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    GOCHSHEIM

    Ein Garten als Brücke zwischen alter und neuer Heimat

    Die Begrüßung im Schulgarten der Mittelschule Gochsheim findet am Zaun statt. Sie wird von den Sonnenblumen mit ihren weit geöffneten, der Sonne zugewandten Blütenblättern, übernommen. Fechriyye Muradova und Natig Muradov sind derweil beschäftigt. Während sich Natig über Schaufel und Hacke beugt, um die Wurzeln der im Beet wuchernden kanadischen Goldrute freizulegen, trägt Fechriyye die Überreste des Unkrauts auf den Kompost.

    Zwischen dem Blattgrün funkelt es gelb, rosa und violett. Die zarten Zweige des Pflaumenbaumes biegen sich unter der Last der schweren Früchte; Salbei und Quitte gedeihen gut. In diesem heißen und trockenen Sommer ist die Pflege der Pflanzen wichtig. Deshalb kommen die Muradovs jeden Tag zum Gießen in den Garten. Darüber hinaus ist das Grundstück auch eine Art Begegnungsstätte geworden, wo man Leute trifft und Gespräche stattfinden.

    Im Sommer letzten Jahres hatten Bürgermeisterin Helga Fleischer, Schulrektor Detlef Haas, Bauhofleiter Manfred Ludwig sowie die pädagogische Fachkraft und Diakonie-Mitarbeiterin Susanne Bartsch eine grundlegende Veränderung des Gartens besprochen. Neben der Schulgarten-Arbeitsgemeinschaft, die sich jede Woche zwei Stunden trifft, werde jemand benötigt, der unterstützend mitarbeitet. Bartsch ist stets bemüht, Menschen zu motivieren, in Vereine einzutreten oder eine ehrenamtliche Tätigkeit zu übernehmen.

    Durch ihre Mitarbeit im Projekt der Diakonie Schweinfurt „Netzwerk Elternbegleitung Schweinfurter Mainbogen“ hat sie zahlreiche Kontakte zu geflüchteten Familien aufgebaut. Das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Projekt richtet sich an Einheimische und Migranten gleichermaßen und unterstützt Familien bei der Suche nach Kita-Plätzen, Mutter-Kind-Gruppen und Elternkursen.

    Nach einem Schultag im April kam der jüngste Sohn der Muradovs mit einem Vorschlag seiner Lehrerin nach Hause: „Mama, kannst du den Schulgarten betreuen?“ Seitdem lebt Fechriyyes einstige Leidenschaft auf. „In meinem Heimatland Aserbaidschan lebte ich in einem Dorf. Dort hatte ich einen größeren Garten mit vielen Blumen. Tomaten und Kartoffeln haben wir auch angebaut“, erzählt sie und stellt die grüne Gießkanne zurück an ihren Platz.

    In Nachbars Garten hat sie damals auch Natig erspäht und sich in ihn verliebt. Gärten und Pflanzen scheinen eine wichtige Bedeutung im Leben der Muradovs zu spielen. „Ihr seid perfekte Garten-Paten“, sagt Susanne Bartsch. „Ich bin dankbar, dass ich euch gefunden habe. Bei den Temperaturen hätten wir es dieses Jahr nicht geschafft“, betont sie.

    Fechriyye und Natig haben ihre Zukunft im Blick. Sie planen bereits die Aussaat für den kommenden Frühling. Fechriyye sammelt die Samen der Pflanzen, die im kommenden Jahr wieder blühen sollen. Seit vier Jahren wohnt das Paar in Gochsheim. „Uns gefällt es hier sehr gut. Es ist ruhig und viele nette Menschen leben hier“, sagt Natik.“ Ein Problem ist, dass ich noch nicht so gut Deutsch spreche. Ende September ist meine Prüfung.“ Momentan suchen sie eine andere Wohnung für sich und ihre drei Söhne. Bei der Lage sind sich beide einig. Bestenfalls sollte sie in Gochsheim und nicht zu weit vom Schulgarten entfernt liegen.

    Arwen Haase arbeitet bei der Diakonie, ist Integrationslotsin für den nördlichen Landkreis. 

    Von Arwen Haase (Diakonie)

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