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    Schweinfurt

    Ein Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft

    Der Erich und Erna Kronauer-Preis ging an Prof. Jürgen Schneider. Erstmals wurde ein Wirtschaftshistoriker ausgezeichnet.
    Historikerpreis der Kronauer Stiftung für Jürgen Schneider: Der emeritierte Nürnberger Wirtschaftshistoriker Jürgen Schneider (rechts) erhielt den diesjährigen Preis für sein umfängliches Werk über die ökonomischen Ursachen des Scheiterns des kommunistischen Gesellschaftsexperiments. Foto: Anand Anders

    Zehn Jahre nach dem Fall der Mauer ist die Erich und Erna Kronauer-Stiftung gegründet worden. Seit dieser Zeit gibt es den alle zwei Jahre verliehenen und nach den Stiftern benannten Historikerpreis. Am Samstag wurde er zum zehnten Mal verliehen. Erstmals ging die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung an einen Wirtschaftshistoriker, an Professor Jürgen Schneider, der an der Universität Bamberg gelehrt hat und dort emeritiert wurde. Ausgezeichnet wurde er, so Erich Kronauer bei der Verlesung der Urkunde, "für sein umfängliches Werk über die ökonomischen Ursachen des Scheiterns des kommunistischen Gesellschaftsexperiments zwischen 1917 und 1989, das in vielerlei Hinsicht eine Pionierleistung darstellt."

    Der Preis war in der Vergangenheit nicht immer unumstritten, wurde ihm doch die Nähe zu revisionistischen Bestrebungen vorgeworfen, die die Verantwortung Deutschlands für die Schrecken des Nationalsozialismus relativieren.Derartige Tendenzen war am Samstag nicht zu spüren. Der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung und Preisträger von 2002, Dr. Friedrich Pohlmann, verwies darauf, dass es der Stiftung um die Aufarbeitung des gesamten Totalitarismus gehe.

    Vergleich mit dem Carus-Preis

    In der vollbesetzten Rathausdiele – unter den Gästen waren viele persönliche Freunde des Stifters und Weggefährten aus seiner Zeit in der Schweinfurter Industrie sowie der frühere Vorsitzende der SPD-Volkskammerfraktion und Mitarbeiter am Verfassungsentwurf des Runden Tisches, Richard Schröder – stellte Oberbürgermeister Sebastian Remelé den Preis auf eine Ebene mit dem Carus-Preis, der ebenfalls alle zwei Jahre an gleicher Stelle vergeben wird und sich an Naturwissenschaftler wendet. Das Rathaus sei der Ort der politischen Auseinandersetzung. Dort werde darum gerungen, wie die Stadt in die Zukunft geführt werden könne. Dabei sei man auf die Zuarbeit der Fachleute angewiesen. Dem Kronauer-Preis wies der OB in diesem Zusammenhang mit dem Blick "auf Tendenzen, die DDR-Zeit zu verklären", eine besondere Bedeutung zu.

    Dies stellet auch der Laudator, der Fürther Wirtschaftsethiker und katholische Priester, Professor Elmar Nass, an den Beginn. In einer Zeit, in der Geschichtsvergessenheit und eine Verklärung der DDR-Geschichte um sich griffen, sei es wichtig, aus der Geschichte zu lernen, um dem Totalitarismus nicht auf den Leim zu gehen, sagte er und bezog sich auf Friedrich von Weizsäcker.

    Mit scharfem Verstand und analytischer Klarheit habe Schneider die Geschichte des kommunistischen Wirkens aus dem Blickwinkel seines christlichen Menschenbildes untersucht. Dieses Menschenbild sei geprägt von Menschenwürde und Freiheit, während das materialistische über den Menschen hinweg entscheide. "Die Planwirtschaft gründet darauf, dass es keine unbedingte Würde des Menschen gibt." Die Partei bestimme, der Mensch werde entwürdigt, in solch einer Wirtschaftsordnung gebe es keinen Platz für Innovation. "Der Sozialismus ist in seinen Kerngedanken zum Scheitern verurteilt."

    Umfangreiches Werk

    Schneider stützt seine Kritik an Sozialismus und Kommunismus auf eine akribische Untersuchung der Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts, basierend auf der Auswertung umfangreichen statistischen Materials, das die Überlegenheit der Sozialen Marktwirtschaft über ein System des Plans belege. Zusammengefasst hat er dies in drei Bänden mit rund zweieinhalbtausend Seiten Umfang, das vor allem Insider ansprechen oder als Nachschlagewerk dienen dürfte.

    Der Zusammenbruch der sozialistischen Staaten sei ökonomisch determiniert gewesen, sagte Schneider in seiner Dankesadresse. Dies belegte er mit zahlreichen Details. So habe die DDR 1989/90 Strukturen wie die Bundesrepublik 1964 gehabt. Der Preisträger beließ es nicht allein mit dieser Einschätzung, sondern widmete sich auch der SPD, der er historisch die Nähe zur Planwirtschaft vorhielt und dies unter anderem mit ihrer Haltung in der unmittelbaren Nachkriegszeit und zur Währungsreform erklärte. Seine Dankesrede endete mit einem flammenden Plädoyer für die Soziale Marktwirtschaft.

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