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    Schweinfurt

    Die Wellküren sorgten für Jubel in der Disharmonie

    Die Frieden stiftende Kraft der Stubenmusik oder warum die Well-Schwestern Bayern in einem Schwarzen Loch verschwinden lassen.
    Anbandeln auf Wellkürisch: Mit einem geworfenen Strumpfband warb Bärbi Well um die Gunst des Publikums in der Disharmonie. Foto: Martina Müller

    Wäre die Welt friedlicher und gerechter, wenn mehr Menschen zu Hause Musik machten? Ja, sagen die Wellküren aus der Musikerdynastie der Familie Well. Denn "Stub'nmusi", wie die Volksmusikgattung in der oberbayerischen Heimat der drei Schwestern heißt, hilft "gegen die Idiotisierung des Abendlandes", kurz Stugida. Die Welt hätte mehr davon, wenn Putin Harfe, Erdogan Zither und Trump Triangel spielten, statt am Rad der Geschichte zu drehen. Das war die Kernbotschaft von Notburga, Barbara und Monika Well bei ihrem gefeierten Auftritt in der Disharmonie.

    Mozart und Trumscheit

    Die Waffen der Well-Schwestern sind Harfe, Gitarre und Hackbrett. Und auch wenn so mancher Landler verspielt daherkommt, versteckt sich in den Texten immer wieder Ironie und Satire. Die Leitkultur im bayerischen "Gottesstaat" muss ebenso dran glauben wie Verkehrsminister Scheuer, sein Vorgänger Dobrindt und Ministerpräsident Söder sowieso, die Moni Well in einer minutenlangen Tirade in den Senkel stellt. Die Wellküren dabei auf bissiges Polit-Kabarett zu reduzieren, wäre zu einfach, denn es geht im Programm viel um Musik – etwa bei der vorzüglichen Interpretation einer Mozart-Sonate im Stub'nmusi-Gewand oder Ennio Morricones Melodie aus dem Western "Spiel mir das Lied vom Tod" – und um den Umgang der Musikerinnen mit Blechblasinstrumenten und dem Trumscheit (Nonnentrompete), einem einsaitigen Streichinstrument mit Schalltrichter. Sichtlich Höllenqualen litt Moni Well ob ihres doch arg verstimmten Hackbretts, das sie erst in der Pause nachjustieren konnte.

    Und manchmal nur Klamauk

    Die Wellküren boten eine bunte Themenmischung zwischen Politik, Männer, Konsumkritik und das Älterwerden. Dabei machen sie vor sich selbst nicht Halt, wenn Burgi Well ihren Hang zur Vergesslichkeit und Bärbi Well ihre Zuneigung zur Globuli-Homöopathie veralbern. Und manchmal geht es einfach schlicht um ansteckenden Klamauk. Das Ganze gipfelt in einem musikalisch dramatischen und inhaltlich düsteren "Stub'nmusical", in dem das Bayernland auf Höllenfahrt geht und im Weltenall in einem Schwarzen Loch endet. Jubel im Saal.

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