk oder der Caritasverband Schweinfurt oder die Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen ausstellen. Ingrid Gotthard rechnet pro Bezugsperson mit einem Multiplikator von drei, so dass 150 Menschen von der Einrichtung profitieren. Die Tafel als wohltätige Organisation orientiert sich bei den Voraussetzungen für den Berechtigungsschein an der Armutsgefährdungsquote der EU. Wer also als Alleinstehender weniger als 938 Euro Einkommen hat, bekommt den Schein. Bei einem Kind unter 15 Jahren kommen 281 Euro dazu, bei über 15 Jahren 469 Euro.

    Sich selbst finanziert die Tafel über die geringen Einnahmen aus der Lebensmittelabgabe und aus Spenden. Damit wird versucht, Miet- und Transportkosten abzudecken. Die Helfer arbeiten völlig ehrenamtlich.

    Auch und gerade ihretwegen wäre es für Ingrid Gotthard wichtig, neue Räumlichkeiten zu finden, appelliert die Leiterin an Besitzer von passenden Immobilien.

    Kontakt: Ingrid Gotthard, Tel. (0 93 81) 1368.

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