• aktualisiert:

    GEROLZHOFEN

    Feindschaft durch Freundschaft überwinden

    Rita Pfister

    Rita Pfister aus Gerolzhofen ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Die bekannte Geschäftsfrau wurde am 31. Juli 1925 in Hundsfeld geboren – ein Ort, den es heute nicht mehr gibt. Die Bewohner mussten das Dorf südlich von Hammelburg verlassen, als der Truppenübungsplatz Hammelburg von der Wehrmacht vergrößert wurde.

    Die Eltern von Rita Pfister, geb. Rüth, bewirtschafteten einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Schon in jungen Jahren musste sie auf dem Hof mitarbeiten, während sie die Volksschule besuchte. Als die Bewohner das Dorf 1937/38 verlassen mussten, zog die Familie Rüth nach Gerolzhofen. Hier beendete Rita Pfister die Volksschule und besuchte anschließend die Handelsschule in Schweinfurt. Die Ausbildung dort konnte sie jedoch nicht beenden, da alle Lehrer an die Front mussten.

    Rita Pfister wollte daraufhin eine Lehre beginnen, doch auch das war nicht möglich, ohne Nachweis eines Pflichtjahres. Daher meldete sie sich für den Wartegau im heutigen Polen. Diese Zeit, so erzählte sie später, habe sie ihr ganzes Leben lang geprägt, denn schon damals erlebte sie, wie die polnische Bevölkerung gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben wurde. In diesen Häusern lebten dann Deutsche aus Bessarabien und der Dobrudscha (heute Ukraine, Moldawien und Rumänien), die damals „heim ins Reich“ geholt worden waren.

    Wieder zurück in Gerolzhofen begann Rita Pfister im Büro des Kfz-Betriebes und der Fahrschule Pfister zu arbeiten. Im März 1946 heiratete sie den Juniorchef Nikolaus Pfister. Er war mit schwersten Verwundungen aus dem Krieg nach Hause gekommen, was zur Folge hatte, dass er dauerhaft auf Hilfe angewiesen war. Rita Pfister arbeitete in der Mercedes-Niederlassung und in der Fahrschule bis zum Rentenalter mit. Sie bekam vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter.

    Geprägt durch ihre Kriegserlebnisse engagierten sich Nikolaus und Rita Pfister seit 1971 für die Städtepartnerschaft Gerolzhofens mit dem französischen Mamers. Das Ehepaar zählte zu den Gründungsmitgliedern des Partnerschaftskomitees. Rita Pfister sah keine bessere Bewältigung ehemaliger Feindschaften, als Freundschaften zu schließen. Bis ins hohe Alter pflegte sie intensive Kontakte nach Mamers. Auch für die Partnerschaft mit Elek (Ungarn) hat sie sich von Anfang an engagiert.

    Unter dem damaligen Stadtpfarrer Alfred Rost war Rita Pfister in der Kirchenverwaltung aktiv und anschließend eine Periode lang im Pfarrgemeinderat. Über 50 Jahre war die Verstorbene Mitglied im Katholischen Frauenbund. Auf Drängen des damaligen Gerolzhöfer Pfarrers Hans-Joachim Grunenberg gründete Rita Pfister 1988 den Krankenhausbesuchsdienst für die heutige Geomed-Klinik. Sie arbeitete dort solange aktiv mit, bis es die Krankheit ihres Mannes nicht mehr zuließ.

    Es gab schwere Schicksalsschläge, die Rita Pfister in ihrem Leben zu bewältigen hatte. So starb ihr Ehemann bereits 1997, ihr Sohn Karlheinz starb 2009 und ihr Sohn Manfred 2013. Um Rita Pfister trauern ihre Tochter Christiane Kerzdörfer und ihr Sohn Erich, sieben Enkel und elf Urenkel mit den Familien.

    Die Beisetzung findet am Montag, 10. September, statt. Um 13.30 Uhr beginnt der Rosenkranz in der Stadtpfarrkirche, das Requiem wird um 14 Uhr im Steigerwalddom gefeiert. Die Beerdigung auf dem städtischen Friedhof schließt sich an. Foto: Sauer

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!