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    Schweinfurt

    Die Waldkinder von der Jägerwiese

    Immer im Grünen und bei Bedarf auch schnell im Amanda-Käß-Haus oder bevorzugt in der Schutzhütte weiter oben am Waldrand: einige Kinder der Waldeulen-Gruppe zusammen mit ihren Betreuern. Hinten links Gruppenleiterin Sandra Hanneke, rechts Leiterin Gabriele Stegnar.  Foto: Helmut Glauch

    Matschige Gummistiefel, rosige Wangen und die Spuren des Waldes an den weiten Hosen. So marschieren die Kinder der AWO Waldgruppe in den Saal des neuen Amanda-Käß-Hauses auf der Jägerwiese im Schweinfurter Zellergrund und stimmen ihr Lied von der Waldeule an. Leicht abgewandelt im Text und zur Melodie von "Alle Vöglein sind schon da" singen sie "Lasst uns alle dankbar sein, für die Zeit im Walde". In der Natur sein, auch mal dreckig werden, das dürfen die Kinder der neuen Waldgruppe der Arbeiterwohlfahrt, die am 2. September mit 14 Kindern ihre Arbeit aufgenommen hat. "Wir haben Mut zum Matsch, zu 85 Prozent sind wir draußen, Regen macht uns nichts aus", verkündet Gruppenleiterin Sandra Hanneke.

    Zurück zu Wurzeln, rein in den Wald

    Und wenn es doch mal zu arg sein sollte mit dem Wetter, dann finden die Kinder (eine Gruppengröße bis 20 ist möglich) und ihre fünf Betreuerinnen und Betreuer schnell Schutz im kleineren der beiden Gebäude, die auf der Jägerwiese stehen. Neue Fenster, neue Innenarchitektur, sogar eine Fußbodenheizung sorgen dafür, dass es schön im Kindergarten ist, wenn man die Regentropfen an den Fenstern besser von innen zählen sollte.

    "Zurück zu den Wurzeln" sozusagen und im wahrsten Sinn der Waldpädagogik, denn die Kinder klettern, sind aktiv, malen auch mal mit Matsch und spielen mit Stöckchen. "Der Jahreszyklus unseres Waldes liefert die Struktur", so Hanneke. Die Waldkindergruppe ist Teil der Kindertagesstätte Auenstraße und will Eltern von Kindern, die sich für Waldpädagogik erwärmen können, eine Alternative sein. Die Kinder, die jetzt seit gut sechs Wochen "Waldkinder" geworden sind, hätten inzwischen sogar Lieblingsorte im Wald, wie ein "Piratenschiff" aus Wurzelwerk. 

    Die Familie der Namensgeberin Amanda Käß ist immer noch der Sache verbunden. Zur Eröffnung des Hauses waren Enkelin Kerstin Petz (links) und Tochter Ingrid Senft (Mitte) mit ihrem Gatten Wolfgang Senft (rechts) gekommen. Darüber freuten sich die beiden stellvertretenden AWO-Stadt-Vorsitzenden Uwe Lehm (Zweiter von links) und Holger Milde (Zweiter von rechts). Foto: Helmut Glauch

    Auch sonst hat sich viel getan auf der Jägerwiese. Am augenfälligsten ist das neue Hauptgebäude, das anlässlich der offiziellen Feierstunde zur Eröffnung der AWO Jägerwiese auch einen neuen Namen erhielt und von nun an Amanda-Käß-Haus heißt. Die Wahl für den Namen, so Holger Milde, einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden der AWO Schweinfurt Stadt, ergibt sich aus der Lebensleistung jener Amanda Käß. Die war nicht nur jahrzehntelang auf der Jägerwiese und in ihren ehemaligen Gebäuden ehrenamtlich aktiv, sondern half, wo immer sie gebraucht wurde. Nicht nur beruflich war sie erfolgreich, bei einem bekannten Schweinfurter Schmuckgeschäft arbeitete sie sagenhafte 66 Jahre lang, brachte es vom Lehrmädchen zur Geschäftsführerin. Nach dem Krieg sorgte sie auch dafür, dass es in Schweinfurt Suppenküchen und Nähstuben für die Menschen gab. Ab 1974 war sie Vorsitzende der AWO Schweinfurt. Ihr unermüdliches ehrenamtliches Wirken aufzuzählen, würde ein Buch füllen.      

    Alte Gebäude vom Zahn der Zeit angenagt

    Das Amanda-Käß-Haus wird künftig den AWO-Mitgliedern und der Bevölkerung zur gesellschaftlichen, aber auch zur privaten Nutzung zur Verfügung stehen. Den Weg dorthin dürften viele Schweinfurter noch aus der Kindheit und ihren Wochen der Stadtranderholung kennen. Doch die alten Gebäude waren arg vom Zahn der Zeit gezeichnet, die jetzt wieder schmucke Schutzhütte war zum Materiallager verkommen. "Ein schlimmer Zustand", schilderte Uwe Lehm, der zweite stellvertretende Vorsitzende der AWO Schweinfurt, den Zustand vor der umfassenden Sanierung. 

    Modernes Vereinsheim und Raum der Begegnung 

    Amanda Käß bei ihrem 90. Geburtstag im Jahr 2009. Im Oktober 2014 ist sie verstorben. Foto: Ruppert

    Der Weg zum Erfolg war ein harter, zäher, steiniger und bürokratischer, schilderte Lehm. Probleme mit dem Brunnen, der nicht mehr genutzt werden durfte (die Fläche ist Teil eines Trinkwasserschutzgebietes), Baustopp wegen der Mops-Fledermaus, langwierige Genehmigungsverfahren für Baumfällarbeiten, ein durcheinander geratener Bauzeitplan und Gesamtkosten, die nach oben korrigiert werden mussten, sind nur einige der Schwierigkeiten, die zeitraubend und die Nerven belastend aus dem Weg zu räumen waren. Nun ist Licht am Ende des Tunnels, die Gesamtkosten stehen zwar noch nicht fest, sind aber tragbar, wie Lehm betont. Der AWO stehe nun mit dem Amanda-Käß-Haus ein modernes Vereinsheim zur Verfügung, die Waldgruppe hat ihre Arbeit aufgenommen.        

    Dass dies alles möglich wurde und doch noch ein gutes Ende fand  war eine Gesamtleistung aller beteiligten Planer, Firmen und der Behörden, wie zum Beispiel dem Jugendamt. Uwe Lehm dankte allen, die dieser nicht einfachen Bauhistorie doch noch zum Erfolg verhalfen. Die Waldeulen, so der Name der Waldgruppe, dankten auf ihre Weise mit dem oben genannten Lied. Handpuppe "La Le Lu", natürlich eine Eule, ist immer dabei, wenn die Kinder in den Wald ziehen, der ihnen in wenigen Wochen zum großen Abenteuerspielplatz geworden ist.      

    Die kleinen Waldeulen können auch singen. Bei der Feierstunde taten sie dies gemeinsam mit den  Gästen, die zur Eröffnung der Waldgruppe und des Amanda-Käß-Hauses gekommen waren. Foto: Helmut Glauch

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