• aktualisiert:

    EBRACH

    Drohen dem Forstbetrieb Sanktionen?

    Diese Aufnahme vom 26. Juni zeigt immer noch deutlich die Fahrspuren in dem von schweren Holzerntemaschinen befahrenen B... Foto: Uwe Gratzky

    Ziehen die Verstöße des Forstbetriebs Ebrach der Bayerischen Staatsforsten gegen die Verordnung für das Naturschutzgebiet „Weilersbachtal“ bei der Aufarbeitung eines Fichtenwindwurfs in der Abteilung Rotsteig mit schwerem Gerät eine Ahndung als Ordnungswidrigkeit nach sich? Oder könnte der Vorfall gar eine strafrechtliche Relevanz haben? Das will die in diesem Fall zuständige Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Scheinfurt nach einer Ortsbegehung im September 2018 entscheiden. Solange ist die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens zurückgestellt worden, heißt es aus dem Landratsamt.

    Bekanntlich hatten die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt in Schweinfurt und die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Unterfranken, wie unter der Überschrift „Forstbetrieb wird für Eingriff in Naturschutzgebiet gemaßregelt“ Anfang Juli berichtet, den Forstbetrieb deutlich in die Schranken gewiesen.

    Ortsbegehung im September

    Nach Auskunft von Uta Baumann, der Pressesprecherin des Landratsamtes Schweinfurt, findet die Ortsbegehung deshalb erst im September statt, da sich zu diesem Zeitpunkt fundierter feststellen lässt, in welcher Weise der von den schweren Holzerntemaschinen bei der Bergung der Fichten durchfahrene Bachlauf am besten wieder optimiert werden kann.

    Zuvor seien laut Landratsamt aufgrund des Vorkommens von Larven des Feuersalamanders und von Gelbbauchunken im betroffenen Bereich aus Gründen des Artenschutzes Veränderungen am Quellbach nicht möglich.

    Forstbetrieb verweist auf laufendes Verfahren

    Aufgrund verschiedener Hinweise zu dem Vorfall, der sich Anfang Mai im Weilersbachtal ereignet hat, hatte diese Redaktion dem Forstbetrieb Ebrach der Bayerischen Staatsforsten mehrere Fragen gestellt. Zu der ins Feld geführten Gefahr durch den Borkenkäfer hätte die Redaktion interessiert, wie weit entfernt sich der nächste Privatwald vom Fichtenwindwurf befindet und warum ein Entrinden an Ort und Stelle nicht ausgereicht hat. Außerdem wollte die Redaktion wissen, ob es tatsächlich zutrifft, dass sich die nächste Rückegasse nur wenige Meter auf der linken Seite oberhalb vom Bachbett beziehungsweise Zulauf befindet und wenn ja, warum diese nicht vom eingesetzten Holzvollernter (Harvester) als auch Rückezug (Forwarder) benutzt wurde

    Der Forstbetrieb Ebrach verweist in seiner Antwort darauf, dass es sich um ein laufendes Verfahren handele. Solange die Prüfung durch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt als Aufsichtsbehörde noch nicht abgeschlossen sei, werde um Verständnis gebeten, dass zu weiteren Details keine Stellungnahme abgegeben werde.

    Überprüfung des Rückegassensystems

    Allerdings hat der Forstbetrieb nach seinen Angaben vorsorglich folgende Konsequenzen gezogen: Das Rückgassensystem, welches weitgehend aus der Forstamtszeit vor der bayerischen Forstreform im Jahr 2005 stammt, also noch aus Zeiten des Staatlichen Forstamtes Gerolzhofen, wird in den Bereichen von Tälchen wie diesem kleinen Seitental überprüft. Zwar sei ein erheblicher Teil der Tälchen bereits als Trittsteinflächen oder Naturwaldreservate aus der Nutzung genommen. Trotzdem werde ein gelegentliches Queren im Zuge der Holzernte nach Aussage des Forstbetriebes nicht zu verhindern sein.

    Wie künftig damit verfahren werde, solle nach der Sommerpause in einem eigenen Konzept entwickelt werden. Vorsorglich habe die Forstbetriebsleitung angeordnet, die alten Rückegassen bis zur Klärung der Rechtssituation grundsätzlich zu meiden, wenn damit Talquerungen wie bei den Forstarbeiten im Naturschutzgebiet „Weilersbachtal“ Anfang Mai verbunden sind.

    Nach Auskunft des Forstbetriebs Ebrach hatten die ergiebigen Regenfälle des ausgehenden Winters zu einer hohen Wassersättigung der Waldböden geführt. Deshalb sei aus Gründen des Bodenschutzes auf vielen Flächen die Holzrückung unterbrochen oder erst gar nicht zugelassen worden. So hätte auch die Aufarbeitung der Fichtenwindwürfe mit Harvester und anschließendem Abtransport der Stämme mit dem Forwarder in der Abteilung Rotsteig im Weilersbachtal erst Ende April/Anfang Mai durch einen Forstunternehmer aus dem Steigerwald erfolgen können. Die Tragerückeschlepper seien dabei mit bodenschonender Spezialausrüstung wie aufgezogenen Breitreifen oder Moorbändern ausgestattet.

    Nicht planbare Situationen

    Bei Fichtenwindwürfen und Borkenkäfergefahr handele es sich jedoch um außergewöhnliche, nicht planbare Situationen. Hier müsse laut Forstbetrieb zwischen Rückegassenschutz und Forstschutzgründen abgewogen werden.

    Die Einsatzleitung stehe im täglichen Kontakt mit dem Rückeunternehmer und breche die Maßnahme ab, wenn ein Befahren nicht mehr möglich ist. Alle Forstunternehmer seien zudem zertifiziert und müssen auch von sich aus Einsätze abbrechen, wenn eine Befahrung kritisch werde.

    Generell werde heutzutage auf Rückegassen gefahren, um zur Schonung der Waldböden deren flächiges Befahren zu vermeiden, betont der Forstbetrieb. Die Verdichtung werde so auf die Rückegassen beschränkt. Auch bei trockenen Verhältnissen komme es dabei aber auch auf der Rückegasse zu einer Bodenverdichtung.

    Sanktionsmöglichkeiten gegen Unternehmen

    Bei Verstößen beauftragter Unternehmen gegen die vertraglich fixierten Standards bestehen dem Forstbetrieb zufolge mehrere Sanktionsmöglichkeiten. Sie reichen von der Mängelrüge bis zur fristlosen Kündigung des Vertrages. Einschlägig seien hier das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) und das Werksvertragsrecht, auch und gerade in Fragen der Regresspflicht.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (12)

      Kommentar Verfassen

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!