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    Dittelbrunn

    Dittelbrunn: Zwischenstopp beim Supermarkt

    "Zukunft im Blick": Auf der Infoveranstaltung in der Dittelbrunner Schulturnhalle wurde heftig debattiert. Foto: Uwe Eichler

    "Aus gutem Grund" nennt sich die Facebookseite von Befürwortern des Gesamtkonzepts am "Grund", der Freifläche nördlich von Dittelbrunn. Zum "Wohn- und Wohlfühlprojekt" zählen die Verfechter auch einen großen Supermarkt. Ein Flyer kursiert ebenfalls. Etwa 180 Besucher kamen nun zur Infoveranstaltung in die Dittelbrunner Schulturnhalle, die von den Nichtpolitikern Tobias Werberich, Karl-Heinz Wirth und Julia Dotzel geleitet wurde: eine argumentative "Gegenoffensive" nach Monaten heftiger Kritik am Vollsortimenter.

    Warmuth: Kompromiss gefunden

    "Wir haben wieder einmal eine turbulente Zeit hinter uns", stellte Bürgermeister Willi Warmuth zu Beginn fest. Ein erneuter Bürgerentscheid sei vermieden, ein Kompromiss gefunden worden. Es gab Applaus. Ein Flächennutzungsplan für den gesamten "Grund" wird nun entwickelt, mit den städtebaulichen Planungs- und Entwicklungszielen auf dem Areal: rechtswirksam für die Behörden. Für einen Dittelbrunner Markt gibt es zunächst keinen Bebauungsplan und damit kein konkretes Baurecht. Fünf Jahre lang hat Tegut Zeit, die Filiale in Hambach zu modernisieren, zwecks Sicherung.

    Die Moderatoren erinnerten an einen weiteren Bürgerentscheid 2017, der ein Seniorenzentrum am Alten Sportplatz/Sonnenteller verhindert hat, in der Ortsmitte. Der Bürgerwille sei damals berücksichtigt worden, betonte Tobias Werberich: "als Wunschstandort wurde am "Grund" gewählt." Vorgesehen  ist nun Wohnbebauung am nordwestlichen Ortsrand, gefolgt von 26 altersgerechten Wohnungen sowie einem Seniorenpflegeheim der Diakonie,  mit etwa 60 Plätzen. In der Vision der Befürworter steht zwischen Heeresstraße, neuem Kreisel und der SW 8 dann noch ein zweistöckiges Gebäude, mit Supermarkt sowie Platz für Arzt, Zahnarzt, Apotheke, Post und eventuell Physiotherapie. Bei den örtlichen Medizinern und einem Kinderarzt soll es Interesse geben.

    Karl-Heinz Wirth verlas einen emotionalen Appell von Gabi Lutz, die krankheitsbedingt fehlte: Ein derart seniorengerechtes Wohnkonzept würde das "soziale Miteinander" fördern, brächte kurze Wege zu Mehrgenerationenpark und Versorgungsangeboten, somit Lebensqualität:  ein "einzigartiges Konzept im Landkreis". Einen Metzger hätte man im Supermarkt auch, ergänzte Wirth. Reinhold Geißler fand das Konzept gut, auch für junge Familien.

    Gewarnt wurde im Saal, dass bei längerem Abwarten die Ärzte weg wären. "Wollen wir ein Durchfahrtsort sein oder ein Ort, wo man anhält?" fragte Wolfgang Gunreben, der etwas für die vielen "Grauhaarigen" der Gemeinde getan haben möchte. "Wenn ich meine Gemeinden entwickeln, nach vorne bringen will, kann ich nicht immer sagen: nicht vor meiner Tür", beschied Werberich einem Skeptiker. Dafür erhielt er Applaus.

    Lärmschutz und Stellplätze: Komplex noch nicht geklärt

    Wenn auch nicht von jedem. Wolfgang Stoll hält das Konzept für sinnvoll: ohne Vollsortimenter.  Ihm erschließt sich keinesfalls, wofür es neben Arzt oder Apotheke rund 1300 Quadratmeter "zugepflasterter" Fläche brauche: "Diesen Supermarkt wollen 1200 Bürger nicht." Die Zahl der Senioren-Anwohner schätzt er auf 180.  "In der Gemeinde gibt es nicht nur 180 Befürworter", konterte Tobias Werberich, man müsse an alle Gemeindeteile denken. Es gehe zudem um keinen "Vollsortimenter", in dem Fahrräder oder ähnliches angeboten würden.

    Noch offen sind Fragen von Lärmschutz und Stellplätzen. Eine Umsetzung des Konzepts sei bei Bedarf zeitversetzt möglich, erklärte der Bürgermeister auf Nachfrage von Holger Schmitt. Mit Nadine Bechmann war sich Familienvater Tobias Werberich einig, dass die Versorgung mit Kinderärzten schwierig sei. Bechmann verwies zudem auf Zöliakie-Patienten, die auf spezielle Lebensmittel-Versorgung angewiesen seien.

    "Ich würde es dreistöckig machen", meinte Bruno Wiesler zum Gebäude am Kreisel: mit Parkdeck, Cafeteria und Blick auf gleicher Höhe nach Hambach. Es gab immer wieder Gegenstimmen: Marcel Sztukowski erinnerte an Menschen in Hambach, die nicht motorisiert oder gehbehindert seien, für die bräuchte es den dortigen Tegut.  Auch Lydia Bünner übte Kritik: "Wir schaffen es andere Gemeinden, Ärztehäuser ohne Supermarkt zu bauen?"

    Heeresstraße ein Thema 

    Eva Landgraf fragte nach der (jüngst auf Gemeindegebiet) übernommenen Heeresstraße. Die soll demnächst via Binsigweg erreichbar sein. Ein Anwohner befürchtet bereits Chaos. Der Gemeinderat werde sich mit diesem Thema beschäftigen, kündigte Willi Warmuth an.  Sven Zillmer übernahm den Schluss-Beitrag. Man diskutiere zu viel und mache nichts, das Thema Ärzte sei wichtig. Es sei gut, dass die kompletten Pläne gezeigt worden sind. Laut den durchaus "parteiischen" Veranstaltern zeigen diese den "Best Case", einen angestrebten Idealfall, am Grund.

    Gesamtkonzept am Grund: Zum Supermarkt könnte es Zusatzangebote geben. Foto: Uwe Eichler

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