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    GRETTSTADT

    Eine Zeitreise durch die Dorfgeschichte

    Fast einhundert Zuhörer erlebten eine Zeitreise durch die Dorfgeschichte von Grettstadt. Überrascht und erfreut über den starken Zuspruch zeigte sich Bürgermeister Ewald Vögler, der zu dieser Führung durch die Bahnhofstraße eingeladen hatte. Unterstützung fand er in Gemeindearchivar Wolfgang Dorda und Ruth Volz vom Historischen Arbeitskreis, die Wissenswertes von gestern und vorgestern zusammengetragen hatten.

    Grund für die enorme Straßenbreite war der offene Wassergraben, der von Dürrfeld kommend durch den Ort bis zur Möör, einem Feuchtgebiet, führte, wo das Wasser stand oder versickerte. Während die Bauernhöfe ihr Wasser aus eigenen Brunnen holten, waren die anderen Anwesen auf die öffentlichen Wasserschöpfstellen angewiesen, eine davon dort, wo heute das Kriegerdenkmal steht.

    Anwohner erinnerten sich, dass die Weeth zwar vorrangig als Löschwasserteich diente, aber auch die Gänse darin schwammen, Vieh und Pferde darin gebadet wurde, weshalb die Schnakenschwärme im Sommer Dauergäste waren. Erst 1956/57 als mit dem Ausbau der Bahnhofstraße eine erste feste Teerdecke aufgebracht wurde, verschwand die offene Wasserfläche. Der Wasserlauf wurde dabei in ein unterirdisches Gewölbe verlagert an das die Kanalisation angeschlossen wurde. Das gemauerte Gewölbe ist heute noch erhalten. Eine erste Wasserleitung gibt es seit 1937.

    Grettstadts Bürger waren aufgeteilt an zwei Lehnsherren, die rechte Straßenseite zahlte Zehnt an das Kloster Ebrach, die linke Straßenseite an das Hochstift Würzburg. Das Ebracher Amtshaus stand einst am heutigen Anwesen Laufer, das Würzburger Amtshaus mit Zehntscheune in der Kirchgasse (Anwesen Lenhard). Während der ganze Ort von den Scheunenmauern und einer dichten Dornenhecke gegen Eindringlinge geschützt war, sorgte der Nachtwächter dafür, dass die beiden Tore zwischen den heutigen Anwesen Seifert und Dünninger und am Abzweig Dürrfeld-Sulzheim abends verschlossen und früh geöffnet wurden. Nur nach Gochsheim war der Zugang, wie die historischen Karten von 1833 zeigen, offen. Aber auch hier stand wohl einst ein Dorftor.

    Der 1903 fertiggestellte Bahnhof hatte für den wirtschaftlichen Aufschwung Grettstadts große Bedeutung. Die zahlreichen Besitzerwechsel der Gaststätte zur Eisenbahn, die von Fuhrunternehmer Johann Gress gebaut bis hin zum Kinderhaus der Caritas erstaunte die Zuhörer, den meisten nur als Gasthaus Schröder bekannt. Sondergebäude wie die Schäferei, das Gänshüter- und Hirtenhaus oder auch das Armenhaus findet man in der Bahnhofstraße. Hier liegt auch das 1958 gegründete genossenschaftliche Kühlhaus, wo man sein hausgeschlachtetes Fleisch, Beeren und Gemüse in Kühlfächern lagerte, als es noch keine privaten Gefriertruhen gab.

    Viele Informationen gab es zum Betrieb von Emil Lenhard, der zunächst mit Eibisch und Gewürzen begann, dann Hühnerfutter verkaufte und eine Gurkensammelstelle betrieb, um das Gemüse zur Verarbeitung nach Gochsheim zu liefern. 1955 stieg Lenhard selbst in die Gurkenverarbeitung ein, ließ neben Dosen auch Gläser befüllen, war mit dem Gurkenflieger ein Pionier in der technisierten Gurkenernte, belieferte in den 70er Jahren den Discounter Aldi mit 200 000 Gläsern Gurken. War die Gurkenverarbeitung abgeschlossen nahm er Paprika und Sellerie aus Süd- und Osteuropa in seine Verarbeitung auf. 1983 gab er seinen Betrieb auf. Nicht unerwähnt blieb auch Lore Lenhard, die letzte Hebamme Grettstadts, mit deren Unterstützung viele Hausgeburten stattfanden.

    Der Führung schloss sich ein gemütlicher Dämmerschoppen am Rathausbrunnen mit dem Grettstädter Jungwinzer Günter Birkner an, der seit kurzem einen Weinberg am Falkenberg bewirtschaftet.

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