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    Grafenrheinfeld

    Familienkonzert: Ein Orgelspaziergang mit Astrid Lindgren

    Die Idee für ein Konzert von Musica Sacra für junge Familien kam gut an. Am Konzept muss aber noch gefeilt werden.
    Gemeinsam mit Sprecher Markus Grimm (sitzend), Regionalkantor Rainer Aberle und Gregor Frede an der Orgel ging auf auf Klangreise zu Astrid Lingrens Geschichten. Foto: Daniela Schneider

    Barocke Klänge schweben von der Orgelempore der Grafenrheinfelder Pfarrkirche – darin eingebettet die Melodie von "Hey, Pippi Langstrumpf". Auf den Kirchenbänken wippen Kinder und Eltern im Takt – Musica Sacra und die Katholische Kirchenverwaltung haben im Rahmen der Konzertreihe "Klangkunst" zu einem Familienkonzert "Auf den Spuren von Astrid Lindgren" geladen.

    Eine kleine Premiere und ein weiterer Versuch des musikalischen Leiters Rainer Aberle im 20. Jahr des Bestehens neue Wege der Konzertgestaltung zu gehen. Das kommt an: Gut 100 Besucher haben trotz herrlichsten Sonnenscheins die Garten- mit der Kirchenbank getauscht. Das "Gewusel ist groß, aber gewollt", wie Aberle extra betont, allerdings sind doch mehr ganz junge Kinder da, als die Veranstalter vermutet haben.

    Zu Gast sind mit dem Würzburger Diözesanmusikdirektor Gregor Frede an der Orgel und Rezitator und Schauspieler Markus Grimm zwei "alte" Bekannte der Konzertreihe, "zwei Stars", erklärt Rainer Aberle, der immer wieder die Zwischenmoderationen übernimmt, um zu den Orgelsequenzen überzuleiten. Beide Künstler haben schon mehrfach in Grafenrheinfeld gefeierte Konzerte gestaltet, noch nie allerdings vor so jungem Publikum.

    Gregor Frede macht seine Sache grandios und nimmt Kinder und Eltern mit auf Orgelreise: kindgerecht, mit kurzen Stücken und bekannten Melodien, genial improvisiert – Musik, die nur "einmal so gespielt wird". Mal tanzt der Bibabutzemann, dann gibt es für die 20 Jahre alte Winterhalter-Orgel ein Geburtstagsständchen und schließlich verwandelt er die Pfarrkirche in einen klanglichen Zoo mit trötenden Elefanten, munteren Springmäusen und quakenden Fröschen. Sein zauberhaftes Orgelspiel wird, für alle gut sichtbar, auf Großleinwand übertragen und die Kinder staunen, wie flink die Hände über die Tasten flitzen, wie elegant die Füße über die Pedalen gleiten, wie eine dritte Hand aus dem Off die Register zieht. "Toll" sagt eine junge Mutter, denn wie da oben am Spieltisch der Organist agiert, sieht man ja unten sonst nicht.

    Mehr Improvisationsgeschick wäre nötig

    Sprecher Markus Grimm derweil beweist mit seiner Vortragswahl ein weniger glückliches Händchen: Natürlich sind die Geschichten von "Sachensucher" Pippi, Lotta und ihrem Fahrrad oder Michel in der Suppenschüssel ganz wunderbar – hier im Konzert mit diesen vielen ganz jungen, kleinen Menschen sind sie einfach zu lang, dazu noch uninspiriert vorgetragen; etwas mehr Improvisationsgeschick wäre in Anbetracht der jungen Publikumsschar wünschenswert gewesen, stellt eine Besucherin später fest.

    Während die Erwachsenen auf ihre Kosten kommen, gelingt es Grimm nicht, "das junge Gewusel" mitzunehmen. Einzig ein kleiner Blondschopf, der sich zum Sprecher nach vorne wagt, lockert die Stimmung, sieht er doch genauso aus, stellt Grimm fast erstaunt fest, wie man sich den frechen Michel aus Lönneberga vorstellt.

    Gut eine Stunde dauert das Konzert; Organisator Rainer Aberle zieht anschließend eine eher gemischte Bilanz: Die Idee eines Konzertes für junge Familien ist gut und das Interesse da, wie der Blick in die Kirchenbänke zeigte, doch muss wohl für eine Neuauflage noch am Konzept "gefeilt werden".

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