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    Gernach

    Ehemaliger Kindergarten in Gernach heißt nun Haus Franziskus

    Mit einem Wortgottesdienst, den Pfarrer Thomas Amrehn leitete, begann die Feier der Namensgebung "Haus Franziskus".  Foto: Jürgen Friedrich

    Recht zahlreich waren Gernacher, aber auch Gäste aus den Nachbarortschaften der gemeinsamen Einladung von Kirchenverwaltung, Gemeinde Kolitzheim, KOMM-IN  sowie des Johannisverein Gernach als Träger der Nachbarschaftshilfe nach Gernach gefolgt. Anlass dieser Einladung: die feierliche Namensgebung Haus Franziskus für das Gebäude, in dem der Kindergarten St. Franziskus bis zum Jahr 2009 untergebracht war.

    Die Feier der Namensgebung begann mit einem Wortgottesdienst, den Pfarrer Thomas Amrehn leitete. Die Kinder und Jugendlichen von KOMM-IN ließen in einem Rollenspiel das Leben des Namenspatrons des Hauses lebendig werden: Der Wandel des Heiligen von einem Lebemann zu einem Radikalen in der Nachfolge Christi, der sich mit seinem Vater, einem reichen Tuchhändler in Italien, überwarf, um in Armut zu leben und für die Armen und Kranken da zu sein. Elke Dressel hatte das Rollenspiel mit den Kindern vorbereitet.

    Glück- und Segenswünsche vom Papst

    Der Seelsorger hob in seiner Ansprache hervor, dass Franziskus die Erfahrung eines großen inneren Wandels gemacht hat. Diese Erfahrung hat ihn dafür vorbereitet, für die Menschen in allen Lebenssituationen offen zu sein. "Er wollte das Gute an alle weitergeben, denen er begegnete".  Diese Offenheit für den Wandel und die Offenheit für die Weite wünschte der Priester den Gästen des Hauses Franziskus. Er verlas auch das Grußwort des Bischofs Franz Jung – wegen seines Vornamens hatten sich die Verantwortlichen an ihn gewandt und um ein Grußwort gebeten, mit dem gleichen Grund hatte man sich auch an den Vatikan gewandt, um von Papst Franziskus auch ein Grußwort zu erhalten. Der Papst schickte Glück- und Segenswünsche.

    Im Rollenspiel lassen die Kinder und Jugendlichen das Leben des Heiligen Franziskus lebendig werden.  Foto: Jürgen Friedrich

    Der Bischof  wünschte in seinem Grußwort allen die "tiefe innere Freude und Dankbarkeit über unsere Erlösung." Mit der ganzen Gemeinde freue ich mich über den wichtigen Ort für das Miteinander, das sich weiterhin als ein von unserem Glauben geprägter Lebens- und Erfahrungsbereich erweisen möge", so der Wunsch des Bischofs für das Haus Franziskus.

    Der Name ist Programm

    Elisabeth Dietz, Vorsitzende von KOMM-IN und Erhard Scholl, Vorsitzender des Johannisvereins und Ansprechpartner der Nachbarschaftshilfe, zeigten in ihrer gemeinsamen Ansprache auf, warum die Vorstände der beiden Vereine sich einstimmig für den den Namen Haus Franziskus entschieden haben. Pfarrer Thomas Amrehn hatte die Anregung gegeben, dem Haus einen Namen zu geben, der der aktuellen Nutzung Rechnung trage. Mit dem Namen werde nicht nur die Erinnerung an den ehemaligen Kindergarten lebendig gehalten, er sei auch Programm: "So kann uns der Name des Hauses stets daran erinnern, achtsam im Umgang mit der Schöpfung zu sein, aber auch achtsam im Umgang miteinander: Offenheit und Wohlwollen gegenüber seinen Mitmenschen zeichnete den Heiligen aus – darin kann er uns und allen, die das Haus Franziskus besuchen, Vorbild sein". Die Gruppenstunden von KOMM-IN, die Spielenachmittage der Nachbarschaftshilfe und gelegentlich auch andere Veranstaltungen bringen Leben in das Haus, so die beiden Vorsitzenden. Erhard Scholl informierte über ein weiteres neues Angebot der Nachbarschaftshilfe: "Silencio". Dieses Angebot zum Innehalten, Stille zu genießen werde bewusst im Haus Franziskus, außerhalb des Kirchenraumes, aber doch in Verbindung mit der Gemeinde St. Aegidius angeboten.

    In seinem Grußwort bezog sich Pfarrer Amrehn auf den Begriff "Mission". Die Mission des Hauses Franziskus, so sein Wunsch, "sei die vorurteilsfreie Begegnung zwischen den Generationen, Offenheit, Verstehen, unabhängig vom Lebens- und Glaubenshintergrund und die geistige Weite, die den Heiligen Franziskus auszeichnete."

