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    Werneck

    Ein Mann sieht rot – für die Bildstöcke

    Das Vermessen der Bildstöcke zählt zu den Erfassungsaufgaben von Winfried Hahner. Hier misst er ein jüngeres Exemplar von Bildhauer Julian Walter in Vasbühl, das 2008 von den Familien Fichna und Spahn aus dem Erlös des Karfreitags-Fischverkaufs gestiftet wurde. Foto: Dustin Rottmann

    Ganz genau sieht Winfried Hahner hin, ob die roten Punkte und Quadrate auch passen. Sie kennzeichnen auf Luftbildern, die übers Internet im Bayerischen Denkmal-Atlas verfügbar sind, die Bau- und Bodendenkmäler im Freistaat. Hahner hat vor allem die Bildstöcke im Markt Werneck im Blick: Der Egenhäuser kartiert ehrenamtlich für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege diese Kleindenkmale nach und aktualisiert sie.

    "Mir ist aufgefallen, dass öfter rote Punkte für die Bildstöcke im Denkmal-Atlas fehlen", erklärt der Rentner, der für die typisch fränkischen "Marterli" sensibilisieren will. Er hatte bei seiner früheren Beschäftigung im Archiv der Gemeinde Werneck begonnen, die Bildstöcke, Steinkreuze, Kreuzschlepper, Prozessionsaltäre, Sühnekreuze oder Hausfiguren für jeden Gemeindeteil aufzulisten.

    Im Bayerischen Denkmal-Atlas kann jeder online die Bau- und Bodendenkmäler einsehen. Foto: Screenshot Eidel

    Gerade die Gegend um Werneck und die gesamte Gemeindeallianz Oberes Werntal haben mehr als genug davon: Etwa 600 dieser steinernen Zeugnisse sind in der Datenbank des Fränkischen Bildstockzentrums Egenhausen erfasst. Dieses Allianzprojekt, das 2010 eröffnet wurde und von der Gemeinde Werneck getragen wird, will unter anderem mit einer multimedialen Ausstellung ein stärkeres Bewusstsein für den historischen Wert und die landschaftsprägende Bedeutung dieser Kleindenkmäler wecken.

    Versetzt, umgefahren oder auch neu aufgestellt 

    Immer wieder aber werden Bildstöcke versetzt, umgefahren, verfallen oder auch neu aufgestellt, weiß Hahner, der auch ehrenamtlich Museumsdienste im Bildstockzentrum in der ehemaligen Schule in Egenhausen übernimmt. Dass also im digitalen Denkmal-Atlas nicht jeder Stein korrekt eingetragen oder beschrieben ist, hat auch darin seinen Grund.

    Hahner wollte helfen und wandte sich an die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Schweinfurt sowie an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in Schloss Seehof bei Bamberg. Denn dieses arbeitet mit der Bayerischen Vermessungsverwaltung zusammen, um mit dem Denkmal-Atlas ein Fachinformationssystem aufzubauen, das der Öffentlichkeit Informationen bereitstellt und die Vorgänge der Denkmalfachberatung erfasst.

    Für die fehlenden Bildstöcke in den Wernecker Gemeindeteilen erarbeitet Hahner nun seit etwa zwei Jahren die nötigen Daten: Er sieht sich vor Ort den genauen Standort an, besorgt die Koordinaten, beschreibt das Material und die Formen, vermisst den Bildstock, informiert sich aus gedruckten und ungedruckten Quellen über die Inschriften, Figuren, Reliefs und über den Stifter oder Restaurator des Bildstocks. Auch der Eigentümer muss ermittelt werden. "Mit der heutigen Datenschutzgrundverordnung ist das gar nicht so leicht", weiß Hahner.

    Bei vier Wernecker Orten hat er für die Denkmalbehörden die entsprechenden Formblätter zur Erfassung von Kleindenkmälern bereits ausgefüllt, mit Fotos versehen und weitergeleitet, damit sie in die Denkmalliste und in den digitalen Denkmal-Atlas eingepflegt werden können. Egenhausen, Vasbühl und Schleerieth hat er schon vervollständigt, derzeit ist Schnackenwerth in Arbeit. "Mein Ziel ist, für alle 13 Gemeindeteile alle Bildstöcke zu erfassen."

    Über den Bayerischen Denkmal-Atlas kann jeder die gelisteten Bau- und Bodendenkmäler seines Ortes einsehen: http://www.blfd.bayern.de/denkmalerfassung/denkmalliste/bayernviewer. Außerdem bietet das Fränkische Bildstockzentrum Egenhausen interessant aufbereitete Informationen zu den Marterli, geöffnet bei freiem Eintritt jeden Sonn- und Feiertag von 11 bis 17 Uhr.

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