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    Werneck

    Ettleben brannte an allen Ecken und Enden

    Von den Wernecker Gemeindeteilen erlebte Ettleben bei Kriegsende vor 75 Jahren die heftigsten Zerstörungen.
    1944 war der sehr große Bunker in Werneck zwischen Meininger und Schönbornstraße gebaut worden, der etwa 1000 Menschen Schutz vor Kämpfen bot.
    1944 war der sehr große Bunker in Werneck zwischen Meininger und Schönbornstraße gebaut worden, der etwa 1000 Menschen Schutz vor Kämpfen bot. Foto: Archiv Bernd Göbel

    Zahlreiche Menschenleben und gewaltige Zerstörungen forderte das Ende des Zweiten Weltkriegs in diesen Tagen vor 75 Jahren in der Gemeinde Werneck. Am stärksten betroffen war Ettleben, in dem 80 Prozent des Dorfes niedergebrannt und viele Tote zu beklagen waren. Dort war auch der deutsche Widerstand gegen die heranrückenden US-Truppen besonders groß. Die Ereignisse der letzten Kriegstage hat der Historische Verein Markt Werneck zusammengestellt.

    Dessen Vorsitzender Bernd Göbel hat verschiedene Quellen ausgewertet, hat Zeitzeugen gehört und das Buch von Wilhelm Böhm "Schweinfurt soll so lange wie möglich gehalten werden", herangezogen. Am 7. April 1945, einem Samstag, waren Bodentruppen der 12. US-Panzer Division von Opferbaum und Eßleben her Richtung Werneck gezogen. Laut dem Zeitzeugen Alfred Schmitt war auf der Eisenbahnbrücke vor Werneck eine Bombe platziert worden, die bei der Durchfahrt der Amerikaner gesprengt werden sollte. Den Befehl zur Sprengung sollte Schmitt im Auftrag des Volkssturmführers an ältere Mitglieder des Volkssturms überbringen.

    Doch diese sowie ein vorbeikommender SS-Sturmbannführer mit Begleitung weigerten sich. Ein kleiner Trupp Soldaten mit Edelweißabzeichen führte schließlich die Sprengung durch, die allerdings kaum Wirkung zeigte: Ein amerikanischer Räumpanzer schob die Trümmer beiseite. Ebenso wenig wirksam war eine Panzersperre an der Engstelle bei der Einfahrt nach Werneck, beim alten Amtsgericht: Auch sie wurde weggeschoben.

    An der anderen Ortsseite, an der Einmündung der Ettlebener in die Meininger Straße, hoben drei SS-Angehörige eine Grube aus, um von dort aus die amerikanischen Panzer mit Panzerfäusten anzugreifen. Wie die Zeitzeugin Christa Reuß erzählte, fürchteten Wernecks Bürgermeister Ludwig Röckelein und der damalige Landrat aber, dass die Menschen, die sich in den dahinter liegenden Bunker geflüchtet hatten, gefährdet wären. Sie sprachen mit den SS-Leuten, die dann ganz kurz vor der Ankunft der US-Panzer abzogen. Der sehr große Bunker war 1944 errichtet worden. Seine Eingänge befanden sich in der Meininger Straße und in der Schönbornstraße. Dort hielt sich ein großer Teil der Bevölkerung auf, um Schutz zu finden.

    Bei den heftigen Kämpfen in Ettleben vor 75 Jahren wurde das Dorf zu 80 Prozent zerstört. Auch der Brunnen vor der Kirche war nur noch ein Trümmerhaufen. 
    Bei den heftigen Kämpfen in Ettleben vor 75 Jahren wurde das Dorf zu 80 Prozent zerstört. Auch der Brunnen vor der Kirche war nur noch ein Trümmerhaufen.  Foto: Archiv Bernd Göbel

    Werneck selbst ergab sich kampflos durch Hissen von weißen Fahnen. Der Ort hätte den Einmarsch ohne größere Opfer überstanden, wenn nicht die bei Ettleben stationierte deutsche Flak, die Flugabwehrkanonen, das Feuer auf die amerikanischen Truppen eröffnet hätte, schreibt Bernd Göbel. So starb am Abend des 7. April die 15-jährige Annemarie Kuhn im Keller ihres Elternhauses, als ihr eine Pressluftgranate die Lunge zerriss. Am frühen Abend des 8. April wurde der Gasthofbesitzer Josef Bötsch auf der Schlossbrücke von einem Granatsplitter tödlich verletzt. In der damaligen Adolf-Hitler-Straße, der Schönbornstraße, starben Josef Sebert und Franz Josef Deppisch. Auch fünf Kriegsgefangene und Soldaten wurden getötet, mehrere Menschen verletzt.

    Der Eingang zum großen Bunker in Werneck ist noch heute von einem Anwesen in der Meininger Straße aus zu sehen.
    Der Eingang zum großen Bunker in Werneck ist noch heute von einem Anwesen in der Meininger Straße aus zu sehen. Foto: Silvia Eidel

    Die drei Flak-Stellungen im Norden von Ettleben, die zur Verteidigung Schweinfurts dienten, hatten wohl den Befehl, "bis zum letzten Schuss" zu kämpfen, so Göbel. Deshalb beschossen sie am 6. April amerikanische Panzer im sieben Kilometer entfernten Schwanfeld. Auch die tags darauf in Werneck einrückende amerikanische Panzer-Division wurde heftig angegriffen. Die US-Artillerie schoss zurück. Am Nachmittag erfolgte zudem ein US-Luftangriff mit Sprengbomben und Raketen, der 15 Gebäude zerstörte und sechs große Brände auslöste. Danach setzte die US-Artillerie den starken Beschuss auf den Ort und die Flakstellungen fort.

    Auch vom Ettlebener Kirchturm herab beschossen deutschen Einheiten die heranrückenden US-Truppen, die ihrerseits mit Dauerbeschuss erwiderten.
    Auch vom Ettlebener Kirchturm herab beschossen deutschen Einheiten die heranrückenden US-Truppen, die ihrerseits mit Dauerbeschuss erwiderten. Foto: Archiv Bernd Göbel

    Während viele Einwohner im Schutz der folgenden Nacht Ettleben verließen, in Werneck und Stettbach oder im Felsenkeller Zuflucht suchten, verschlug es eine gemischte deutsche Kampfgruppe in den Ort. Sie verschanzte sich dort und leistete heftigen Widerstand gegen die Amerikaner.

    Bei einem erneuten Luftangriff wurden über 150 Brand- und Splitterbomben abgeworfen. Am Nachmittag des 8. April brannte das Dorf an allen Ecken und Enden. Doch erst bei Einbruch der Dunkelheit gelang es den Amerikanern, ins Dorf vorzudringen. Manches Haus wurde dabei noch zerstört.

    Es kam zu heftigen Ortsgefechten mit der SS und der Luftwaffen-Kampfgruppe, die viele Menschenleben forderten, bevor sich die SS Richtung Steigerwald zurückzog. Gegen 21.30 Uhr war Ettleben erobert. 24 deutsche Soldaten, ein Russe und drei Frauen wurden getötet. Ettleben war zu 80 Prozent zerstört: 46 Wohnhäuser, 59 Scheunen und 47 Stallungen waren vernichtet.

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