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    ZEUZLEBEN

    Elend, Armut und Dankbarkeit

    Die Trucker warten am Hafen im süditalienischen Bari auf die Überfahrt nach Albanien.
    Die Trucker warten am Hafen im süditalienischen Bari auf die Überfahrt nach Albanien. Foto: Manfred Fuchs

    Schockiert vom Elend in einer Roma-Siedlung, entsetzt von der großen Armut und gerührt von der übergroßen Dankbarkeit der beschenkten Menschen: Solche Emotionen wühlen Manfred Fuchs noch immer auf. Der Zeuzlebener Johanniter-Mitarbeiter kam am Neujahrsabend von der Weihnachtstrucker-Tour seiner Hilfsorganisation aus Albanien zurück. 3500 Kilometer Fahrt lagen hinter ihm und eine Flut an Eindrücken.

    Bereits zum dritten Mal durfte der 59-Jährige den Johanniter-Hilfskonvoi begleiten, als einziger Mitarbeiter aus dem Ortsverband Schweinfurt-Bad Kissingen. Insgesamt 45 Lastzüge voller gespendeter Lebensmittelpakete hatten sich am zweiten Weihnachtsfeiertag von Landshut aus auf die Reise nach Südosteuropa gemacht. Die Route führte nach Rumänien, Bosnien und Albanien und erstmals auch die Ukraine. „Wir waren diesmal einen Tag länger unterwegs, damit wir mehr Zeit für die Verteilung der Päckchen hatten“, erläutert Manfred Fuchs.

    Sieben Tage lang waren die Lkw-Fahrer unterwegs. Über Italien und das Mittelmeer ging es zuerst nach Albanien. Sechs Laster mit 7200 Paketen sowie zwei Begleitfahrzeuge, von denen der Zeuzlebener eines steuerte, umfasste dieser Konvoi mit 16 freiwilligen Helfern.

    Hilfsmannschaft übernachtete im Kloster

    Fuchs arbeitet hauptberuflich bei den Schweinfurter Johannitern im Fahrdienst. Das Sitzen hinterm Steuer, verbunden mit der Hilfeleistung für alte und kranke Menschen, ist er gewohnt.

    Das Ziel seines Konvois war die nordalbanische Stadt Shkoder mit dem Nonnenkloster des Schweizer Ordens „Spirituelle Weggemeinschaft“, wo die Hilfsmannschaft unterkam. Von dort aus wurden die Hilfspakete zur Verteilung auf kleinere Fahrzeuge umgeladen, um sie in die einzelnen Dörfern zu transportieren. Denn: „Abseits der Hauptstraße sind die Straßen sehr schlecht, voller Schlaglöcher oder unbefestigt“, erzählt Fuchs. Der Dauerregen in den vergangenen Wochen tat sein Übriges.

    Schlamm, Matsch und Wasser – dieses Bild bestimmte auch die beiden Roma-Siedlungen, in denen Fuchs beim Verteilen der Lebensmittel half. Als „unvorstellbar“ und „schrecklich“ beschreibt er die Zustände in der einen Siedlung. Dort standen nur Blech- und Holzhütten, natürlich ohne Strom und fließend Wasser. „Hier herrscht die - pure Armut.“ Sie seien alle „geschockt“ gewesen, als die Bewohner der Siedlung das Johanniter-Auto stürmten. Die Helfer verteilten neben Lebensmitteln auch Kleidung, Schuhe und Socken. „Das wurde uns alles nur so aus den Händen gerissen“, erzählt Fuchs.

    „Die Roma haben kaum Bildungschancen“

    Die Ordensschwestern suchen immer wieder diese Siedlungen auf und ermuntern die Kinder, zur Schule zu gehen. „Die Roma haben kaum Bildungschancen“, hat Fuchs von Schwester Christina, einer deutschen Ordensfrau, erfahren. Nur wenigen gelinge ein Ausstieg aus der Armut.

    Auch der übrigen albanischen Bevölkerung geht es schlecht, „schlechter als im Jahr zuvor“, gibt Fuchs seine Erfahrungen wider. „Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer“, zitiert er die Ordensschwester.

    Die Helfer haben gesehen, wie Menschen am Straßenrand im Müll nach Verwertbarem suchen. Das Glück über ein unerwartetes Lebensmittelpaket aus Deutschland, das die Johanniter spontan verteilten, hätten sie kaum fassen können.

    Wegen des schlechten Wetters und der unpassierbaren Wege wurde ein Teil der in Deutschland gespendeten Pakete erst einmal im Kloster der Ordensschwestern deponiert, um sie später zu verteilen, berichtet Fuchs. Er selbst beteiligte sich an einer aufwändigen Hilfstour in ein abgelegenes Flusstal in den Bergen. Nach einer knappen Stunde Fahrt zuerst mit dem Auto, dann mit dem Boot über einen See und schließlich einer Stunde Fußmarsch hätten die Helfer eine kleine Siedlung erreicht.

    Emotionale Lob- und Dankreden

    Begleitet von Schwester Christina, dem örtlichen Pfarrer und einem Polizisten beschenkten die Johanniter unter anderem einen kranken Mann in ärmlichsten Verhältnissen. Für ihn war der unerwartete Besuch aus Deutschland das schönste Geschenk, denkt Fuchs an dessen emotionale Lob- und Dankreden.

    „Dort oben leben die Menschen noch in Blutrache“, hat Fuchs erfahren. Was aber nicht das einzige große Problem des Balkanlandes ist, das seit 2014 als EU-Beitrittskandidat geführt wird. Vor allem die Korruption hindere das ehemals kommunistische Albanien an einem wirtschaftlichen Fortkommen. „Wir haben gesehen, dass gelegentlich Straßen gebaut werden, von einer österreichischen Firma“, berichtet Manfred Fuchs. Aber weil zwei Drittel der für den Straßenbau bereitgestellten Gelder verschwunden seien, stagnieren die Arbeiten.

    Der Zeuzlebener Johanniter weiß, dass viel mehr Hilfe für das Land und seine Menschen nötig wäre und dass die Weihnachtstrucker-Aktion, die es seit 24 Jahren gibt, nur ein Symbol sein kann. „Es ist ein bisschen Hoffnung und ein Zeichen, dass die Menschen nicht vergessen sind.“

    Johanniter Manfred Fuchs verteilt Lebensmittelpakete.
    Johanniter Manfred Fuchs verteilt Lebensmittelpakete. Foto: Manfred Fuchs
    Ordensschwester Christina beschenkt ein Kind mit Bananen.
    Ordensschwester Christina beschenkt ein Kind mit Bananen. Foto: Manfred Fuchs
    Erbärmlich ist der Zustand vieler Straßen in Albanien.
    Erbärmlich ist der Zustand vieler Straßen in Albanien. Foto: Manfred Fuchs
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