• aktualisiert:

    HAMBACH

    Die Zeit der Faxe ist vorbei

    Runde Sache: Der JU-Kreisverband Schweinfurt-Land feierte 65-jähriges Bestehen mit einem Bubble Soccer-Turnier. Foto: Uwe Eichler

    Manchen CSU-Prominenten, der einmal bei der Jungen Union Schweinfurt angefangen hat, sieht man jetzt zur besten Sendezeit: Anja Weisgerber, MdB und Ehrengast des Jubiläumsabends „65 Jahre JU Schweinfurt-Land“, zeigt auf dem Lindenhof Hambach stolz ein Screenshot eines Interviews in den Wehranlagen: Für die Tageschau hat die Klimaschutz-Beauftragte der Unionsfraktion Vorwürfe von Klimaforscher Mojib Latif erwidert, die Bundesregierung tue zuwenig gegen Treibhauseffekt und steigende Meeresspiegel.

    Das Klima im Land hat sich verändert. Soviel stand fest, als sich der christsoziale Nachwuchs auf dem Pferdehof der Familie Ort zur Sommerparty traf. Sohn David Ort ist Mitglied im Kreisvorstand. Natürlich ging es nicht ganz bierernst zu. Kreisvorsitzender Thomas Siepak ehrte die Sieger eines Bubble Soccer-Gauditurniers, das kurz von einem Gewitter unterbrochen worden war. Fünf Teams waren mit Plastikkugel-Polsterung angetreten, zum Rempeln, Rollen und Kicken. Am Ende gewann die Pferdehof-Auswahl vor dem Team „Strauß“.

    Drinnen begrüßte Siepak als Vorsitzender von 162 JU-lern die Ehrengäste: neben Anja Weisgerber war auch Vizelandrätin Christine Bender vertreten, Innenstaatssekretär Gerhard Eck hatte schon vorbeigeschaut, Barbara Wiederer vertrat die Frauen-, Edgar Schuck die Seniorenunion. Die JU sei mit 65 nun selbst im Rentenalter, stellte Thomas Siepak fest, dennoch stehe man in der Mitte des Lebens, für „Zukunft durch Fortschritt bei Bewahrung der Schöpfung“. Die Liste der Vorsitzenden zeigte, dass die JU tatsächlich immer eine Nachwuschsschmiede war: Los ging es mit Rudolf Reith, später Bürgermeister von Werneck und Vizelandrat, von 1953 bis 1960 Vorsitzender im Kreis. Es folgten Jürgen Herzog, Reinhard Lehr, Peter Göppner, Harald Leitherer, Götz Römmelt, Albert Hein, Thomas Pfeifer, Martina Gießübel und, ab 1995, Ingo Göllner: Nach der Jahrtausendwende folgte Thomas Hemmerich, Tassilo Leitherer, Sebastian Witzel sowie, seit 2014, Thomas Siepak als Spross der Dürrfelder CSU.

    Dass Anja Weisgerber in ihrem Grußwort versehentlich Dittelbrunns Bürgermeister Willi Warmuth zum Großonkel erklärt, sorgt für Heiterkeit: Es war Willi Baumann, der sie, neben Martina Gießübel, zur Politik gebracht hat. Bei der JU lerne man die politische Arbeit, sagte die CSU-Kreisvorsitzende, aber der Spaßfaktor käme nicht zu kurz.

    Festredner Stefan Funk fand als Ehrenvorsitzender der JU Schweinfurt-Stadt und dortiger CSU-Chef launige Worte. Auch wenn jemand wie er, der alle Vorsitzenden gekannt habe, eigentlich zu alt sei für diese Art von Politik: „Meinen JU-Ausweis hat noch Theo Waigel unterschrieben“. Die Junge Union bleibe der „Sauerteig“ der Partei, dürfe das sagen, was andere diplomatisch formulieren müssten. Fast etwas wehmütig blickt der einstige JU-Vorsitzende in Stadt und Bezirk auf Jahre wie 1974 zurück. Als Franz Joseph Strauß im Kolpinggarten sprach und Ministerpräsident Alfons Goppel 62 Prozent holte. Als ein MdB Michael Glos im Wahlkreis noch etwas persönlich zu berichten hatte.

    Heute seien die Medien schneller. Schon damals hätten sich die Schwesternparteien gezofft, schon in den 80ern seien 100 000 Asylbewerber jährlich nach Westdeutschland gekommen. Nach der Wende leistete die JU Schweinfurt politische Entwicklungshilfe in Thüringen: Telefax-Geräte galten als das Modernste und wurden bezuschusst, staunt Funk im Zeitalter von Internet und Email. Die Diskussionskultur in der JU, das Debattieren um Punkt, Komma, Nebensätze: diese Errungenschaft lobt Funk im heißen Wahljahr 2018 besonders.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!