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    Gerolzhofen

    Ein anderer Blick auf das Bürgerspital

    Beim Tag des offenen Denkmals in Gerolzhofen führte Gästeführerin Heike Bauer zahlreiche Interessierte um den Gebäudekomplex des Bürgerspitals. Foto: Klaus Vogt

    Der Tag des offenen Denkmals 2019 stand in diesem Jahr unter dem Leitwort "Umbrüche in Kunst und Architektur". Der Historische Verein Gerolzhofen nahm auch heuer wieder an diesem bundesweiten Aktionstag teil. Am Sonntag drehte sich alles um das Bürgerspital - ein Gebäudekomplex, der im Laufe der Jahrhunderte schon -zig Umbauten über sich hat ergehen lassen. 

    Zu jeder vollen Stunde waren Führungen rund um das Gebäude angeboten. Gästeführerin Heike Bauer konnte zu den drei Rundgängen jeweils um die 20 interessierte Personen begrüßen. Der Historische Verein mit der neuen Vorsitzenden Anne Bauerfeld und ihrer Stellvertreterin Beate Glotzmann boten den Gäste kleine Häppchen und Getränke an. Buben und Mädchen konnten sich mithilfe bereitgelegter Garderobe in das Patrizierehepaar Betz und Anna Rucker verwandeln, die um das Jahr 1400 ein Spital in Gerolzhofen gestiftet hatten. Ein Büchertisch mit den verschiedenen Erscheinungen der Reihe "de geroldeshova" rundete das Angebot ab. 

    Historische Bilder

    Museumsleiter Klaus Vogt hatte im Foyer des Spitals eine kleine Ausstellung mit historischen Bildern und geschichtlichen Informationen aufgebaut. Die erste Nutzung des Gebäudes fand als Stadtadelsburg in der Stauferzeit (11. bis 13. Jahrhundert) statt. Der Wohnturm war zugleich ein strategisch wichtiger Punkt an der Südseite der Stadtbefestigung. Die Schießscharten im Erdgeschoss des Turm zeugen noch heute davon. Der Wohnturm ist damals im Besitz der Adelsfamilie Zollner von Hallburg, umrahmt von Scheunen und Stallungen. Der Turm-Komplex ist heute der älteste erhalten gebliebene Steinbau in der Stadt.

    Das Bürgerspital unter einem speziellen Blickwinkel: der Tag des offenen Denkmals machte es möglich. Foto: Klaus Vogt

    Das Schweinfurter Patrizier-Ehepaar Anna und Betz Rucker, mutmaßlich Nachfahren des alten Gerolzhöfer Adelsgeschlechts derer von Lamprecht, kauft das Anwesen anno 1389 von den drei Ritter-Brüdern Conrad, Stephan und Wilhelm Zollner von Hallberg ab und nutzte den Turm als Wohnung. 

    Zahlreiche Nutzungsänderungen

    Im Jahr 1402 stiftet das Schweinfurter Patrizier-Ehepaar Rucker ihren Turm samt Hof für „bedürftige Menschen“. Zwei benachbarte Anwesen werden aufgekauft und ebenfalls integriert. Das Anwesen trägt fort an den Namen „Hospitale Beatae Mariae Virginis“ (Spital der seligen Jungfrau Maria) und wird zum Freihof erklärt, ist also abgabenfrei. Die Bewohner (Pfründner) müssen sich einkaufen, wenn sie hier wohnen und verpflegt werden wollen, das heißt, sie haben vorab ihren gesamten Besitz dem Spital zu überschreiben. Und sie müssen für das Seelenheil des Stifter-Ehepaars beten. Dazu wird neben an eine kleine Spitalkirche errichtet, die 1409 erstmals erwähnt wird.

    Unter Fürstbischof Julius Echter wird der Gebäudekomplex um das Jahr 1580 komplett umgebaut und erweitert. Unter anderem wird das gesamte Areal über einen Meter aufgefüllt. Das alte Spital der Eheleute Rucker lag deutlich tiefer, was heute wieder freigelegte Torbogen und Fenster beweisen. Echter ändert auch die Spitalordnung: Nun werden auch mittellose und kranke Mitbürger aufgenommen, die keine Finanzmittel haben, um sich einzukaufen. 1968 übernimmt die Caritas das Haus. 1971 verlassen die letzten Bewohner das Spital und ziehen in das neu errichtete Caritas-Wohnstift „Steigerwald“ um.

    Neben der Nutzung als Altenheim zieht 1921 auch die Schule ein. Die Stadt mietet zwei Räume als Schulsäle an. Zu dieser Zeit wird noch getrennt nach unterschiedlichen Konfessionen unterrichtet. Ab 1958 (bis 1979) wird das Erdgeschoss (Küche, jetzt Minnesängerraum) als zudem als Stadtmuseum genutzt. 

    Heute modernes Begegnungszentrum

    Nach dem Auszug des Altenheims dient das Gebäude von 1974 bis 1980 als erstes Jugendzentrum der Stadt Gerolzhofen. Ab 1980 beginnen die Umbauten in den heutigen Zustand: Das altehrwürdige Gebäude beherbergt nach zahlreichen "Umbrüchen" nun die Stadtbibliothek, das Stadtarchiv, die Volkshochschule, die Musikschule und öffentliche Begegnungsräume.

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