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    SCHWEINFURT

    Einst Angstgegner der Bayern

    Am 14. Mai 1907 trafen sich neun sportbegeisterte junge Männer im damaligen Kaffee „,Zapf“ (Schultesstraße) und gründeten den 1. Fußballverein Viktoria 1907. Nach Meinungsverschiedenheiten traten zwei Jahre später einige Mitglieder aus und riefen den Fußballclub Union 1909 ins Leben. 1926 mussten die Rivalen wieder fusionieren: Beider Sportplätze lagen in der Wehr, die die Stadt aber für ihre Wasservorräte sperrte. Aus Viktoria 07 und Union 09 wurde der Verein für Rasenspiele von 1907, der nun nach 104 Jahren wohl von der Bildfläche verschwinden wird. So wie schon die Schweinfurter Traditionsvereine Schützen Oberndorf oder Tennis-Club Weiß-Blau.

    Anfänge auf einem Schuttplatz

    Der junge Verein Viktoria trug seine ersten Wettspiele auf einem Schuttplatz nahe der heutigen Hahnenhügelbrücke aus, später am Viehmarkt zwischen Theater und Sachs-Bad. Noch 1907 bildete sich eine Leichtathletik, die Gründung einer Faustball-Abteilung scheiterte 1910.

    Selbst der Erste Weltkrieg hielt die Viktoria-Mitglieder nicht davon ab, ihren geliebten Sport weiter zu betreiben. Beleg: ein Sportfest im Sommer 1917. Nur von kurzer Lebensdauer war die Liaison mit dem 1. Athletenclub. Zusammenschluss 1919, Trennung 1920. 1923 wurde durch den Fußballverband die „Befähigungsliga“ gegründet, in der neben der Viktoria der FC 05 Schweinfurt, die Kickers Würzburg und der 1. FC Bamberg kickten.

    Nach dem mehr oder weniger erzwungenen Zusammengehen von Viktoria und Union 1926 waren die Klubs bis Herbst 1928 ohne Sportplatz. Großzügigerweise gewährte der FC 05 für diese Zeit Gastfreundschaft auf seinem Platz an der Ludwigsbrücke.

    Zwischenzeitlich machten sich die VfRler „mit größtem Fleiß daran“, den Hutrasen auszubauen. Aber das Pech klebte den 07ern an den Stiefeln: Das Vereinsheim musste „zum Entsetzen aller wieder abgebrochen werden“. Es stand im Hochwassergebiet des Saumains. Fast hätten die jetzt doppelten Kosten dem Verein damals schon den Ruin gebracht. Aber 71 Mitglieder leisteten für 10 000 Reichsmark Bürgschaften und retteten den Klub.

    Der sportliche Erfolg setzte in den 1930er Jahren ein. 1933 und 1934 errang der VfR die Meisterschaft in der unterfränkischen Kreisliga. Damals schon in der Mannschaft: die späteren Nationalspieler Ander Kupfer und Robert Bernard. 1939 gelang der Aufstieg in die Gauliga, höchste deutsche Spielklasse. Ein kleiner Verein, 314 Mitglieder stark, wurde in einem Atemzug genannt mit dem 1. FC Nürnberg, 1860 München und Bayern München. Und welcher Klub kann schon von sich behaupten, die Bayern dreimal geschlagen zu haben. Dem VfR gelang dieses Kunststück.

    Vereinsheim im Krieg zerstört

    Auch im Tschammerpokal, dem heutigen DFB-Pokal, war der VfR im Jahr 1940 erfolgreich. Ende war im Achtelfinale gegen Rapid Wien. Vor 10 000 Zuschauern setzte es im Prater-Stadion nach einer 1:0-Führung eine 7:1-Schlappe.

    1946: Das im Krieg zerstörte Vereinsheim wurde nach dem Wiederaufbau eingeweiht. Sportlich schlug die Nachkriegszeit dem VfR schwere Wunden. Entgegen dem Versprechen, dass jeder Verein wieder in der gleichen Klasse anfangen könne, wurde der VfR tiefer angesiedelt. Viele Spieler wanderten deshalb zum FC 05 ab, der in die Süddeutsche Liga aufgenommen wurde.

    Wegen des Rhein-Main-Donau-Kanal-Baus musste der Klub den ,„Sportplatz am Freibad“ verlassen. Die Staustufe brauchte Platz. Bis 1965 war der Klub Gast in der Wehr. Am 20. Juni 1965 erfolgte die Rückkehr aufs Gelände am Hutrasen.

    Glück brachte das neue Sportgelände zunächst keines. Der VfR, seit 1947 immer in der Bezirksklasse vertreten, musste absteigen. Die Rückkehr gelang erst 1971/72 wieder. 1977/78 schnupperte der VfR noch einmal fußballerische Höhenluft, als der Aufstieg in die Landesliga gelang. Nach drei Jahren musste der Klub wieder in die Bezirksliga zurück, heute spielen Kicker des VfR mit den Balltretern des SC 1900 im neu gegründeten Fußballverein FSG zusammen. Man hatte jeweils nicht mehr genügend Spieler und Potenzial, wenigstens die Kreisliga zu halten.

    Zurück zur Historie: Immer wieder gelang es, zu Jubiläen namhafte Gegner zu holen. Zum 70. Geburtstag gab es vor 2500 Zuschauern eine 3:5 Niederlage gegen Werder Bremen. 1982 gastierte zum 75. Wiegenfest Borussia Mönchengladbach in Schweinfurt. Das Spiel endete 3:10 für die Profis.

    Es gab im „Fußballclub“ auch viele andere Sportmöglichkeiten, eine Gesangs-, Faustball- und Box-Abteilung beispielsweise. 1978 kam eine Tennisabteilung hinzu.

    Stationen im Zeitraffer

    Weitere Stationen im Zeitraffer: 1981: Die Sauna wurde durch einen Brand vollständig zerstört. Schaden 80 000 DM. 1984: Die VfR-Korbball-Abteilung, mittlerweile aufgelöst (2001), richtete sogar eine Deutsche Feldkorbball-Meisterschaft aus.

    1986: Erstmals erscheint das „VfR- Journal“, das später „News“ heißt. 1990: Über Deutschland hinwegfegenden Orkane hinterlassen auf dem VfR-Gelände schwerste Schäden. 1992: Gründung der Kegelabteilung, mittlerweile ebenso aufgelöst. 1997: Zum 90. Geburtstag gastieren bei einem Open-Air-Konzert im Sachs-Stadion die Backstreet-Boys vor über 23 000 Zuschauern. 2009: Seit Gründung der FSG gibt es keine Fußball-Abteilung mehr. 2010: Die Tennismannschaft beendet das Spiel. Einzig verbliebene Abteilung ist die Gymnastikabteilung.

    Von unserem Redaktionsmitglied Hannes Helferich

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