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    Schweinfurt

    Disco-Fieber wärmt immer noch die Herzen

    So sehen Sieger aus. Tony Manero (Marius Bingel) mit einer seiner Tanzpartnerinnen, hier Anette, dargestellt von Nadine Kühn. Foto: Ralf R. Louis, Frank Serr Showservice

    Das einzige was an "Saturday Night Fever" zeitlos ist, sind die unverwüstlichen Songs, deren bekannteste man bevorzugt in den Versionen der legendären Bee Gees im Ohr hat. Ansonsten ist auch die Musical-Umsetzung des Kino-Kassenschlagers aus den 80er-Jahren, der sozusagen zur Blaupause für die Disco-Welle jener Zeit wurde, in jeder Hinsicht eine amüsante Zeitreise. 

    Die beginnt schon in der Eröffnungsequenz auf der Bühne des Schweinfurter Stadttheaters, in der sich die Akteure zu den sanft anschwellenden Tönen von "Stayin' alive" nicht etwa mit dem Smartphone, sondern mit der guten alten Tageszeitung in der Hand vor der Papp-Kulisse Brooklyns eingrooven.  Die Zeitung wird während der nächsten zwei Stunden nicht die einzige Reminiszenz an die Jahre in der die Welt eine glitzernde Disco-Kugel war, bleiben. Die Dialoge sind herb und deftig, die Jungs reißen flotte Sprüche und schmieren sich Gel in die Haare, die Mädchen sind willig und von Emanzipation so weit weg wie "How deep ist your love" vom Free-Jazz. 

    Ein junger Mann greift nach den Sternen

    So gerät "Saturday Night Fever – Das Musical", wie es am Montag auf der Bühne des  Stadttheaters serviert wurde, zu einem echten Urlaub von political correctness und Me-too-Debatten. Im Musical von Robert Stigwood und Bill Oakes sind auch in der neuen Version von Ryan McBryde und der Produktion von Frank Serr die "Kerle" noch stolz darauf, die Frauen schneller flach zu legen als der DJ die Platten auf den Teller. Und dennoch haben sie Ziele, die über den nächsten Samstag und den damit verbunden Auftritt in der Kult-Disco "Odysee" hinausgehen. Tony Manero, hervorragend dargestellt von Marius Bingel, will raus aus den ihn letztlich beengenden Straßen Brooklyns und dem Farbengeschäft, in dem er seine paar Dollars verdient. Den Arbeitskittel mit dem weißen Anzug zu vertauschen, statt im fahlen Schein des kleinen Geschäftes im Rampenlicht zu stehen und endlich den Tanzwettbewerb zu gewinnen, scheint ihm der richtige Weg aus der Trostlosigkeit zu sein.        

    So ist "Saturday Night Fever" bei aller Leichtigkeit des Seins, dem Spaß und der Lebensfreude mit den Freunden und den unverwüstlichen Songs, auch eine Story mit Tiefgang. Die Geschichte schrammt sogar knapp am Sozialdrama vorbei, als sich etwa Tonys Freund Bobby (Yannik Gräf) für den Freitod entscheidet, weil der – seine Freundin ist schwanger – keinen Ausweg mehr weiß aus der Falle "Freiheit oder Heirat". Auch Tonys Biographie ist schwierig. Der Vater ist erst gewalttätig, dann weg, die Mutter gefangen im Glauben und der Bruder sucht halbherzig Zuflucht im Priesterrock, den er aber schnell wieder ablegt. 

    Ein paar Illusionen verloren, aber die Liebe gewonnen 

    Italo-amerikanisches Küchenidyll der 80er-Jahre. Tony (Marius Bingel)  telefoniert mit seinem Vater, während seine Mutter (Samantha Chambers) versucht, jedes Wort zu erhaschen. Foto: Ralf R. Louis, Frank Serr Showservice

    Mit Stefanie (Carina Fitzi), findet Tony schließlich eine kongeniale Partnerin, die ihm nicht nur auf dem Tanzparkett mehr als nur das Wasser reichen kann. Die beiden gewinnen den Tanzwettbewerb und müssen die Erfahrung machen, dass der Weg dahin der spannendere war. Sie verlieren  ein paar Illusionen, aber gewinnen die Liebe. So gelingt nicht nur wegen der Melodien wie "Night Fever", "Tragedy" oder "More than a Woman" unterm Strich doch der Spagat zwischen zeitlos und angenehm aus der Zeit gefallen.  "More than a Disco Musical" möchte man hinzufügen, denn dank der frischen Dialoge wird klar herausgearbeitet, dass es hier um einen jungen Mann seiner Zeit geht, der auf der Suche nach gesellschaftlicher Akzeptanz und schließlich nach sich selbst ist.    

    Tänzerisch, gesanglich und auch schauspielerisch wurde diese Geschichte (Regie und Choreografie Hakan T. Aslan) von den 16 Akteuren mit reichlich Musical-Erfahrung auf der Bühne hervorragend umgesetzt. Akrobatische Tanzszenen, Melodien, die jeder kennt, und eine Story mit Hindernissen – aber dennoch Happy-End. Bei diesen Zutaten kann eigentlich nichts schiefgehen. Mit reichlich Applaus wurde dieses schmackhafte, aber nicht zu süß geratene Musical-Menü von den Zuschauern goutiert.    

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