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    Dittelbrunn

    Dittelbrunn will gegen den Klimwandel kämpfen

    Grüne Dächer sollen Dittelbrunn vorm Klimawandel schützen: Bürgermeister Willi Warmuth (links) und Gemeinderat Wolfgang Fuhl auf dem BHKW-Hackschnitzeldepot neben der Schule. Foto: Uwe Eichler

    Auf einer Fortbildung in Haßfurt kam Bürgermeister Willi Warmuth die Idee zum Projekt "pro Klima und Umweltschutz – der grüne Plan für Dittelbrunn". 

    Es geht darum, etwas "vor Ort" gegen den Klimawandel und seine Folgen zu unternehmen, als Vorreiter-Gemeinde, die schon in den 1990ern eine Solaranlage auf dem Schuldach hatte. Nicht zuletzt soll das Bewusstsein der Bürger geschärft werden. Rund 20 Interessierte kamen nun zur Vorstellung in die Aula der Grundschule "Am Sonnenteller". Es wurde durchaus lebhaft debattiert. Das E-Bike des Bürgermeisters stand demonstrativ mit im Raum.

    Über die Gründe des Klimawandels wollte Warmuth nicht debattieren. Temperaturanstieg, Wetterextreme oder verschobene Vegetationsperioden seien Fakt: "Wir  hatten den heißesten Juni, den wir jemals hatten." Der "Grüne Plan" soll verschiedene Handlungsfelder miteinander vernetzen, per "Mind-Map": ein Leitfaden, der zeigt, wo Dittelbrunn bei Klima- und Umweltschutz steht und die Reise noch hingehen könnte, unter Beteiligung von Vereinen, Schulen, Landwirten, Häuslebauern, Nachbargemeinden und möglichst vieler weiterer Akteure.

    Mostfest und Insektenhotels

    Da sind die (Streuobst-)Wiesen, mit schon fast tausend Bäumen. Die Gemeinde hat ein Mostfest ins Leben gerufen und reichlich Eigenverbrauch bei Most und Apfelsaft. Durch einen Pomologen wurden alte Obstsorten festgestellt. In Bäumen und Insektenhotels wimmelt es von tierischen Nutznießern: "Co-Evolution" lautet das Zauberwort, die Nebeneinander-Entwicklung von Tieren und Pflanzen. Dann sind da die Gewässer. Hochwasserschutz ist ein Thema, etwa am renaturierten Marienbach nördlich von Dittelbrunn, wo gemäß Ausgleichs-Flächenkonto noch ein Rückhaltebecken möglich ist.

    "Nachhaltigkeit" ist ein Stichwort, das aus der Forstwirtschaft stammt – und schon vor 300 Jahren von Hans Carl von Carlowitz geprägt wurde. Holz bindet viel Treibhausgas CO2. Entsprechend will die Gemeinde ihren jährlichen Zuwachs-Überschuss aus den Wäldern nutzen, die gemäß internationalem Umweltzertifikat PEFC bewirtschaftet werden. Der neue Dittelbrunner Kindergarten soll in Öko-Holzbauweise errichtet werden. 10 000 Bäume in zehn Jahren anzupflanzen ist ein weiteres Ziel. Christ- und Maibäume stammen aus eigenen Kulturen, Hochzeits- und Jubiläumsbäume sollen zu Privatpflanzungen animieren. Dazu kommen Eichen- und Buchenmasten als Massen-Aussaaten. Das "Grüne Band" zwischen den Ortschaften (und außen herum) soll ebenso wie der Waldsaum-Bereich erweitert werden, für den sanften Übergang hin zu Feldern und Fluren.

    Im Bereich "Siedlung" ist an E-Ladesäulen und weitere Photovoltaik gedacht. Das günstige Dittelbrunn-Ticket und Bürgerbus laden zur ÖPNV-Nutzung ein. Die Heeresstraße könnte als Direktverbindung zur Stadt helfen, Abgase einzusparen. Patenschaften für (verkehrsberuhigende) Pflanzkästen und Straßenbegleitgrün sind weitere Aktionen. Dazu kommt die Umstellung auf LED-Straßenbeleuchtung. Nahwärmenetze in den Siedlungen und Dachbegrünung sind ebenfalls Anliegen.

    Flachdächer begrünen

    Würden alle Flachdachgaragen der Gemeinde begrünt, hätte man bei Starkregen ein Rückhaltevolumen von 3000 Kubikmetern, warb Warmuth: quasi ein weiteres Rückhaltebecken. Der Bürgermeister ist selbst Besitzer zweier grüner Dächer, die langlebiger seien, zugleich kühlend und lärmdämmend: "Es ist der Bereich, wo jeder Bürger am meisten machen kann." Dafür gibt es ein lokales Förderprogramm. "Energie" ist dank Bürgerenergie-Genossenschaft (BEG) ein weites Feld. Die Methode "Power to Gas", die Speicherung von Solarenergie in Gasform, erscheint Warmuth als sinnvoller Weg. Schon im (Vor-)Schulalter soll die Akzeptanz für Umweltprojekte erhöht werden, durch Erziehung und Bildung.

    Die detailreiche Debatte entwickelte sich dann um grüne Dächer (die professionell abgedichtet sein müssen), LED-Straßenlampen, die Zukunft der Mobilität, Radwege oder Pflanzenkrankheiten. Gefragt wurde nach der geplanten Freiflächen-Photovoltaikanlage am Wachtler Berg bei Holzhausen. Die BEG Marienbachtal könnte einen Teil übernehmen, sagte Warmuth. Am 18. und 25. September soll es in Holzhausen bzw. Dittelbrunn im Vortrag "Dein Dach kann mehr" um Dachbegrünung und -Solaranlagen gehen, am 4. Oktober in Pfändhausen.

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