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    Wipfeld

    Dorfwettbewerb: Wipfeld macht als einziger Ort im Landkreis mit

    Der schmucke fränkische Ortskern zeichnet Wipfeld aus. Viele Infrastrukturmaßnahmen erfolgten 1987, als die Gemeinde im Modellprojekt Städtebauförderung war. Beispielsweise wurden die asphaltierten Straßen damals durch Muschelkalkpflaster ersetzt. Foto: Werner Oechsner

    Noch ist die Abschlussveranstaltung des 26. Bundeswettbewerbs  "Unser Dorf hat Zukunft – Unser Dorf soll schöner werden" nicht über die Bühne, da beginnen schon wieder die Vorbereitung für den 27. Wettbewerb. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ehrt mit dem Wettbewerb alle drei Jahre bürgerschaftliches Engagement und rückt positive Entwicklungen in ländlichen Regionen in den Fokus.

    Musikalisch begleitet von der Wipfelder Blaskapelle setzte die Jury des Dorfwettbewerbs mit der Fähre über den Main. Zweiter von links Landrat Florian Töpper, rechts Bürgermeister Tobias Blesch. Foto: Werner Oechsner

    Erst wird auf Kreisebene, dann auf Bezirks- und Landesebene ausgewertet, die Besten kommen am Ende in den Bundesentscheid. Heuer waren dies 30 Dörfer aus 13 Bundesländern. Hellmitzheim aus dem Landkreis Kitzingen gewann eine Silbermedaille. Der Wettbewerb will den ländlichen Raum stärken. Für den nächsten Wettbewerbszyklus von 2020 bis 2023 hat sich Wipfeld als einziges Dorf im Landkreis Schweinfurt beworben. Kreisgartenfachberaterin Brigitte Goss berichtet von rückläufigen Zahlen bei der Beteiligung. Bayernweit würden sich nur 35 Landkreise beteiligen. Im Bezirk Unterfranken seien es neun Gemeinde die ihren Hut in den Ring werfen. Das waren schon einmal mehr, weiß sie. 2017 seien zwei und 2013 vier Gemeinde allein aus dem Landkreis dabei gewesen, heuer nur eine. Aber Goss hat auch großes Verständnis: "Der Aufwand ist hoch und die Bürgermeister stehen ohnehin ständig vor neuen Herausforderungen und Veränderungen." Deshalb hat sie Wipfeld auch davon abgeraten, eine Hochglanzbroschüre für den Wettbewerb zu erstellen, denn "das bindet zu viel Kraft und Geld".

    Es sei wichtig, dass die ganze Dorfgemeinschaft hinter so einem Wettbewerb stehe, meint Jury-Mitglied Friedel Heckenlauer, der Bürgermeister in Stadtlauringen ist. Alles müsse zusammenpassen, oft brauche es Infrastrukturmaßnahmen, damit das Dorf zum Wettbewerb hergerichtet sei. Er lobte seinen Amtskollegen Tobias Blesch, der den Schwung der 1 100-Jahrfeier genutzt habe. Das Jubiläum hatte tatsächlich den Anlass gegeben, sich am Wettbewerb zu beteiligen, bestätigte Blesch. Seine Führung durchs Dorf begann beim "sozialen Wipfeld". Schwester Agnella Kestler stellte die Arbeit der Oberzeller Franziskanerinnen im Antonia-Werr-Zentrum vor. Wo im 19. Jahrhundert Kurbetrieb herrschte und im 20. Jahrhundert die Benediktiner ein Kloster gründeten, wird seit 1963 traumatisierten Mädchen und jungen Frauen geholfen. Jurorin Barbara Göpfert fragte nach der Beziehung der Einrichtung zum Dorf und erfuhr von guter Vernetzung, obwohl der Main Zentrum und Dorf trennt.

    Zahlreiche Wipfelder Bürger empfingen die Bewertungskommission

    Zu den Klängen des Musikvereins Wipfeld ging es dann mit der Fähre über den Fluss. Die Fähre liegt Kreisheimatpfleger Guido Spahn besonders am Herzen. Eine Brücke an dieser Stelle wäre eine Kulturschande, warnte er. Die Überfahrt begleiteten fünf kleine Sportboote. "Das sind Nürnberger, die im Sportboothafen liegen, die wollen sich auch beteiligen", erklärte Blesch. An der Mainlände warteten zahlreiche Wipfelder Bürger auf die Bewertungskommission, von denen jeder Juror einen eigenen Schwerpunkt hatte. So richteten Friedel Heckenlauer und Hans Fischer ihr Augenmerk auf die wirtschaftliche Entwicklung Wipfelds. Christoph Simon, Vorsitzender des Kreisjugendrings, nahm das Soziale in Augenschein. Barbara Göpfert und Guido Spahn bewerteten Kultur und Geschichte. Die bauliche Gestaltung fiel ins Ressort von Helmfried Ziegler und Frank Bauer. Andre Gillich beurteilte das Grün des Dorfes. Artenschutz, Landschaft und Geologie betrachtete Jürgen Kiefer.

    Max Sauer von der Bürgerbühne (links) machte die Mitglieder der Bewertungskommission kurzerhand zu Mitspielern: (von links) Brigitte Goss, Barbara Göpfert, Hans Fischer und Christoph Simon. Foto: Werner Oechsner

    Von der Mainlände über den Follina-Platz gingen die Besucher bis zur Kirche durchs Dorf. Sie erlebten viel bürgerschaftliches Engagement – von der Partnerschaft mit dem italienischen Follina, um die sich ein Verein kümmert, über das Literaturhaus, das ehrenamtlich betreut wird, bis hin zur neu entstandenen Bürgerbühne, die bei ihrer Vorstellung die Juroren gleich als Rezitatoren einband. Landrat Florian Töpper bescheinigte den Wipfeldern einen "Geist des Zusammenhalts" und meinte, man spüre deutlich "wie viel Energie in dieser Gemeinde lebt". Und Bürgermeister Blesch hob hervor, dass sich immer wieder auch Auswärtige in Wipfeld ansiedeln und in die Dorfgemeinschaft integrieren.

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