    Persönliche Begegnung darf nicht zu kurz kommen

    Landrat Florian Töpper erinnerte an das Wort von Martin Buber "Alles Leben ist Begegnung". Es sei angebracht, daran zu erinnern, dass das Leben der Gemeinden von den Bürgern mitgeprägt werde. "Dass diese Begegnungen möglich werden können, braucht es Orte",  so der Landrat. Gerade in der Zeit von Facebook und Instagram dürfe die "analoge Begegnung", die Begegnung im persönlichen Gespräch, nicht zu kurz kommen. Mit dem Haus Franziskus sei ein Ort entstanden, der solche Begegnungen, auch zwischen Jung und Alt, möglich mache.

    Nach getaner Arbeit: die Schilder sind enthüllt und alle Ehrengäste haben mitgeholfen, die Bilder zu befestigen. Foto: Jürgen Friedrich

    Bürgermeister Horst Herbert erinnerte sich an seinen Besuch in Assisi vor etwa 15 Jahren. Er habe eine besondere Beziehung zu dem Heiligen, dessen Name das Haus trage. Auch die Gemeinde Kolitzheim sei in besonderer Weise mit dem Heimatort des Heiligen verbunden: Der Arzt Valentin Müller, geboren in Zeilitzheim, heute ein Ortsteil von Kolitzheim, war 1943 Stadtkommandant von Assisi geworden. Als die deutschen Truppen sich zurückzogen und die amerikanischen Truppen immer näher rückten, schlug er seinem Vorgesetzten vor, die Stadt zum Lazarettzentrum zu erklären. So rettete er die Stadt vor der Zerstörung. Das Wort des Heiligen "Vor Gott sind alle Geschöpfe gleich" sei auch heute noch Mahnung, die Schöpfung zu bewahren und respektvoll miteinander umzugehen. "Das Haus Franziskus möge immer ein Ort der guten Begegnungen, auch zwischen den Generationen sein", so Herberts Wunsch.

    Zahlreiche Wünsche und Geschenke

    Die Vorsitzende des  Gernacher Frauenbundes Gaby Berchtold sprach im Namen der KAB, des Sportangelvereins, des TSV, des Bauernverbandes, der Freiwilligen Feuerwehr und des Musikvereins. Sie erinnerte an die Fahrt nach Assisi im November 1999, die der Frauenbund organisiert habe. Mit dieser Fahrt habe für viele  eine besondere Beziehung zum Heiligen Franziskus begonnen. Ihr Wunsch im Namen der Gernacher Vereine: Dass im Haus Franziskus "Freude, Zuneigung und Nächstenliebe zu Hause sind." Für den Frauenbund überreichte sie ein Geldgeschenk. Der Leiter des Seniorenkreises, Hugo Hetterich gab seiner Freude Ausdruck, dass mit dem Spielenachmittag, der von der Nachbarschaftshilfe angeboten sei, eine neue Begegnungsmöglichkeit für Senioren entstanden sei. "Schaut doch da mal vorbei", lautete seine Einladung an die Senioren. Er überreichte ein Geldgeschenk mit dem Wunsch "dass hier immer reges Leben herrsche."

    Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats der drei Gemeinden Unterspiesheim, Oberspiesheim, Gernach knüpfte ihre guten Wünsche an die Buchstaben des Namens "Franziskus". So ergab sich eine Fülle guter Wünsche für das Haus Franziskus:  F = Freude, Freundschaft, R = Reden, Rückzug, Ruhe, Z= Zufriedenheit, Zuhause, Zugewinn, I= Information, Interesse, Integration.  Ihr Geschenk war ein Spiel für die Jugendlichen. Der Vorsitzende der Eigenheimervereinigung Gernach, Dieter Dietz, wünschte, dass das Haus ein Ort werde, "wo man gerne hingeht und ein friedfertiges, menschliches und christliches Miteinander pflegt – wie der Heilige Franziskus es vorgelebt hat." Auch er überreichte ein Geldgeschenk.

    Bunte Pfeile zeigen: Alle sind willkommen

    Im Anschluss enthüllte Landrat Florian Töpper die Tafel mit dem Namen des Hauses und die Tafel mit den aktuellen Nutzern des Hauses, Nachbarschaftshilfe und KOMM-IN. Die Ehrengäste und die Verantwortlichen der beteiligten Vereine schraubten die  zwölf Schrauben der drei Schilder  fest – eine symbolische Handlung, die deutlich machen sollte, dass nur das Zusammenwirken aller ein gedeihliches Miteinander ermöglicht. Elisabeth Dietz erklärte die Symbolik der Schilder: Die bunten Pfeile wollen zeigen, dass alle Besucher in ihrer je eigenen Art willkommen sind. Auf großes Interesse stieß auch die Ausstellung, die auf acht Schautafeln einen Einblick in die Geschichte des Hauses und in die Aktivitäten von KOMM-IN und der Nachbarschaftshilfe Gernach im Haus Franziskus gaben.

    Schon seit 1995 Gast auf dem Freigelände des Hauses: Franziskus. Foto: Jürgen Friedrich

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