• aktualisiert:

    REGION GEROLZHOFEN

    Es könnte ein Jahrhundert-Jahrgang werden

    Während in den vergangenen Jahren um diese Zeit die Hauptweinlese vielerorts erst so langsam angelaufen ist, haben die Winzer der Region heuer schon einen Großteil ihrer Ernte eingefahren. Die durchweg heißen Sommermonate haben dafür gesorgt, dass die Vegetation der Rebstöcke schon einige Wochen weiter fortgeschritten ist als sonst üblich.

    Florian Loos, Bachelor of Science der Internationalen Weinwirtschaft aus Dingolshausen, sieht den frühen Lesetermin aber positiv. Zwar sei der Sommerurlaub etwas kürzer ausgefallen, jedoch konnte die Lese bisher entspannt über die Bühne gehen. Kein Fäulnisdruck, 100 Prozent gesundes Lesegut und beständiges Wetter lassen bei den Winzern vom Steigerwald bis zur Mainschleife derzeit wenig Hektik aufkommen.

    Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) auf Anfrage dieser Redaktion mitteilt, sind die Reife- und Ertragsaussichten in den Weinbergen heuer sehr stark von der Wasserversorgung abhängig, die sich derzeit selbst innerhalb einzelner Lagen äußerst heterogen präsentiert. Durch ausreichende Winterniederschläge habe sich die Trockenheit in Franken erst spät bemerkbar gemacht, heißt es dazu von Seiten des Fränkischen Weinbauverbands. An gut mit Wasser versorgten Anlagen stehen die Reben deshalb prächtig. „Das diesjährige Weinjahr zeigt ganz klar, dass das Thema Bewässerung weiterhin im Fokus des Fränkischen Weinbauverbands stehen muss. Hierfür haben wir uns auch bei der Bayerischen Staatsregierung eingesetzt“, betont Verbandspräsident Artur Steinmann.

    Bewässerung ist wichtig

    Je näher die Weinlagen im (Zufluss-)Bereich des Maines liegen, desto einfacher haben es die Winzer, ihre Weinberge mit Wasser zu versorgen. So wurde beispielsweise von Reiner und Martin Mößlein aus Zeilitzheim schon vor vielen Jahren begonnen, einzelne Weinberge ihres Weingutes mit Tröpfchenbewässerungsanlagen auszurüsten. Jahr für Jahr installierten die beiden weitere solcher Anlagen, sodass inzwischen eine Bewässerung großflächig möglich ist. Durch seine jahrzehntelange Erfahrung im Weinbau konnte Reiner Mößlein außerdem die richtigen Zeitpunkte für die Bodenbearbeitung in den Zeilen abpassen, was wiederum – neben intensiver Begrünung – der geringen Niederschlagsmengen etwas entgegenwirkte.

    Anders sieht die Situation im Steigerwald aus, wo in manchem nicht mit ausreichend Wasser versorgten Weinberg die Rebstöcke unter der Trockenheit litten. Nach zwei Dritteln der Ernte mussten die Dingolshäuser Armin und Florian Loos konstatieren, dass circa 30 Prozent weniger eingefahren wurde, als noch im Vorjahr. Die trockene Witterung hat aber durchaus auch ihr Gutes: Der Pflanzenschutz bereitet den Winzern kaum Sorgen.

    Alte Reben wurzeln tief

    Für die Weinmacher „Wein von 3“ aus Zeilitzheim ist es inzwischen schon die siebte Weinlese für ihr Schlossweingut. Seit 2012 hat ihre Rebfläche in Stammheim von 1,3 auf fast vier Hektar zugenommen, darunter sind sowohl Flächen mit fast 40 Jahre alten Rebstöcken als auch solche, die in den vergangenen Jahren erst neu gepflanzt wurden. „Die Trockenheit war für uns kein Problem“, berichtet Alexander von Halem, „weil die alten Reben tief wurzeln und wir im August 45 Liter Regen abbekommen haben“. Für die Junganlagen wurde eine Tröpfchenbewässerung eingebaut.

    Auch Winzer Michael Scheller aus Stammheim kann für sein Bocksbeutelweingut in weinbaulicher Hinsicht sehr positiv auf das Jahr zurückblicken. „Seit längerer Zeit war wieder einmal genug Winterfeuchtigkeit vorhanden und somit bereits eine gute Ausgangssituation gegeben“, betont er. Aufgrund der ausreichenden Regenmengen im Frühjahr und der warmen Witterung sei das Rebenwachstum rasant vorangeschritten, so Scheller. Dies habe aber auch eine ziemliche intensive Arbeitsspitze für Ausbrechen, Laubarbeiten und Traubenreduzierung bedeutet, fügt er an.

    Fast alles gleichzeitig reif

    Derzeit deute die Entwicklung in vielen Fällen auf einen nahezu einheitlichen Reifezeitpunkt vieler Rebsorten in den nächsten Wochen hin, meldet das DWI. Ebenso wie einige seiner Kollegen konnte bei Michael Scheller daher auch mit Kerner und teilweise Silvaner zu lesen begonnen werden, die sonst gewöhnlich den frühreifen Sorten Bacchus und Müller-Thurgau den Vorzug geben. Wenn die Wettervorhersagen weiterhin gut bleiben, werden die Schellers für die ganz besonderen Bocksbeutelweine noch ein wenig zuwarten. Gerade bei Silvaner oder beim Weißburgunder rechne er mit hohen Mostgewichten, was ideal für trockene Spätlesen sei. „Ich kann mir auch gut vorstellen beim Rieslaner auf eine Auslese beziehungsweise Beerenauslese zu spekulieren“, sagt ein zufriedener Michael Scheller erwartungsfroh.

    Die Winzer hätten aus dem Weinjahr 2003 gelernt und ernteten deshalb rechtzeitig für das jeweilige Weinprofil, damit die Alkoholwerte im fertigen Wein moderat bleiben, erklärt Artur Steinmann und ergänzt: „Das diesjährige Weinjahr gibt uns Winzern die Möglichkeit, je nach Alter der Weinstöcke, Niederschlag und Hitze in den einzelnen Weinbergen sowohl vollmundige Weine als auch leichtere Trinkweine zu erzeugen.“

    Hoffnungsfrohe Winzer

    Bei Winzern und Verbänden besteht Einigkeit: Mit dem bisherigen Verlauf der Lese ist man hochzufrieden. „Wir sehen eine qualitativ gute Weinlese und die ersten Eindrücke unserer Winzer deuten auf einen sehr guten Jahrgang mit hohem Potenzial hin“, lautet die Zwischenbilanz von Artur Steinmann. Die besten Voraussetzungen für einen Jahrhundert-Jahrgang seien durch den guten Gesundheitszustand der Trauben gegeben. „Ganz konkret wissen wir dies aber erst, wenn die ersten Jungweine probiert sind.“

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!