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    SCHWEINFURT

    Donnert sie auf die Bühne!

    Der Applaus donnerte gewaltig beim Poetry Slam in der Disharmonie und begrüßte die Künstlerinnen zur Eröffnung der 13. Slamsaison. Neu in diesem Jahr war zum einen, dass sich bei diesem „line up“ ausschließlich Frauen präsentierten, zum anderen wird zukünftig immer am letzten Sonntag der Sommerferien die Saison des Poetry Slam in der Disharmonie eröffnet werden.

    Wer es laut und bombastisch mag, ist genau richtig bei dieser Form des Literaturvortrags. Die zahlreichen Gäste demonstrierten gerne ihre Fähigkeit, den Boden zum Vibrieren zu bringen. Aber auch wer es leise, hintergründig und vielschichtig mag, ist genau richtig beim Poetry Slam, denn die Texte überraschen immer wieder. Diese Qualität schon im zarten jugendlichen Alter! Die jüngste Teilnehmerin ist gerade 16 Jahre alt geworden.

    Erlaubt ist nur das Mikrofon

    Moderator Manfred Manger erklärte wie immer die Regeln: Selbst geschriebene Texte, höchstens sechs Minuten lang, werden ohne Hilfsmittel vorgetragen. „Erlaubt ist nur das Mikrofon.“ Und Papier natürlich, von dem auch abgelesen werden darf. Das Publikum entscheidet über die Gewinnerin des Abends. „Kunst kann man nicht bewerten, wir tun es trotzdem“, so Manger und verweist auf den Grundsatz von Fairness und Anerkennung, der sich seit vielen Jahren bewährt habe.

    Zum Aufwärmen kam dann doch ein junger Mann ins Spiel, Luca Häusler vom U20-Slam, der über Heiratsanträge auf dem Fußballfeld erzählte: „Du bist meine Nummer (1).“ Den Wettbewerb startete Andrea Mihaly-Schuld aus Schweinfurt mit einem Text zur Gewalttätigkeit gegen Kinder. Sie zeigte subtil einen Ausweg auf: Kreativität ist die Möglichkeit, inneren Frieden zu finden. Dorothee Röder aus Nürnberg trug ihre Geschichte zum Thema weibliches Körperbewusstsein sehr authentisch vor und schilderte die sich daraus ergebenden Verhaltensmuster. Barbara Gerlach, ebenfalls aus Nürnberg, griff witzig auf einen Text zurück, den sie bei einem Erotik-Slam vorgetragen hatte und der die unzähligen Ratschläge aus klassischen Frauenzeitschriften so zum absurden Höhepunkt führte, dass das Gelächter groß war. „Das Tier, das ihnen erotisch am meisten entspricht, ist der Panda: gefräßig und sexuell uninteressiert.“

    „Wir leben in einem Herrenwitz“

    Isabell Nicklas aus Marburg erhielt als einzige Poetin Zwischenapplaus für ihren klaren und deutlichen Text zur Situation der Frauen. Kleingehalten, zugerichtet und einklassifiziert hätten sie immer noch gegen Stereotypen, Pauschalismus und Kritik anzukämpfen. „Wir leben in einem Herrenwitz, egal wie flach er ist.“ Kluge Sprache und feministische Haltung im besten Sinne. Aurelia Scheuring aus Schweinfurt, die jüngste Teilnehmerin, trug das Thema Fernweh auf die Bühne, die Sehnsucht nach „geheimen Ecken der Welt“, und was es bedeutet, auf gepackten Koffern die Tage zu zählen. Felicitas Friedrich aus Bochum erklärte sehr feinfühlig, wie es ist, wenn der Weg zur geliebten Bühne wie der Weg zum Galgen erscheint, wenn eine alte Tante namens Dolores alles als Versagen indiziert und wenn Texte über Blumen ungeschrieben bleiben.

    Trotz der schweren Luft im Raum donnerte der Applaus auch für die drei Finalistinnen gewaltig: Nicklas, Gerlach und Friedrich. Nicklas kämpfte mit einem eher politisch gehaltenen Text um den Sieg, Gerlach nahm wiederum mit sehr viel Humor die irrsinnigsten Gesetze der Welt auf die Schippe: „Es ist verboten, Schmetterlinge zu töten oder ihnen zu drohen.“ Oder wussten Sie, dass in Australien Sex mit Kängurus verboten ist, „außer, Sie sind betrunken?“ Sie leitete klug über zu dem Gesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ und darauf, dass es bei all den Worten auf die Umsetzung durch die Menschen ankommt. Friedrich schürte tiefgründig in der traurigen Seite des Künstlerlebens, wies auf den Zusammenhang von Psyche und Kommerz hin und darauf, was es bedeutet, wenn Melancholie zur Triebfeder für Kunst wird. Sie siegte denn auch, knapp gefolgt von Gerlach. Und alle donnerten Applaus auf die Bühne und Vorfreude auf den nächsten Slam am 6. Oktober in der Disharmonie.

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