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    Schweinfurt

    Die Zahl der Sozialwohnungen in Schweinfurt sinkt drastisch

    Die Linken stellten eine Anfrage, wem die Schweinfurter Sozialwohnungen gehören und wann die Bindungsfristen auslaufen. Warum die Antwort der Stadt für Kritik sorgt.
    In Schweinfurt wird vor allem in den Konversionsgebieten wie hier im ehemaligen amerikanischen Wohngebiet Askren Manor, jetzt Bellevue, kräftig gebaut. Doch in den Mehrfamilienhäusern sind in den seltensten Fällen Sozialwohnungen.
    In Schweinfurt wird vor allem in den Konversionsgebieten wie hier im ehemaligen amerikanischen Wohngebiet Askren Manor, jetzt Bellevue, kräftig gebaut. Doch in den Mehrfamilienhäusern sind in den seltensten Fällen Sozialwohnungen. Foto: Oliver Schikora

    Gibt es in Schweinfurt Wohnungsnot? Eine Frage der Perspektive. Wenn man die Wohnungsbaugesellschaft SWG oder Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) befragt, dann lautet die Antwort eher nein. Hört man sich Geschichten von Wohnungssuchenden an, wohl eher doch. Vor allem die Fraktion der Linken ist ein deutlicher Kritiker der Verwaltung in dieser Causa und sieht sich in ihrem Plädoyer für mehr Sozialwohnungen nach der Antwort auf die kürzlich gestellte Anfrage, wie viele Sozialwohnungen es noch in der Stadt gibt und wem sie gehören, bestätigt.

    Seit Anfang Februar gilt der neue Mietspiegel in der Stadt, und schon damals stellte die Linken-Fraktion eine Anfrage an die Verwaltung, wie viele Sozialwohnungen es in der Stadt gebe, da diese im Mietspiegel nicht einbezogen sind. Seit zehn Jahren werden keine neuen Sozialwohnungen mehr gebaut, heute sind es nur noch 2924, vor 20 Jahren waren es noch 5616. Der Verlust liegt daran, dass die Bindung als Sozialwohnung zu einem bestimmten Zeitpunkt ausläuft, meist werden die Wohnungen danach in Eigentumswohnungen umgewandelt, verkauft oder an andere Mieter zu höheren Mieten vermietet.

    Die Antwort der Verwaltung, wem die Wohnungen gehören und der Ausblick in die Zukunft, wann Sozialbindung entfällt, dürfte Frank Firsching sicher in seiner Ansicht gestärkt haben, die er in seinem Antrag äußerte: "Diese erschreckende Bilanz Ihrer bisherigen Amtszeit veranlasst uns zu einer weiteren Anfrage. Wir wollen herausarbeiten, wozu Untätigkeit führen kann".

    Die meisten Sozialwohnungen gehören SWG, Stadt oder Baugenossenschaften

    Jan von Lackum erklärte, 98 Prozent der Schweinfurter Sozialwohnungen seien im Besitz der SWG, der Stadt oder anderer Baugenossenschaften. Nur zwei Prozent gehörten Privatleuten. Genauer bezifferte er die Wohnungen der SWG und der Hospitalstiftung, das sind 1354, der Bauverein habe 800 in seinem Besitz. Zum Thema Auslaufen der Bindungsfrist war eine genaue Auskunft dahingehend schwierig, da es verschiedene Finanzierungsmodelle gibt. Davon hängt auch ab, ob die Stadt mitgeteilt bekommt, wann die Bindungsfrist als Sozialwohnung ausläuft. Bei 1272 Wohnungen, die noch im Bestand sind, "wissen wir es momentan nicht", so von Lackum.

    Bei den restlichen konnte er eine genaue Voraussage machen, die sogar bis ins 22. Jahrhundert reichte. Es genügt aber schon der Ausblick für die kommenden 15 Jahre, um zu erkennen, dass auf die sozial schwachen Mieter in Schweinfurt ein erhebliches Problem zukommt, wenn nicht neue Sozialwohnungen gebaut werden. Ende 2024 sind von den 1652 Wohnungen mit bekanntem Bindungsende nur noch 1043 Sozialwohnungen, Ende 2029 sinkt der Wert auf 640, Ende 2034 auf 269.

    Frank Firsching und seine Kollegen sind auch starke Kritiker der Pläne im neuen Stadtteil Bellevue, wo 650 neue Wohneinheiten entstehen. Sie fürchten, der weitaus größte Teil könnten Eigentumswohnungen sein, nur die wenigsten Wohnungen seien für Menschen mit geringeren Einkommen. Das Thema Wohnraum spielte auch in den Plänen der SPD für eine Gestaltung des Ledward-Kasernen-Areals anstatt einer Landesgartenschau eine Rolle.

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