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    GEROLZHOFEN

    Ein kleiner Gehweg für jeden Prüfling

    Seit nunmehr zehn Jahren wird im Staatlichen Bauhof am Bischwinder Weg in Gerolzhofen einmal pro Jahr die so genannte „verwaltungseigene Straßenwärterprüfung“ abgenommen. 44 Männer aus ganz Bayern nehmen in dieser Woche an der Prüfung teil, die sich in praktische, schriftliche und mündliche Teile gliedert. Aus Anlass der zehnten Prüfung kamen am Dienstag Landrat Florian Töpper sowie weitere Vertreter von Behörden in den Bauhof, um den Absolventen über die Schulter zu schauen.

    Der in der Handwerksrolle eingetragene Ausbildungsberuf des Straßenwärters setzt für Schulabsolventen eine dreijährige Ausbildungszeit voraus. Seit 1995 gibt es in Gerolzhofen am Bischwinder Weg die bayerische Straßenwärterschule, an der pro Jahr jeweils 70 bis 80 Auszubildende im Blockunterricht geschult werden. Die Männer, die beim Freistaat, bei Landkreisen und Kommunen beschäftigt sind, erhalten nach bestandener Abschlussprüfung dann ihren Gesellenbrief.

    Für Quereinsteiger

    Davon zu unterscheiden ist die „verwaltungseigene Straßenwärterprüfung“. An dieser Prüfung nehmen berufliche Quereinsteiger teil, die vor ihrer Tätigkeit bei einer Landkreis- oder kommunalen Straßenmeisterei schon eine Ausbildung in einem anderen, zumeist handwerklichen Beruf absolviert haben und sich nun nach Meinung ihrer Vorgesetzten bei der täglichen Arbeit im neuen Umfeld bewährt haben. Bestehen sie die Prüfung, sind sie den Straßenwärtern mit dreijähriger Ausbildung gleichgestellt und haben dann die Chance, mit dieser Zusatzqualifikation auch beruflich weiterzukommen.

    Das Staatliche Bauamt Schweinfurt stelle seit nunmehr zehn Jahren die Einrichtungen der Gerolzhöfer Straßenwärterschule gerne für die Abnahme der verwaltungseigenen Straßenwärterprüfung zur Verfügung, betonte Amtsleiter Holger Bothe.

    Die Wertigkeit der Prüfung erhöht

    Bis vor zehn Jahren wurde die Prüfung für die Quereinsteiger noch auf Bezirksebene abgenommen – mit der Folge, dass die einzelnen Prüfungen und Anforderungen in den verschiedenen Regionen offenbar sehr unterschiedlich gestaltet waren, wie es der Prüfungsvorsitzende Walter Pleiner, Leiter des Tiefbauamtes am Landratsamt Unterallgäu, am Dienstag erklärte. Um die dadurch aufgetretenen, teils sehr unterschiedlichen Bewertungen zu vereinheitlichen und um die Wertigkeit der Prüfung insgesamt zu erhöhen, wurden die Prüfungsausschüsse zu einem zusammengefasst und seit dem Jahr 2009 wird die Prüfung zentral für den gesamten Freistaat in Gerolzhofen abgehalten. Denn im Schulungszentrum des Staatlichen Bauamtes sind alle baulichen und logistischen Voraussetzungen vor allem für den praktischen Prüfungsteil vorhanden.

    Bei der ersten zentralen Prüfung vor zehn Jahren haben damals nur 14 Bewerber teilgenommen, weiß Rudolf Gehr, der Leiter des Tiefbauamtes des Landratsamtes Schweinfurt. Danach habe sich die Zahl der Prüflinge aber kontinuierlich gesteigert. Inzwischen gehen jeweils deutlich mehr Bewerbungen ein, als angenommen werden können. Denn aus logistischen Gründen können an den drei Prüfungstagen nur maximal 44 Prüflinge durchgeschleust werden. Seit 2009 haben insgesamt schon 330 Quereinsteiger die verwaltungseigene Straßenwärterprüfung in Gerolzhofen absolviert.

    300 Kilometer Kreisstraßen

    Landrat Florian Töpper sagte, der Umstand, dass man die Prüfung für die Quereinsteiger im Straßenwärterdienst bei Landkreisen und Kommunen im Gerolzhöfer Schulungszentrum des Staatlichen Bauamtes abhalten könne, unterstreiche die jahrelange gute Zusammenarbeit zwischen dem Bauamt und dem Landkreis Schweinfurt. Der Landkreis brauche für den Unterhalt der rund 300 Kilometer Kreisstraßen bestens ausgebildete Mitarbeiter. Die Autofahrer würden ja auch nicht unterscheiden, ob sie gerade auf einer Bundes-, Staats- oder Kreisstraße unterwegs seien, ergänzte Walter Pleiner. „Wir brauchen moderne Straßen für moderne Autos.“ Deswegen sei es wichtig, in allen Straßenmeistereien eine gleich hohe Qualifikation der Mitarbeiter vorzuhalten.

    Im praktischen Teil der verwaltungseigenen Prüfung mussten die angehenden Straßenwärter ähnlich wie bei einem Zirkeltraining sieben verschiedene Stationen auf dem weitläufigen Gelände des Bauhofs durchlaufen. Geprüft wurde beispielsweise das richtige Anbringen einer sogenannten „wegweisenden Beschilderung“ mit weißen, gelben und blauen Richtungshinweisschildern sowie die richtige Absicherung und Beschilderung einer Baustelle.

    Handwerkliches Geschick brauchten die Männer bei der Gerätekunde, wo sie Kettensäge, Motorsense oder einen Kompressor betriebsbereit machen und gegebenenfalls reparieren mussten. Praktische Erfahrung war bei der Baustoffkunde gefragt, wo zum Beispiel verschiedene Arten von Split und unterschiedliche Körnungen erkannt werden mussten. Das Übertragen von Höhen durch Nivellieren oder das Setzen von Pflöcken im rechten Winkel waren weitere Aufgaben.

    Mit Fadengerüst und Wasserwaage

    Besonders arbeits- und zeitintensiv war der Bau eines rund zwei Meter breiten Gehwegabschnitts im feuchten Grubensand. Zunächst mussten die Prüflinge entsprechend einer gezeichneten Planvorlage Randsteine in den Sand setzen, dann dazu einen Wassereinlass und die Regenrinne aus Pflastersteinen im vorgegebenen Neigungsgrad anlegen. Zuletzt galt es, auf der anderen Seite der Randsteine auf einem bestimmten Niveau waagrecht Platten als Gehweg zu verlegen. Die Männer kamen unter den wachsamen Augen der Prüfer bei der Arbeit mit Fadengerüst, Wasserwaage und Gummihammer gehörig ins Schwitzen.

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