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    Bergrheinfeld

    Experte hält Netzausbau nicht für notwendig

    Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion in Unterfranken um die geplanten Stromtrassen SuedLink und P43 stellte der Nürnberger Stromanbieter N-ergie AG die Notwendigkeit derartiger Trassen grundsätzlich in Frage. Der Leiter des Zentralbereichs Unternehmensentwicklung bei N-ergie, Rainer Kleedörfer, tat dies auf einer Veranstaltung in Bergrheinfeld, zu der die Bürgerinitiative (BI) „Bergrheinfeld sagt NEIN“ eingeladen hatte.

    Unter den Zuhörern, die den Saal der Gaststätte „Weißes Ross“ bis auf den letzten Platz füllten, waren neben interessierten Bürgern auch Bürgermeister, Lokalpolitiker und Kreisräte, heißt es in der Pressemitteilung der BI. 

    Kostenschätzungen nahezu verdreifacht

    Kleedörfer bezweifelte, dass Bayern überhaupt dringend neue Stromleitungen brauche, um Windstrom vom Norden in den Süden zu transportieren, wenn die Atomkraftwerke alle abgeschaltet sind. Zudem würden dadurch Milliardengräber drohen. Der geplante Netzausbau führe laut Kleedörfer nach aktuellem Stand zu Kosten von insgesamt 95 Milliarden Euro und weiteren fünf Milliarden Euro durch die sogenannte Blindleistungskompensation. Damit hätten sich Kleedörfer zufolge die Kostenschätzungen  innerhalb der vergangenen drei Jahren nahezu verdreifacht.

    Doch, so Kleedörfer, der Netzausbau werde auf Grundlage "fragwürdiger Definitionen" und darauf basierender Berechnungen vorangetrieben, die den Neubau von zusätzlichen Leitungen notwendig erscheinen lassen würden. Als Alternative hierzu stellte Kleedörfer die dezentrale Energieversorgung vor, wie sie beispielsweise die Stadtwerke Nürnberg erfolgreich praktizieren würden. Der Referent hob ferner die Vorteile weiterer Technologien – wie etwa Power-to-Gas – hervor, die ein notwendiger Baustein der Energiewende seien und zudem speicherbar, transportabel und beim Kosten-Nutzen-Verhältnis wesentlich vorteilhafter seien, heißt es in der Pressemitteilung.

    Netzausbau kein effektiver Klimaschutz

    Der Netzausbau sei nach Kleedörfers Schilderung außerdem kein effektiver Klimaschutz. Denn er erfolge rein auf Basis der Handelszahlen aus den Strombörsen und nicht auf Basis der tatsächlichen benötigten Stromflüsse. Dieser Handel erzwinge demnach zukünftig auch, dass deutsche Netze klimaschädliche Kohlkraftwerkseinspeisungen – etwa aus Polen – aufnehmen. Auch Atomstromflüsse seien denkbar, die doch eigentlich im Zuge der Energiewende komplett aus der Energieversorgung verschwinden sollten.

    Sogar die Bundesnetzagentur selbst habe bestätigt, so der Experte, dass die geplanten Netzausbauvorhaben nicht für die Versorgungssicherheit notwendig seien. Und im Falle einer sogenannten Dunkelflaute, bei der es weder ausreichend Wind noch Sonne zur Stromproduktion gebe, könnten bereits bestehende Gaskraftwerke im Süden Deutschlands genutzt werden.

    Bürgerinitiative: Tennet handelt rechtswidrig

    Wie der Bergrheinfelder BI-Vorsitzende Norbert Kolb berichtete, schreibe Tennet/Transnet BW gerade durch ein Planungsbüro Grundstücksbesitzer an, um Untersuchungen auf der von den Netzbetreibern vorgeschlagenen Vorzugsvariante der SuedLink-Trasse durchzuführen. Dieses Vorgehen sei – solange die aktuell andauernde Bundesfachplanung noch nicht abgeschlossen sei – rechtswidrig und sollte auf keinen Fall geduldet werden, so Kolb.

    Jürgen Hermann von der Bürgerinitiative „Thüringer gegen SuedLink“ berichtete, dass dies auch in Thüringen und Hessen der Fall sei. Auch die dortigen Bürgerinitiativen hätten demnach zum Betretungsverbot aufgerufen. Scharfe Kritik am Vorgehen von Tennet kam von den anwesenden Landwirten und Grundstücksbesitzern, berichtet die BI in ihrem Pressetext. Doch dieses Vorgehen von Tennet passe insgesamt zu dem Bild, das man von Tennet & Co. habe, so die Meinungen.

    Spontane Einladung in den Kreistag

    Kleedörfer erntete für seine Ausführungen viel Lob von den Anwesenden. CSU-Landratskandidat Lothar Zachmann lud Kleedörfer spontan in die CSU-Landkreisfraktion ein. Freie-Wähler-Vorstandsmitglied Norbert Dotzel forderte, Kleedörfers Vortrag im Kreistag Schweinfurt vorzustellen. Der Experte sagte sofort zu, diese Einladung Anfang 2020 anzunehmen.

    Die Bergrheinfelder Bürgerinitiative wird nach den Worten ihres Vorsitzenden Kolb die Arbeit im nächsten Jahr fortsetzen, um durch dezentrale Lösungsansätze die Netzausbauvorhaben zu verhindern. Bereits für Januar steht hier ein Treffen mit Landrat Florian Töpper (SPD) an. Weitere länder- und bundesübergreifende Treffen zur Zusammenarbeit werden folgen, schließt die Pressemitteilung. 

    Bearbeitet von Gabriele Kriese

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