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    MÜHLHAUSEN

    Fast vergessener Bildstock erstrahlt in neuem Glanz

    Ende August war es soweit, dass ein fast vergessener Bildstock nach einer Notsicherung Anfang Mai 2016 und einer denkmalfachlichen Konservierung durch den Fachrestaurator Michael Tully aus Königsberg i. Bayern wieder aufgestellt werden konnte.

    Ursprünglich gehörte der Bildstock aus dem Jahre 1742 rechts der Autobahn in Richtung Fulda zur Gemarkung Gänheim des Altlandkreises Karlstadt. Der Autobahnbau in den 60er Jahren und die Fertigstellung des Autobahnabschnitts der A7 bis Werneck führten mit der Landkreisreform anfangs der 70er Jahre dazu, dass das Gelände rechts der Autobahn der Gemarkung des heutigen Wernecker Ortsteils Mühlhausen zugeordnet wurde und der Markt Werneck mit der Eingemeindung 1976 damit – wohl unbewusst – um einen Bildstock reicher wurde.

    An einem ursprünglich historischen Verbindungsweg der beiden Ortschaften Mühlhausen und Gänheim am Rande eines kleinen Wäldchens am Riedener Berg, mit dem typisch fränkisch klingenden Flurnamen „Hinterdruarte“, ist die Standortfläche des 1742 errichteten Bildstocks gelegen.

    Erstmalige Erwähnung findet der Bildstock in einer Bestandsaufnahme der Autoren Braun und Metzger aus dem Jahre 1961, in der auch der damalige Zustand und die darauf zu erkennenden Darstellungen des Bildstocks von einem Kreuz mit zwei Assistenzfiguren (Maria und der Lieblingsjünger Johannes) und einer Pieta vorne an der Mitte des Schafts knapp beschrieben werden.

    Als Aufschrift am Kapitell unter der Kreuzesdarstellung ist für den Betrachter der fromme Gebetsruf formuliert: „Gekreuzigter Herr Jesus Christus Erbarme (sic) dich unser“.

    Am unteren Ende des Schafts sind vier Heiligendarstellungen zu erkennen. Auf der linken Seite der Erzengel Michael und auf der Rückseite der heilige Antonius mit dem Lamm auf dem Arm. Die figürlichen Darstellungen vorne und rechts des Schafts lassen aufgrund fehlender Partien keinen eindeutigen Rückschluss auf einen bestimmten Heiligen oder eine Heilige zu.

    Als Sockelinschrift ist zu lesen: „Gott und seiner aller(seligsten) Mutter zu ehrn (sic) hat der ehrsame Johann Schmith und seine ehliche (sic) hausfrau (sic) (…) diess (sic) Bild aufrichten lassen 1742“.

    Besagter Bildstock führte über viele Jahrzehnte hinweg ein Schattendasein und geriet auch durch die neuen Zuständigkeiten der Kreisreform in Vergessenheit. Bei der Neuinventarisierung aller Bildstöcke des Marktes Werneck durch den Historischen Verein Werneck und ehrenamtlich Engagierten des Bildstockzentrums in Egenhausen wurde Winfried Hahner im Jahr 2011 von Mitgliedern des Heimatkundevereins Arnstein auf den Bildstock aufmerksam gemacht, dessen Existenz bis dahin unbekannt war.

    Der Gesamtzustand des Bildstockes konnte zu diesem Zeitpunkt als äußerst gefährdet beschrieben werden. Verwitterung, Pflanzenbewuchs und eine durch Baumwurzeln verursachte Schieflage setzten dem Bildstock derart zu, dass er für immer verloren zu gehen drohte.

    Bildstockpfleger Winfried Hahner machte sich gerade noch rechtzeitig zum Anwalt für den Erhalt des alten Bildstocks und kurbelte eine mögliche Rettung des historischen Denkmals an und legte sogar selber Hand an, um den Bildstock zumindest vom Bewuchs zu befreien.

    Zunächst musste über die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Schweinfurt die Eigentumsfrage geklärt werden, da nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz grundsätzlich die jeweiligen Eigentümer für den Erhalt oder die Instandsetzung ihrer Baudenkmäler verantwortlich sind. Als Eigentümer eines Bildstocks gilt derjenige, auf dessen Grund und Boden selbiger steht. Die Recherche und Zuordnung der betreffenden Flurnummer ergab letztendlich die Bundesautobahngesellschaft als Eigentümerin des Bildstocks.

    Nach Klärung aller rechtlich relevanten Sachzusammenhänge stellte sich die Bundesautobahngesellschaft vorbildlich der Verantwortung für ihren Bildstock und ließ diesen in konservatorischer Weise aus dem Budget des bundeseigenen Haushalts für Autobahnen restaurieren.

    Ein neuer geeigneter Standort konnte in enger Abstimmung und Zusammenarbeit der Denkmalbehörde mit dem zuständigen Kreisheimatpfleger Guido Spahn und der Autobahnmeisterei gefunden werden. Der neue Standort wird über die entsprechenden GPS-Daten lokalisiert und neu in den online zugänglichen „Bayerischen Denkmalatlas“ eingepflegt.

    Ende August war es endlich soweit. Der beauftragte Fachrestaurator Michael Tully aus Königsberg konnte den Bildstock so konservieren, dass seine Wiederaufstellung im neuen Glanz am Standort „Riedener Berg“ möglich wurde. Über die denkmalfachlich gelungene Restaurierung und den positiven Ausgang der Rettung des Mühlhäuser Bildstocks freuen sich Kreisheimatpfleger Guido Spahn und Winfried Hahner vom Bildstockzentrum in Egenhausen.

    Zukünftig soll eine regelmäßige Inspektion helfen, den frisch sanierten Bildstock rechtzeitig vor einer massiven Zerstörung zu bewahren.

    Von Kreisheimatpfleger Guido Spahn

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