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    SÖMMERSDORF

    Die Tränen von Sömmersdorf

    Mit 35 000 Zuschauern verbuchten die Passionsspiele in Sömmersdorf einen neuen Besucherrekord. Die neue Dachkonstruktion... Foto: Anand Anders

    Mit Superlativen endete die Saison der Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf im Landkreis Schweinfurt: 35 000 Zuschauer, so viele wie nie und damit 2000 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013, sahen die 18 Vorstellungen auf der Freilichtbühne. Auch die Qualität der Laienspieler und die Inszenierung wurden von den Zuschauern als überragend beurteilt, jede Aufführung wurde mit Standing Ovations gefeiert. Und so viele Tränen wie nie wurden im mitfühlenden Publikum vergossen. Eine äußerst erfolgreiche Spielsaison, die den Vereinsverantwortlichen Mut macht für die Zukunft.

    Bühne soll häufiger bespielt werden

    Ob wieder in fünf Jahren, wie bisher, oder in sechs Jahren die nächsten Passionsspiele stattfinden werden, wird derzeit noch diskutiert, erklärt der Vorsitzende des Vereins Fränkische Passionsspiele Sömmersdorf, Robert König. Weil jetzt durch die neue, feste Überdachung die Freilichtbühne noch einmal aufgewertet wurde, müsse sie auch häufiger bespielt werden. „Wir haben jetzt so eine tolle Bühne.“

    Alle zwei Jahre wolle der Verein daher eine Theater-Eigenproduktion zeigen, wie es bereits 2011 und 2016 mit „Don Camillo“-Stücken erfolgreich der Fall war. Dazwischen sollen voraussichtlich Musikveranstaltungen oder andere Theatergruppen die Sömmersdorfer Freilichtbühne nutzen. Bis zu sechs Veranstaltungen pro Jahr seien angedacht. „Wir haben schon etliche Musical-Anfragen.“

    Treffen von Mundart-Gruppen aus ganz Deutschland

    Konkret zugesagt ist 2019 ein Treffen von Mundart-Theatergruppen aus ganz Deutschland vom 12. bis 15. September am Passionsspielgelände. In der Robert-Seemann-Halle und auf der Freilichtbühne werden Theaterstücke gezeigt und Workshops angeboten, Veranstalter ist der Bund deutscher Amateurtheater.

    Noch aber wirkt in Sömmersdorf die Euphorie über diese „fantastische Spielzeit“, die mit einer Abschlussfeier der 320 Schauspieler und 100 Helfer endete. „Ich bin um halb vier Uhr heim“, lacht König, „aber bei anderen war es sieben Uhr früh“. Alle hätten gespürt, wie großartig die Gemeinschaftsleistung war, der Zusammenhalt, das Miteinander von Groß und Klein hinter der Bühne. „Das wirkt nach“, ist König sicher.

    Die Jugend wächst in das Spiel hinein

    Jeder habe sein Bestes gegeben, sei konzentriert bei der Sache gewesen. „Die Menschen haben sich wieder neu gefunden“, ist er überzeugt. Auch die auswärtigen Spieler kämen wieder häufiger ins Dorf. Und so viele Jugendliche, Kinder und Babys habe es nie bei den Passionsspielen gegeben. „Die wachsen mit hinein“, freut er sich.

    König gibt zu, dass er nach der letzten Vorstellung, bei der er als römischer Statthalter Pontius Pilatus noch einmal alle Register seines Schauspielkönnens zog, Tränen vergießen musste. Hochemotional war für alle Spieler dieser letzte Tag, alle zeigten sich berührt. Gerade auch Neuzugezogene wie Herodes-Darsteller Jörg Kampe waren begeistert über das Zusammensein mit den Alteingesessenen und die gute Stimmung unter den Mitwirkenden. Kampe gehörte zu den ersten, die sich bei der Feier unter großem Hallo ihre Bärte öffentlich scheren ließen.

    Bischof Jung war beeindruckt

    Dass die Sömmersdorfer Passion viele Unterstützer erhalten hat, weiß König. Prominente Politiker wie Landtagspräsident Barbara Stamm beantragten spontan die Mitgliedschaft im Verein, und Würzburgs neuer Bischof Franz Jung war nicht nur von der Leistung des kleinen Dorfes beeindruckt, sondern auch von den Art und Weise der Darstellung des Leidens und Sterbens Christi.

    Zu den Unterstützern zählt auch Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck, der das aufwändige Dachprojekt, eine Stahlkonstruktion mit Zeltmembran, unterstützt hatte. Aufgrund von Prüfstatik, Brandschutz und Zusatzarbeiten fallen laut König nun „erhebliche Mehrkosten“ bei dem mit 2,8 Millionen Euro geplanten Projekt an. Bei der Abschlussfeier versprach Eck, dass man die Sömmersdorfer damit nicht allein lassen werde.

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