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    Zeilitzheim

    Dorfgeschichte in die Gegenwart transportiert

    Um den geschichtlichen Hintergrund in den Straßen von Zeilitzheim anhand von Stichworten, Daten und Fakten zu erklären, hingen die Mitglieder des Historischen Arbeitskreis Zeilitzheim im gesamten Dorf Zusätze zu den Straßenschildern auf. Hier im Bild montierten von links Alexander von Halem, Kurt Scheuering und Hilmar Spiegel Zusatzschild am Marktplatz. Vom Arbeitskreis fehlt Reinhold Holzheid. Foto: Dominik Dorsch

    Historische Daten und Fakten zu den Straßennamen können nun Einheimische, Zugereiste, Touristen und Besucher aller Art in Zeilitzheim direkt unterhalb der Straßenschilder ablesen. Der Historische Arbeitskreis unter der Federführung von Kreisarchivpfleger Hilmar Spiegel hatte in über zweijähriger Arbeit die Informationen zusammengetragen, Inschriften formuliert und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde auf Schilder drucken lassen. Nun brachten die Mitglieder des Kreises das Projekt mit der Montage der Schilder zum erfolgreichen Abschluss. Damit werden nun die wichtigsten Eckpfeiler der äußerst facettenreichen Dorfgeschichte in die Gegenwart transportiert.

    Zur Vorbereitung hatte der Arbeitskreis unterschiedliche Quellen herangezogen, wie Spiegel erzählte. Einerseits war das Hauptstaatsarchiv in München ein zentraler Ort der Recherche, ebenso konnten aus Aufzeichnungen des Zeilitzheimer Gemeindearchivs nützliche Angaben gewonnen werden.

    Ebenso zog Spiegel das von ihm übersetzte Tagebuch des evangelischen Lehrers Johann Christoph Sandner heran. Dieser kam aus dem Markneukirchen im Vogtland nach Zeilitzheim und war hier von 1671 bis 1720 tätig. Seine Aufzeichnungen seien ein wahrer Schatz für die Zeilitzheimer Dorfgeschichte, schwärmte Hilmar Spiegel. Sandner starb auch in Zeilitzheim, ist auf dem Friedhof begraben, wobei das Grab selbst aber verschollen ist.

    Weitere Informationen zu den Straßen erlangten die Mitglieder des Arbeitskreises aus der Zeilitzheimer Dorfchronik von Johann Brückner, ein katholischer Lehrer im Ort, der die Chronik 1931 erstellt und eine weitere zwei Jahre später überarbeitet hatte.

    Des Weiteren spielten auch die von Spiegel aufgeschriebenen Erinnerungen des 1914 in Zeilitzheim in der "Unteren Judengasse" geborenen jüdischen Mitbürgers Herbert Selig eine wichtige Rolle. Selig verstarb erst vor zwei Jahren 103-jährig in Jerusalem. Von frühester Jugend an beschäftigte ihn die Geschichte von seinem "Zalzem", so Spiegel, der während der Besuche bei Selig einiges aus dessen früherem Leben im Dorf erzählt bekommen hatte.

    Der historische Arbeitskreis Zeilitzheim machte sich daraufhin einige Gedanken, welche Fakten aus der Vergangenheit für die einzelnen Straßenzüge zentral sind. Beispielsweise ist auf dem Schild der Unteren Dorfstraße zu lesen: Ehemaliger Standort des Schweinfurter Torhauses, erbaut vor 1500, Abriss 1798, Wohnhaus des ersten Zentschöffen. In der Rathausgasse wird erläutert, dass das Vorläuferrathaus des 15. Jahrhunderts in Ständerbauweise mit Wohnung, Schmiede und Stallung errichtet wurde. Der Abriss datiert aus dem Jahr 1694, der Neubau wurde 1698 realisiert. Bis 1962 war darin die Dorfschule mit Lehrerwohnung, renoviert wurde es 1991/93. Die Straße An den Kirchgaden hat ebenfalls eine interessante Historie. Von 1933-1945 hieß sie noch Schulgasse, bis 1978 Judengasse. Im Urkataster von Zeilitzheim aus dem Jahr 1833 ist sie noch als Untere Judengasse eingezeichnet. Kirchenburg mit Gaden und Kellern vor 1400 sowie alte Dorfschule von 1890, ist auf dem dazugehörigen Schild zu lesen.

    Ziel sei es gewesen, wie Historiker Hilmar Spiegel betonte, die Dorfgeschichte in den Straßen zu erfassen und somit Orientierung zu schaffen. Stolz sei er auch, dass sein Dorf inzwischen, was die Präsentation historischer Inhalte angeht, eine gewisse Vorreiterrolle eingenommen hat. Bereits vor Jahren schon wurde die Beschilderung historischer Gebäude realisiert. Diese und auch die erklärenden Straßenschilder, die an verschiedenen Stellen im Ort aufgehängt sind, wurden in einigen anderen, teils einwohner- und flächenmäßig wesentlich größeren Ortschaften "übernommen", sagte Spiegel.

    Der Marktplatz stellt in Zeilitzheim das Herzstück des Ortskerns dar. Durch die Konzeption und Ausarbeitung des historischen Arbeitskreises sind nun die wichtigsten geschichtlichen Informationen unterhalb des Straßennamens ablesbar. Foto: Dominik Dorsch

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