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    Schallfeld

    Die beeindruckende Russland-Reise der Riedels

    Die Basiliuskathetrale auf dem roten Platz in Moskau glänzt im Abendlicht. Foto: Lothar Riedel

    Einmal das größte Land der Welt sehen, das war der Wunsch der Schallfelder Globetrotter Rita und Lothar Riedel. Lothar ist freier Mitarbeiter dieser Redaktion und berichtet immer wieder von seinen Individualtripps.

    Die Reise des Ehepaars begann in Moskau mit seinen elf Millionen Einwohnern. Die Metropole ist großzügig angelegt mit breiten Straßen, großen Gebäuden und vielen Grünanlagen. Auffällig waren die vielen schwarzen Luxuslimousinen deutscher und asiatischer Hersteller. Über die Bewegungsfreiheit waren Lothar und Rita erstaunt und erfreut, sie fühlten sich immer sicher und unbeobachtet. Der rote Platz mit der weltweit bekannten Basiliuskathetrale war beeindruckend, ebenso der 28 Hektar große Kreml: Er ist einzigartig und die größte mittelalterliche Festung der Welt.

    Reich mit Gold verzierte Kirchen

    Übrigens: Der als roter Platz bezeichnete Bereich hat nichts mit der roten Partei zu tun, sondern hat seinen Namen von den roten Backsteingebäuden und Mauern her. Auf dem sozialistischen Regierungsgelände stehen 14 phantastische, reich mit Gold verzierte Kirchen. Hier steht auch die mit 200 Tonnen grösste und schwerste Glocke der Welt, die allerdings noch nie geschlagen hat. In den Kirchen gilt strenges Fotografierverbot, was  Lothar besonders schwer fiel. Ebenso ist bei der Besichtigung einer der berühmtesten Leichen der Welt, Lenin, fotografieren strikt verboten. Mehrere Wachsoldaten verhindern die Abbildung des in einem gläsernen Sarg aufgebahrten Leichnams, der so wachsig aussieht wie Mao in Peking. Obwohl die anstehende Menschenschlange zur Besichtigung der Leiche etwa 150 Meter lang war, hat sich die Anhängerschaft des Diktators doch stark dezimiert.

    An der Kreml-Mauer sind verdiente Sowjetbürger beigesetzt wie Stalin oder Juri Gagarin, deren Gedenktafeln fotografiert werden dürfen. Die erste dort beigesetzte Person ist übrigens eine deutsche Kommunistin. Sie heißt Klara Zetkin, geborene Eissner. Stalin trug die Urne persönlich zur Grabstätte.

    "Sozialistischer Überfluss"

    Gegenüber dem Kreml steht das Kaufhaus GUM. Dort gibt es alles, was das Herz begehrt und Menschen kaufen möchten. Unter anderem ist dort ein Bereich, der etwa viermal größer ist als der Delikatessenladen Dallmayer in München, stellte die gebürtige Münchnerin Rita Riedel fest und wunderte sich über den "sozialistischen Überfluss".

    Beeindruckend waren Straßenbeleuchtungen aus tausenden von Lichterketten, die vermutlich den Sternenhimmel symbolisieren sollten. So etwas haben die Riedels noch nirgendwo  gesehen.

    Die Reise führte mit dem Flugzeug weiter zum Baikalsee und in die Taiga, zum sibirischen Urwald. Durch die schlammigen Waldwege kommt man nur zu Fuß oder mit einem Quad, Beides probierten die Riedels erfolgreich aus. Straßen gibt es keine, und die Wasserlöcher auf den Erdwegen sind mitunter 15 Meter lang und so breit wie ein Dschungelweg. Ohne einen Ortskundigen findet man nicht mehr aus dem Wald.

    Taiga bedeutet soviel wie Urwald, der primär aus Nadelholz und meist aus Kiefern besteht. Birken wachsen vor allem am Waldrand.

    Der Fluss Angara ist der einzige Abfluss des Baikalsees und mit 2000  Kubikmetern Wasser pro Sekunde der volumenreichste der Erde, weshalb der Fluss erst nach 15 Kilometern zufriert. Tausende von Enten überwintern auf diesem eisfreien Wasser. Der Baikalsee steigt jährlich um zwei Zentimeter an und ist mit 1600 Metern der tiefste See der Welt. Das glasklare Wasser hat Trinkwasserqualität und wäre ein weltweites Süßwasserreservoir, das die Menschheit 50 Jahre überleben ließe. Die Tiefensichtweite in dem klaren Wasser beträgt etwa 43 Meter.

    Die Riedels stellten fest, dass russische Menschen einem nicht gerne in die Augen schauen und selten lächeln. Die jüngere Bevölkerung jedoch spricht oftmals Englisch und hin und wieder auch mal Deutsch. Überall sind asiatische, vor allem chinesische Touristen zu sehen.

    Von Irkutzk aus reisten die zwei Schallfelder mit der transsibirischen Eisenbahn 4100 Kilometer sowie drei Tage und drei Nächte lang nach Wladiwostok am japanischen Meer. Die Transsib ist mit 9280 Kilometern von Moskau bis Wladiwostok die längste Eisenbahnstrecke der Welt. Es war eine lange Reise in einem etwa fünf Quadratmeter großen Zugabteil erster Klasse. Das Zweite-Klasse-Abteil beherbergt vier Personen, da ist dann das Zusammensein rund um die Uhr in jeder Hinsicht beengter, aber gegebenenfalls auch kommunikativer.

    Elf Zeitzonen

    Russland hat elf Zeitzonen. Die Züge in dem großen Land verkehren alle nach Moskauer Zeit. Die Bahnhofsuhr zum Bahnsteig zeigt die Zeit der Hauptstadt an und die Bahnhofsuhr zum Vorplatz die jeweilige Ortszeit. Deshalb ist es vorteilhaft, in der Transsib zwei Uhren dabei zu haben. An der ganzen Zugstrecke war die Landschaft saftig-grün, immer wieder waren kleine Mittelgebirge zu sehen. Internet-Verbindung bestand auf dieser Route in den fernen Osten natürlich nicht immer.

    In den endlosen Wäldern Sibiriens werden für die asiatische Einwegstäbchen-Esskultur täglich 25 Fußballfelder Wald abgeholzt, die Riedels haben aber keine Demonstranten gesehen.

    Das Ehepaar stellte fest, dass die Transsib die Lebensader Sibiriens ist. Und erst jetzt können sich die Beiden vorstellen, was es bedeutet, nach Sibirien verbannt gewesen zu sein.

    Nach zwei Tagen Aufenthalt in Wladiwostok begann die Hauptreise zur Halbinsel Kamtschatka zu den Bären und Vulkanen im Nordosten Sibiriens. Die Globetrotter werden auch von dort berichten.

    Ein Opernbesuch im weltberühmten und vor Gold strotzenden Bolschojtheater ist ein besonderes Erlebnis. Foto: Lothar Riedel
    Die Riedels auf einer Brücke über der Moskwa, im Hintergrund der Kreml. Foto: Lothar Riedel
    In der Taiga kommt man nur zu Fuß oder mit dem Quad voran. Foto: Lothar Riedel
    Lothar besichtigt das Grabmal von Stalin an der roten Mauer. Foto: Lothar Riedel
    Frauen verkaufen frisches Obst aus der Taiga an den ostsibirischen Bahnhöfen. Foto: Lothar Riedel
    Endlich am Ziel in Wladiwostok nach 72 Stunden Eisenbahn-Fahrt. Foto: Lothar Riedel

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